Kommentar Sackgasse Mitarbeiter-Beteiligung


Die Regierung will Arbeitnehmer an Unternehmensgewinnen beteiligen. Das klingt famos. Aber was ist mit möglichen Verlusten? Und wer arbeitet überhaupt noch jahrzehntelang bei einer Firma? Es gibt viel einfachere Wege, um Arbeitnehmern zu helfen.
Von Andreas Hoffmann

Endlich. Wir hatten schon gedacht, der großen Koalition fällt nichts mehr ein, wie sie das Volk beglücken kann. Nach Rentnern, Niedrigverdienern, Bauherren und Arbeitslosen will sie nun den Arbeitnehmern helfen. Wer sich an seinem Betrieb beteiligt, soll mit höheren Steuervorteilen belohnt werden. Das hat eine Arbeitsgruppe der Regierung vorgeschlagen, der Koalitionsausschuss könnte dieses Vorhaben Ende April absegnen. Eine halbe Milliarde Euro soll das Projekt mindestens kosten.

Gut angelegtes Geld, versprechen Union und SPD - weil es Firmen und Beschäftigten nützt. Die Arbeitnehmer seien nicht mehr nur auf den Lohn angewiesen, sondern profitierten stärker vom Gewinn einer Firma. Die Firmen hätten erstens mehr Mittel für Investitionen und zweitens engagiertere Mitarbeiter, weil diese stärker an der Firma beteiligt sind. Die Mitarbeiter-Beteiligung - eine Wunderwaffe für eine gerechtere Arbeitswelt.

Was ist beim Jobwechsel?

Schön wär's. Doch eine stärkere Mitarbeiterbeteiligung passt nicht in die heutige Berufswelt. Die Zeiten, in denen die große Mehrheit der Arbeitnehmer jahrzehntelang für ein und dieselbe Firma schuftet, sind längst vorbei. Die Bande zwischen Betrieb und Beschäftigten haben sich gelockert, man wechselt öfter den Job, weil Karrierechancen und neue Erfahrungen locken. Ein gelegentlicher Wechsel des Arbeitgebers erhöht sogar die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weil es den Personalmanagern zeigt: Der Bewerber kann sich gut auf veränderte Umstände einstellen.

Deswegen nützt es nichts, wenn der Staat die Bindung des Arbeitnehmers an einzelne Unternehmen fördert. Eine stärkere Mitarbeiterbeteiligung liefert den Arbeitnehmer auch stärker der Firma aus. Geht der Betrieb pleite, ist nicht nur der Lohn futsch, sondern auch die Beteiligung.

Nicht alle Eier in ein Nest

Natürlich will die Regierung, insbesondere die SPD, das Risiko verringern, dass Arbeitnehmer draufzahlen könnten. Doch selbst das ändert nichts am grundsätzlichen Dilemma. Wer für die Zukunft vorsorgen will, darf nicht alle Eier in ein Nest legen, sagt der Volksmund. Um Risiken zu verringern, muss man sie streuen. Das heißt konkret: Neben dem Lohn sind andere Einkommensquellen nötig, um sich abzusichern. Das können Zinsen aus dem Sparvertrag, Dividenden aus dem Aktienfonds, eine Lebensversicherung oder eine Immobilie sein, in der man später mietfrei wohnen kann. Eine solche Risikostreuung sollte der Staat fördern - nicht die Bindung an den Arbeitgeber. Damit ließen sich Zukunftsängste mildern und die Menschen würden profitieren, wenn die Börsen in Zukunft wieder mehr Geld abwerfen.

Übrigens wäre es ganz einfach, ohne Arbeitsgruppen und komplizierte Gesetze möglich. Die Regierung muss nur den Sparerfreibetrag erhöhen.


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