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L. Karasek: Tippt die noch ganz richtig?: Warum Neujahrsvorsätze völliger Quatsch sind – und man lieber fahrlässig sein sollte

Noch halten viele an ihren Neujahrsvorsätzen fest. Für stern-Autorin Laura Karasek nicht vorstellbar. Sie nimmt sich lieber nichts vor und ist deshalb auch nicht unglücklicher.

Neujahrsvorsätze? Darauf pfeift stern-Autorin Laura Karasek

Neujahrsvorsätze? Darauf pfeift stern-Autorin Laura Karasek

Der Januar ist schon halb rum und immer noch halten viele meiner Freunde an ihren Neujahrsvorsätzen fest! Streber! Ich hatte nie Vorsätze – aus dem Strafrecht weiß ich, dass vorsätzliche Taten schärfer bestraft werden als fahrlässige. Bei mir geschehen Dinge – gute wie schlechte – fahrlässig. Leichtsinnigkeit ist meine Stärke – aber auch das nur aus Unachtsamkeit. Vornehmen sollte ich mir nichts.

Und ihr wisst ja: je weniger man zu tun hat, desto weniger schafft man auch. Seit dem 3. Januar liegt bei mir ein Brief herum, der zur Post muss. Ich habe aber keine passende Briefmarke, es handelt sich um einen dieser Großbriefe, Maxibrief - kostet 1.45 Euro. Oder ist das überhaupt noch so? Müsste ich googlen. Ist bestimmt teurer geworden, weil die Post und die Bahn das einfach immer machen, vollkommen willkürliche Preiserhöhungen. Und dann kommen immer alle Briefe zurück, weil ich sowas natürlich nicht weiß und fröhlich drauf losschicke mit meinen Marken aus 2016 ... Also muss ich alles neu frankieren, neu verpacken und dann flattern gleichzeitig schon die Mahnungen und Erinnerungen und Aufforderungen ins Haus, nur weil man irgendwie 3 Cent zu wenig auf den Umschlägen kleben hatte und nichts ankam, was längst hätte ankommen sollen.

Briefe liegen bei mir sowieso lange rum. Bei sowas bekomme ich Schweißausbrüche. Und Panikattacken. Diese nicht enden wollenden Listen an Erledigungs-Steuer-Versicherungs-Formular-Krankenkassen-Elektriker-Amazon-Rücksende-Bestell-Aufräumarbeiten – ich brauche einen Abflussreiniger für meine To Do-Listen. Jedenfalls schaffe ich es weder zur Post, um die Marke zu kaufen – noch zum Briefkasten (gut, das wäre auch erst ein zweiter Schritt). Da fällt mir das schöne Ringelnatz Gedicht ein "Ein männlicher Briefmark erlebte, was Schönes bevor er klebte. Er ward von einer Prinzessin beleckt – da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen. Da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens – das ist die Tragik des Lebens." Der Brief-mark würde heute Brief-euro heißen. Oder Mailmark. Und keine Prinzessin würde ihn mehr belecken, weil alles selbstklebend ist. Gute alte Zeit, als man seine Zunge noch benutzen durfte!

"Ich brauche Stress und ein bisschen zu wenig Vitamine"

A propos Zunge: meine Freunde essen also kaum noch feste Nahrung, sondern trinken sich mit Detoxsäften durch den Januar, während ich mich lieber ein bisschen vergifte. Zu wenig Gift bekommt meinem Körper nicht – da wird er gesundschlapp, so müdeerholt, so ausgeschlafenlethargisch. Ich brauche Stress, Gift und ein bisschen zu wenig Vitamine. Mein Körper muss immer irgendwie auf Notwehr geschaltet sein, immer ein bisschen attackiert werden, damit er in Alarmbereitschaft ist, überhaupt in Bereitschaft, zu arbeiten, zu denken, zu leben.


