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HypoVereinsbank: Deutschlands bekannteste Bankerin steigt aus

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Christine Licci verlässt nach weniger als einem Jahr die HypoVereinsbank. Stationen ihrer Karriere und wie sie die Finanzwelt im Sturm eroberte.

Sie ist die bekannteste Bankerin Deutschlands. Im Sturmlauf eroberte Christine Licci vom heimischen Südtirol aus die deutsche Finanzwelt. 2003 - damals war sie Chefin der Citibank Deutschland - wurde sie von der "Wirtschaftswoche" sogar zur Managerin des Jahres gewählt. Seit Januar leitete Licci das Privatkunden-Geschäft der HypoVereinsbank. Der attraktiven Managerin mit italienischem Pass wurden sogar gute Chancen eingeräumt, nach der Übername der Münchner Großbank durch die italienische Unicredit neue Deutschland-Chefin zu werden.

Doch nun hat Liccis Bilderbuchkarriere einen Knick. Die Bankerin wirft das Handtuch. Ein Grund soll eine E-Mail an ihre Mitarbeiter vom Sommer sein, in der sie sich darüber beklagt haben soll, dass die Leistungen ihres Fachbereichs bei der anstehenden Fusion mit den Italienern nicht genügend gewürdigt worden sei. Damit sei klar gewesen, dass sie wohl nicht bleiben würde, verlautete es aus Finanzkreisen.

Unter ihrer Führung in die schwarzen Zahlen

Licci soll wie andere Topmanager auch ein Sonderkündigungsrecht mit Gehaltsfortzahlung für eine bestimmte Zeit haben für den Fall eines Besitzerwechsels. Wie es weiter heißt, könnte es sich dabei etwa um insgesamt drei Millionen Euro handeln. Licci hatte in ihren ersten Monaten bei der HVB nach eigenen Worten bei der Sanierung des Privatkundengeschäfts "große Fortschritte erzielt" und im Juni "deutlich schwarze Zahlen" für das laufende Geschäftsjahr angekündigt. Die Managerin setzte sich auch nach Bekanntwerden der Fusionspläne mit der italienischen Großbank beherzt für eine Stärkung des Privatkundengeschäfts der HVB in Deutschland ein.

Ende September kündigte Licci an, die HypoVereinsbank werde künftig verstärkt auf Haustürvertreter in der Finanzberatung setzen. Ein so genannter mobiler Vertrieb sollte als Spezialisteneinheit mit künftig rund 500 Beratern ab Januar 2006 seine Arbeit aufnehmen. "Wir bieten unseren Kunden künftig die gleiche Beratungsqualität wie in den Filialen unabhängig von den Öffnungszeiten auch zu Hause an", betonte Licci damals. Im öffentlichen Hick-Hack um das Für und Wider einer Fusion - vor knapp zwei Wochen hatten der HVB-Aufsichtsratschef und Übernahme-Kritiker Albrecht Schmidt sowie zwei weitere Mitglieder des Kontrollgremiums ihren Rücktritt erklärt - mit Unicredit war in den vergangenen Tagen nichts von ihr zu vernehmen. Die Nachricht von ihrem Rücktritt schlug deshalb jetzt ein wie eine Bombe.

Bankengeschäft von der Pike auf gelernt

Licci wurde 1964 in Kastelruth in Südtirol als Tochter einer Hoteliersfamilie geboren. Obwohl sie ursprünglich Konzertpianistin werden wollte, entschied sie sich auf Drängen ihrer Eltern für eine Karriere in der Wirtschaft. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mailand, das sie 1990 abschloss, lernte sie das Bankengeschäft von der Pike auf. Erste Erfahrungen sammelte sie als Trainee in der Mailänder Filiale der Dresdner Bank. 1992 kam sie nach Deutschland und wurde Treasurer bei der Schweizer Großbank UBS in deren Filiale in Frankfurt am Main. 1996 wechselte Licci dann zur Citibank, die zur US-Citigroup gehört. Schon kurz nach ihrem Wechsel war sie für den Bereich Optionsscheine der Citibank in Europa und Japan verantwortlich; ab 1999 trug sie auch die weltweite Verantwortung. Im gleichen Jahr stieg sie in den Vorstand der Citibank AG auf und wurde 2001 Vorstandsvorsitzende der Citibank Privatkunden AG mit damals rund drei Millionen Kunden.

Unter Liccis Führung konnte die Citibank gegen den Branchentrend drei Mal hintereinander ein Rekordergebnis erwirtschaften. Das "Wall Street Journal Europe" wählte Licci im Mai 2003 auf Platz 13 der Liste der 25 wichtigsten Managerinnen weltweit. Der Bankenchefin war es auch gelungen, die zuvor starke Fluktuation der Belegschaft innerhalb kürzester Zeit zu halbieren. Dann verließ sie etwas das Glück. Die Geschäftszahlen von 2003 waren nicht mehr so glänzend wie in den drei Jahren zuvor, "faule Kredite" trieben die Kosten für die Risikovorsorge in die Höhe. Im Mai 2004 zog sie sich vom Chefposten der Citibank zurück. Die genauen Gründe blieben im Unklaren. Licci ließ verlauten, sie habe nach einer neuen Aufgabe gesucht. Rund ein halbes Jahr später hatte sie den nächsten Spitzenposten in einer deutschen Bank inne. Die spannende Frage ist nun, wie lange es diesmal dauern wird, bis Liccis Name wieder in einer Vorstandsliste auftaucht, und in welchem Unternehmen dies dann sein wird.

Michael Bauer/AP / AP