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Managergehälter: Das Problem mit der Offenheit

Die rot-grüne Bundesregierung will die deutschen Top-Manager per Gesetz zur Offenlegung ihrer genauen Gehälter zwingen.

Künftig sollen in Deutschland alle börsennotierten Unternehmen einmal pro Jahr die genauen Gehälter der Vorstände nennen. Nach Plänen des Bundesjustizministeriums sollen diese künftig im Anhang zum Jahresabschluss für jedes einzelne Vorstandsmitglied die gesamten Bezüge angeben. Dabei ist zu unterscheiden nach erfolgsunabhängigen oder erfolgsbezogenen Bestandteilen sowie nach Bestandteilen mit "langfristiger Anreizwirkung". Allerdings kann mit einem Mehrheit von drei Vierteln bei einer Hauptversammlung von dieser Regelung abgewichen werden. Die rot-grüne Bundesregierung zieht damit die Konsequenz aus der Weigerung mehrerer Großunternehmen wie BMW oder BASF, die Gehälter ihrer Top-Manager freiwillig anzugeben. Von den 30 DAX-Unternehmen machen dazu nur 20 Firmen - und noch weit weniger aus anderen Börsensegmenten - Angaben.

Bundesunternehmen machen nicht mit

Auch Bundesunternehmen wollen die von Zypries geplante Offenlegung der Managergehälter nicht mitmachen. Eine Veröffentlichung verletze die Vertraulichkeit von personenbezogenen Daten, sagte Gerd Philipps von der zum Verteidigungsministerium gehörenden Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (G.E.B.B.). Auch Tobias Metten, Vorstandsassistent der Duisburger Hafen AG, wehrte sich gegen die zwangsweise Offenlegung von Geschäftsführergehältern. "Würden wir unsere Gehälter offen legen, weiß der eine Vorstand, was der andere verdient." Nach Informationen des "Spiegels" will Zypries die Bundesfirmen nicht zur Veröffentlichung ihrer Managerbezüge zwingen. Für die großen DAX-Unternehmen mit Bundesbeteiligung - Deutsche Post und Deutsche Telekom - hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel schon die klare Order ausgegeben: Die Jahresgehälter der Vorstände sollen einzeln ausgewiesen werden.

Das geplante Gesetz wird von der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) unterstützt. Ähnliche Gesetze gibt es bereits in den USA und Kanada aber auch in Großbritannien, Frankreich und Italien. Zypries hatte in der Vergangenheit klar gemacht, dass sie auf eine gesetzliche Regelung nur verzichten würde, wenn 80 bis 90 Prozent der deutschen börsennotierten Firmen den entsprechenden Empfehlungen der Kodex-Kommission freiwillig folgen würden.

Porsche-Chef Wiedeking dagegen

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat die mögliche Zwangsoffenlegung von Managergehältern erneut kritisiert und Industrieunternehmen angegriffen, die ihre Managergehälter veröffentlichen. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" hatte Wiedeking gesagt: "Tatsache ist doch, dass alle Unternehmen, die heute veröffentlichen, den Sozialismus auf Vorstandsebene eingeführt haben: Sie haben weitgehend die Managergehälter auf das gleiche Niveau ausgerichtet." Dabei könne er sich nicht vorstellen, dass in jedem der betroffenen Unternehmen gleich gute, gleich leistungsstarke und gleich erfahrene Manager sitzen. Wiedeking selbst lehnt eine Veröffentlichung seiner Bezüge weiter ab: "Bei uns wird das nicht der Fall sein", sagte er. Er bezeichnete die politische Debatte um Managergehälter als Ablenkungsmanöver: "Wenn die Republik daran genesen soll, dass Deutschland das Gehalt von Wiedeking kennt, dann steht es schlimm um unser Land." Wichtiger sei es, Wege zu finden, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu stoppen.

Karin Spitra