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Jobangebot: Junge Marokkaner wollen in der Schweiz Schafe hüten – sie machen sich aber falsche Hoffnungen

Schweizer Bauern suchen Hilfskräfte fürs Schafehüten und Kühemelken – ein verlockendes Angebot für viele Marokkaner. Die Chancen auf ein Arbeitsvisum sind für sie aber sehr gering.

Schafherde

In der Schweiz werden Hirten für Schafherden gesucht – Bewerber aus Marokko haben allerdings nur sehr geringe Chancen 

DPA

In Marokko gibt es ungewöhnlich großes Interesse an einem Sommerjob in den Schweizer Alpen: Mehrere tausend junge Marokkaner haben sich gemeldet, um dort in der Höhe Kühe zu melken und Schafe zu bewachen. Der Ansturm auf Portale mit Stellenangeboten ist seit einigen Monaten enorm. Der Betreiber eines der Portale, Giorgio Hösli, berichtete am Freitag im Radiosender SRF von täglich bis zu 200 Bewerbungen aus dem nordafrikanischen Land.

Nur: Die Marokkaner machen sich falsche Hoffnungen, die durch Videos auf Youtube geschürt werden. Dort gibt es genaue Anleitungen in arabischer Sprache, wie die Stellenanzeigen auszufüllen sind. Tatsächlich haben die jungen Männer in der Schweiz aber keine Chance auf ein Arbeitsvisum.

Schweizer bieten Lohn von 2150 Euro

Auf dem Webportal Jobscout heißt es, sogenannte Älpler könnten mit umgerechnet gut 2150 Euro plus Kost und Logis rechnen – ein Vielfaches vom Lohn in Marokko, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist. Höslis Portal "zalp" gibt Bruttolöhne von rund 145 Euro pro Tag an. Dort werden Stellen zum Hüten von Ziegen, Kühen, Schafen, Hühnern und Pfauen ausgeschrieben. Andere Portale wie Agriviva und Caritas hätten ebenfalls viele Anfragen aus Marokko, berichtete SRF.

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Viele Bauern fürchten, dass wegen der Coronavirus-Pandemie weniger Leute aus dem Ausland für solche Sommereinsätze kommen werden. Die Verbände suchen deshalb dringend nach Ersatz, vor allem im eigenen Land. Alp-Einsätze sind nur für Menschen aus dem EU-Raum oder anderen Ländern möglich, mit denen die Schweiz entsprechende Abkommen hat.

"Personen mit Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit gesucht", wirbt der Alpwirtschaftliche Verband. "Alpen suchen Personen, die körperlich fit sind, keine Angst vor langen Arbeitstagen haben und möglichst bereits Erfahrung in der Landwirtschaft mitbringen." Hösli hat Verständnis für die Marokkaner. "Das würde ich wahrscheinlich auch machen, wenn ich irgendwo bin und keine Perspektive sehe: woanders hingehen."

epp / DPA