Aber alleine trinken macht keine Freude. Es heißt zwar von Harald Juhnke: "Ich hasse Silvester- da trinken auch die Amateure" oder von Klaus Kinski "Ich trinke nur mit Menschen, die ich mag – bei Menschen, die ich nicht mag, trinke ich vorher." Bei mir wird das allerdings ein Teufelskreis: weil ich Menschen, die nicht trinken, eigentlich gar nicht mag. Und weil ich mich selbst auch manchmal nicht mag. Da muss ich mich also eigentlich die ganze Zeit quasi "vorher" betrinken.

In der Not trinkt der Teufel Fliegen

Einen Freund fand ich aber, der selbst im Januar mit mir Wein trinken wollte! Ihr wisst ja: in der Not trinkt der Teufel Fliegen... Auch er hatte einst Vorsätze! Einst! Also verabredeten wir uns bei ihm auf eine Flasche Wein. Die war schnell leer und so mussten wir in den Keller, um Nachschub zu holen. Letztes Jahr hatte er sich am 1. Januar 2017 (!) noch vorgenommen, mit dem Mountainbike die Alpen zu überqueren. Er hatte sich also für viel viel Geld ein Mountainbike gekauft. Sich für ebenso viel Geld in so einem speziellen Fitnessstudio angemeldet (nur für 12 Monate mit Vorauszahlung, versteht sich), um dort in einem Raum mit wenig Sauerstoff (für die Bergluft, versteht sich) zu trainieren. Außerdem hatte er bestellt: spezielle Schuhe zum Biken, einen speziellen Rucksack mit so einem Trinkschlauch dran (falls der Durst ihn während der Fahrt übermannen sollte), ein Survival-Kit (Pflaster, Taschenlampen, Taschenmesser), ein Zelt, einen Helm, drei atmungsaktive Radlerhosen, Radler-Shirts, eine Halterung für eine Trinkflasche, ein Stirnband, Armschoner, Knieschoner, Sportsocken im Zehnerpack, Proteinshakes, Vitamin- und Molkeriegel und unzählige Packungen voller Glucose-Mischung (so Astronauten-Nahrung, glaube ich – falls der Hunger ihn übermannen sollte), eine Biker-Sonnenbrille und noch irgendwelche Pulver zum Muskelaufbau. Insgesamt gab er für all das einen Betrag aus, für man für einen Kleinwagen bekommt – mit Topausstattung. Oder zwei Wochen in einem Luxushotel am Comer See mit Massagen.


Wir erreichten also das Ende der Flasche Wein und den Keller. Dort stand: das Mountainbike. Schon leicht verblasst war die Farbe, der Glanz war dem Putz im Keller gewichen. Aus den Reifen schien ein wenig die Luft raus zu sein, sie erinnerten mich an ein "So-sehen-Sie-in-50-Jahren-ohne-Kollagen-aus"–Foto aus einer Broschüre, die bei meinem Hautarzt im Wartezimmer ausliegt. Oder an diese abschreckenden Raucherfotos auf Zigarettenschachteln... Irgendwas mit Haut, Tod, Krebs, Diarrhoe oder Herzinfarkt.

Hach, da sammeln sich so viele hübsche Nebenwirkungen – sowas findet man sonst nur auf Packungsbeilagen von Potenz- oder Diätpillen aus Thailand. Jedenfalls fragte ich, ob er das Rad schon mal benutzt habe. "Noch nicht..." sagte er. NOCH! Neben dem Rad lagen eingeschweißt in Plastikverpackungen all seine Radler-Accessoires, Trainingshosen, Pulver, Riegel, der Helm... Es war der Friedhof der Vorsätze! Und ich liebte ihn dafür. Wir holten uns drei Flaschen Wein nach oben und ließen die Riegel mit ihrem bereits erreichten Mindesthaltbarkeitsdatum im Keller liegen. So musste er nicht daran erinnert werden, dass er die Alpen nicht überquert und ebensowenig an den Comer See gefahren war. Unglücklich wirkt er trotzdem nicht!

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.