Klinik-Streik Uni-Ärzte machen Druck

Die Ärzte streiken weiter: Die Protestaktionen an den Universitäten wurde mittlerweile auf auf 20 Standorte ausgeweitet. Doch den Kliniken geht finanziell langsam die Puste aus.

Im Tarifkonflikt um bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen wollen die Ärzte an Universitäts-Kliniken den Druck weiter erhöhen. Der Klinikärzteverband Marburger Bund (MB) hat eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf 20 Standorte angekündigt. Der MB-Vorsitzende Frank-Ulrich Montgomery und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff äußerten sich zuversichtlich, dass der Konflikt in den nächsten Wochen bereinigt werden könne.

Am Vortag waren nach MB-Angaben an 15 Standorten mehr als 3000 Mediziner in den Ausstand getreten. Schwerpunkte sind nun erneut Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Für die Patientenversorgung sind nach Angaben der Ärztegewerkschaft Notdienste eingerichtet.

Marburger Bund ist siegessicher

Montgomery verteidigte die Streiks und zeigte sich siegessicher. "Ich halte es für realistisch, dass dieser Konflikt in einigen Wochen über die Bühne ist, sagte Montgomery den "Nürnberger Nachrichten". In den in Dortmund erscheinenden "Ruhr Nachrichten" bestand er auf einer Gehaltserhöhung von 30 Prozent für die Mediziner. Diese 30 Prozent hätten die Ärzte durch Kürzungen der vergangenen Jahre und die unbezahlten Überstunden eingebüßt. "Die Ärztinnen und Ärzte wollen im Prinzip nur einen Teil dessen wiederhaben, was ihnen gestohlen wurde."

"Maßlos überzogenen Forderung"

Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, sprach von einer "maßlos überzogenen Forderung". Behauptungen der Ärztegewerkschaft, Krankenhausmediziner würden "grottenschlecht" bezahlt, ließen jeglichen Bezug zur Realität vermissen, sagte Kösters den "Ruhr Nachrichten". Das Einkommen der Krankenhausärzte liege sehr deutlich über dem anderer Akademiker im öffentlichen Dienst.

Außerdem kritisierte Kösters besonders den wochenlangen Streik des nicht-ärztlichen Personals: "Jeder Streiktag kostet pro Uniklinik 300.000 bis 500.000 Euro. Das können viele Kliniken nur wenige Wochen durchhalten", sagte Kösters der "Rheinischen Post". Danach könnten die Streiks Existenz bedrohend werden, vor allem da auch Ärzte systematisch die Arbeit niederlegten.

Wulff zeigt sich kompromissbereit

Wulff geht davon aus, dass der Tarifkonflikt der Mediziner an Universitäts- und Landeskliniken innerhalb der nächsten zwei Wochen gelöst werden kann. In den ARD-"Tagesthemen" zeigte sich Wulff kompromissbereit. "Da ist Handlungsbedarf", räumte er ein. Allerdings könne es die von den Ärzten geforderten Gehaltserhöhungen um 30 Prozent nicht geben. "Das sind überzogene Forderungen", so Wulff.

DPA DPA

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