Mobbing Attacken am Arbeitsplatz


Kampfzone Büro: Laut einer Studie war jeder siebte Bundesbürger schon einmal dem Mobbing ausgesetzt. Häufigste Klagen: Unwahrheiten und Gerüchte.

Büro und Werkstatt werden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer mehr zu Kampfzonen: Jeder siebte Bundesbürger fühlt sich nach einer Umfrage schon einmal von Mobbing betroffen. Die GFK Marktforschung befragte im Auftrag der "Apotheken Umschau" 2.042 Bundesbürger. Am häufigsten klagten die Opfer Angaben darüber, dass Unwahrheiten und Gerüchte über sie oder ihre Arbeitsleistung verbreitet wurden (57,8 Prozent). Fast 40 Prozent sahen sich von Gesprächen ausgeschlossen; 36,6 Prozent glaubten, gezielt bei Vorgesetzten angeschwärzt worden zu sein. Und mehr als ein Drittel der Befragten bekam Aufgaben zugeteilt, die weit unter ihrer beruflichen Qualifikation lagen.

Kreative werden leichter zu Mobbing-Opfern

Psychologen der Universität Göttingen fanden in einer Studie mit mehr als 300 Teilnehmern heraus: Neugierige, kreative Menschen mit eigener Meinung werden in der Arbeitswelt leichter zu Mobbingopfern als ihre zurückhaltenderen Kollegen.

Das Ergebnis der Untersuchung habe ihn selbst überrascht, sagte Professor Thomas Rammsayer. Bisher seien Experten davon ausgegangen, dass vor allem psychisch weniger stabile, sensible Menschen der dauerhaften Boshaftigkeit der Kollegen ausgesetzt sind. Die eigene Meinung "offener" Menschen rufe aber offensichtlich ebenfalls Mobbing hervor.

Für ihre Untersuchung haben die Göttinger Psychologen zunächst nach einem speziellen Kriterienkatalog untersucht, welche der ihnen von Betriebsräten, Selbsthilfegruppen und Sozialarbeitern benannten Menschen tatsächlich Mobbingopfer sind. Bei der Befragung dieser Gruppe habe sich dann heraus gestellt, dass große Offenheit, Neugier oder kritisches Hinterfragen ein Anlass für die Repressalien am Arbeitsplatz sein können.

"Was in so genannten kreativen Berufen nützlich oder sogar Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten ist, wird in anderen Bereichen als lästig und störend empfunden", sagte Rammsayer. Wenn an einem Arbeitsplatz eher Routineaufgaben zu erledigen sind, reagierten andere Mitarbeiter leicht gereizt auf Kollegen, die ständig neue Vorschläge anbrächten. "Sie empfinden dies als Störung der gewohnten Abläufe."

Auch Vorgesetzte kämen mit wiederholten interessierten Nachfragen, kritischen Anregungen oder Ideen für Änderungen oftmals nicht zurecht, sagt der Göttinger Psychologe. Die Folge könne dann sein, dass der betreffende Mitarbeiter von Kollegen und Vorgesetzten ausgegrenzt und gemobbt werde.


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