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Konjunktur: Wirtschaftliche Aussichten bleiben düster

Die Warnungen vor einer Rezession in Deutschland häufen sich. Auch nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist ein solches Szenario vorstellbar.

«Gegenwärtig ist die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland kraftlos und droht in eine Rezession abzugleiten», schreibt das DIW im jüngsten Wochenbericht, der am Mittwoch veröffentlich wurde. Nach vorläufigen Berechnungen des Instituts ist die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2002 gegenüber dem Vorquartal um real 0,2 Prozent gesunken. Für die ersten drei Monaten 2003 sei allenfalls mit einer Stagnation des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu rechnen. Zuvor hatte bereits der Deutsche Industrie- und Handelskammertag festgestellt, dass die deutsche Wirtschaft auch 2003 am Rand einer Rezession stehe. Er erwartet in diesem Jahr null Wirtschaftswachstum. 2002 hatte das BIP real um 0,2 Prozent zugelegt.

Bankenverband pessimistisch

Auch die privaten Banken sehen keine Anzeichen für eine baldige Konjunkturerholung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich bedenklich zugespitzt, schreibt der Bundesverband deutscher Banken in seinem jüngsten Konjunkturbericht. Er rechnet jetzt im Jahresdurchschnitt mit etwa 4,3 Millionen Arbeitslosen, rund 100.000 mehr als die Regierung im Jahreswirtschaftsbericht erwartet hatte. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, erwartet im Februar eine weitere, leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Erwerbslosen werde jedoch «deutlich unter fünf Millionen» liegen und im März wieder zurückgehen, sagte Gerster in Berlin.

Stillstand dominiert

Nach Einschätzung des DIW dominieren binnenwirtschaftlich Stillstand und Unsicherheit über die Tragfähigkeit der eingeleiteten und angekündigten Reformen. Hinzu kämen einkommensbelastende Maßnahmen. Angesichts der Kriegsgefahr in Nahost schwächten sich auch außenwirtschaftliche Impulse weiter ab. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dürfte das BIP im 4. Quartal 2002 nach DIW-Berechnung um 0,3 Prozent gestiegen sein. Im 1. Quartal 2003 sei ein Plus von 0,5 Prozent zu erwarten. Die Entwicklung im 4. Quartal 2002 stand laut DIW im Zeichen einer «spürbaren Zurückhaltung der Verbraucher». Die realen privaten Konsumausgaben seien um 0,6 Prozent gesunken. Gleichzeitig sei die Sparquote auf 10,5 Prozent gestiegen. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres dürften Konsumzurückhaltung und Vorsorgesparen anhalten, heißt es. Angesichts der schwachen Nachfrage aus dem Ausland sei auch keine spürbare Belebung des Exportgeschäfts zu erwarten. Im letzten Quartal 2002 hätten die Exporte nur noch ein schwaches Plus verzeichnet.

Konjunkturprogramm gefordert

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte unterdessen ein jeweils 15 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm für dieses und das kommende Jahr. Angesichts der sich «dramatisch verschärfenden Krise der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes» sei eine Abkehr vom Sparkurs notwendig, betonte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer in Berlin. Zur Finanzierung des Programms plädierte er für eine vorübergehend höhere Neuverschuldung.

Banken gegen Neuverschuldung

Nach Ansicht der Banken wäre aber ein Konjunkturprogramm mit zusätzlichen Staatsausgaben zur Behebung der Nachfrageschwäche ein Irrweg. Angesichts der hartnäckigen Wachstumsschwäche und der massiven Zurückhaltung von Verbrauchern und Investoren könnten auch einzelne Reformschritte kaum mehr weiterhelfen.

Nur Sanierungsbranche boomt

Zumindest Sanierungsberater haben in der wirtschaftliche Krise Hochkonjunktur: Die Nachfrage nach Kosteneinsparprojekten sei bei den Unternehmensberatern in Deutschland 2002 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel gestiegen, teilte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater in Düsseldorf mit. Der Gesamtumsatz in der Beraterbranche sank unter dem Strich auf Grund der wirtschaftlichen Flaute dennoch um 4,5 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro.

DPA