Mindestlohn Weiter billig - aber ordentlich


Als bekannt wurde, dass Polen für nur zwei Euro in seinen deutschen Schlachthöfen schuften müssen, hat der Konzern Danish Crown in den Medien gar nicht gut ausgesehen. Jetzt folgte sein Image-Konter: Er fordert deutsche Mindestlöhne.

Als Fürsprecher für einen möglichst hohen gesetzlichen Mindestlohn auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich der Schlachtereikonzern Danish Crown aus Dänemark zu Wort gemeldet. Ausgerechnet das Unternehmen, das mit etwa 500 in Norddeutschland extrem niedrig bezahlten polnischen Kolonnenarbeitern in die Schlagzeilen geraten ist, wirbt in dieser Woche durch mehrere Top-Manager in heimischen Medien für die Einführung von nicht nur freiwilligen, sondern bindenden Mindestlohnsätzen südlich der Grenze. "Sie wollen ihr Image nicht von den Auswucherungen eines wilden Kapitalismus kaputt machen lassen", kommentierte ein Gewerkschaftssprecher in Kopenhagen.

Deutsche Konkurrenz ist schuld

Man sei zur Anheuerung der polnischen Billigstarbeiter ja nur durch die Konkurrenten auf dem deutschen Markt gezwungen worden, erklärte Exportchef Jens Haven Christiansen einem zur Ortsbesichtigung des umstrittenen Danish-Crown-Betriebes in Oldenburg bei Bremen angereisten Reporter von "Jyllands-Posten". "Je höher der Mindestlohn in Deutschland, umso besser für unsere heimischen Aktivitäten", ergänzte Konzernchef Kjeld Johannesen.

Danish Crown, mit insgesamt 28.000 Beschäftigten Europas größter Schlachtereikonzern, hatte in dänischen und deutschen Medien gar nicht gut ausgesehen, als die elenden Anstellungsbedingungen der polnischen Arbeitskräfte bekannt geworden waren. "Es interessiert uns nicht, wie sie entlohnt werden", hatte eine Pressesprecherin auch noch das Faktum kommentiert, dass als Subunternehmer angeheuerte "Kolonnenführer" ihren Arbeitskräften angeblich nur zwei Euro die Stunde oder auch schon mal gar nichts bezahlen.

Kolonnenkräfte aus Osteuropa

"Unsere wichtigsten Konkurrenten in Deutschland haben zehn Mal so viele Kolonnenarbeiter wie wir im Einsatz", sagt Christiansen. Jens Peter Bostrup, Vizechef der zuständigen Gewerkschaft NNF, stimmt in diesem Punkt zu: "Der deutsche Tönnes-Konzern arbeitet doch ausschließlich mit Kolonnenkräften aus Osteuropa." So sei es gekommen, dass der deutsche Stundenlohn für Schlachtereiarbeiter nur noch knapp ein Drittel des dänischen betrage. Für eine Korrektur reicht auch nach Kopenhagener Gewerkschaftsmeinung keine Empfehlung zu freiwillig in Tarifverträgen vereinbarten Mindestlöhnen, meint Bostrup: "Bei einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad von zehn Prozent muss schon der Gesetzgeber etwas tun."

Die massive Verlagerung von Schlachterei-Jobs aus Dänemark wird nach Meinung von Torben Skou, Chef der Danish-Crown-Tochter Tulip, aber auch dann weitergehen, wenn das derzeit extreme Lohn-Dumping in Deutschland durch Mindestlöhne abgebremst wird: "Das Lohnniveau der Branche ist bei uns zu Hause zu hoch. In den Ländern um uns herum kann man wesentlich billiger produzieren."

Thomas Borchert/DPA DPA

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