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Arbeiten trotz Coronavirus: Erfahrungen im Homeoffice: Wenn die Kinder in die Videokonferenz platzen

Tausende Deutsche arbeiten seit dieser Woche im Homeoffice. Wir haben unsere Leser gefragt, wie sie das Arbeiten von zu Hause aus erleben. Während einige in der Jogginghose auf der Couch fläzen, ist es für andere purer Stress.

Vater sitzt mit seinem Baby am Computer

Mit Kindern ist das Homeoffice eine besondere Herausforderung

Getty Images

Das Coronavirus wirbelt unsere Welt durcheinander – im Großen wie im Kleinen. Auch im Job müssen sich viele umstellen: Da die Ansteckungsgefahr so groß ist, wird empfohlen, wo immer möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. Das ist sicherlich nicht in allen Berufen machbar, denn nicht jeder arbeitet in seinem Alltag im Büro am Computer. Es gibt jede Menge Menschen, die Maschinen bedienen, Supermarktregale befüllen oder in deren Job auch in diesen Zeiten der direkte Kontakt mit Menschen unabdingbar ist.

Wer aber seine Arbeit größtenteils digital verrichtet, der tut das gerade weitestgehend aus dem Homeoffice. Statt Meetings gibt es nun Telefon- und Videokonferenzen, die eigene Wohnung wird zum Büro, der Schreibtisch zur Schaltzentrale. Wir wollten von unseren Lesern auf Facebook wissen, welche Erfahrungen sie in den ersten Tagen im Homeoffice gemacht haben.

Arbeitet ihr wegen des Coronavirus von zu Hause aus? Uns interessiert, wie es euch dabei ergeht, welche Vor- und Nachteile ihr seht und welche Tipps ihr habt.

Gepostet von stern am Mittwoch, 18. März 2020

Homeoffice: Arbeiten in der Jogginghose

Die meisten Antworten, die wir bekommen haben, sind eher positiv. "Läuft alles einwandfrei, inklusive 'Ruhe' und Jogginghose", schreibt Simon E. "Controlling, Auswertungen usw. geht wunderbar von zu Hause aus", berichtet uns Cynthia R. "Ich genieße es auch deshalb, weil ich richtig viel schaffe."

Auch Katja M. empfindet das Arbeiten von zu Hause als viel effektiver: "Das Homeoffice spart echt viel ein, vor allem drei Stunden Arbeitsweg." Angelo F. freut sich angesichts der zurückgegangenen Arbeitsbelastung über "ein bisschen Zeit für sich – Terrasse, Kaffee und gutes, frisches Essen".

Zeit für sich – davon können Eltern, die gerade zu Hause im Doppeleinsatz sind, nur träumen. Sie müssen arbeiten und parallel auch noch ihre Kinder betreuen, die zur Zeit auch nicht in die Schule oder Kita gehen können. Kate G. sieht gute und schlechte Seiten: "Vorteil: morgens länger schlafen und dann produktiver sein. Nachteil: zur gleichen Zeit das Kind beschulen. Aber wir grooven uns ein."

Die Schwierigkeiten: Kinder und langsames Internet

Da kann es auch mal zu lustigen Situationen kommen. Matze L. berichtet, wie sein Dreijähriger mitten in einen Anruf platzte: "Wir machen das Beste draus und unsere Kunden reagieren bis jetzt auch mit Humor. Es klappt halt auch so." Der Kinderlärm macht auch anderen den Arbeitsalltag schwer: "In der ganzen Nachbarschaft rennen die Kinder draußen rum und schreien, als wären sie komplett alleine auf der Welt. Von 13-19 Uhr. Konzentrieren ist so schlecht möglich", sagt Vane R.

Wenn aber eben doch das übliche Pensum erledigt werden muss, kann es zu Hause auch schnell ungemütlich werden. Viele verfügen in den eigenen vier Wänden nicht über die Ausrüstung, die sie an ihrem Arbeitsplatz im Büro haben – was auch nicht verwunderlich ist. "Mir fehlen meine beiden Schreibtische. Zu Hause kann ich mich nicht so breit machen", bemerkt zum Beispiel Paula H. "Mit einem Tag pro Woche HO war es der Tag für ruhiges und konzentriertes Arbeiten. Jetzt alltäglich mit Festnetz, Mobil, Skype, Mattermost-Chat, Mail,... der Wahnsinn" , sagt Bigs N. Heike B. kämpft zudem mit ihrem "relativ langsamen Internet".

Für ein gutes Arbeitsklima in vielen Büros spricht, wie viele Menschen ihre Kollegen vermissen. Das muss auch nicht verwundern – in einer Zeit, in der auch in der Freizeit soziale Kontakte heruntergefahren werden müsste, würde man sich über ein wenig Miteinander am Arbeitsplatz freuen. "Mir fehlt der direkte Austausch mit den KollegInnen und die Kinder lenken halt ab. Aber das sind Luxusprobleme...", schreibt Ennovy M.

Nicht alle können von zu Hause aus arbeiten

Nach wie vor aber werden einige Beschäftigte immer noch von ihrem Arbeitgeber ins Büro zitiert – auch dort, wo es nicht zwingend nötig wäre. "Mein Arbeitgeber pennt noch", beschwert sich eine Userin. "Fürsorgepflicht sieht anders aus." Und natürlich gibt es die Menschen, die ihrem Job nicht aus der Distanz nachgehen können.

Bine M. beispielsweise kümmert sich um Menschen, die in betreuten Wohneinrichtungen untergebracht sind. "Da ist es wichtig zu seinen Klienten zu fahren und sie zu unterstützen", sagt sie. "Aber ich mache es gerne, auch sie brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung." Andere nehmen es mit Humor: Staplerfahrerin Nadine O. hatte schon die Idee, "mir eine GoPro an den Stapler zu machen und ne Fernsteuerung zu installieren und ich fahr bequem von zu Hause aus".

epp

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