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Studie: Finanzierungskrise bringt Händler in Existenznöte

Nicht nur die anhaltende Konjunkturflaute und der Preiskampf, sondern zunehmend auch Finanzierungsprobleme bringen Handelsunternehmen in Existenznöte. Eine Studie sagt noch mehr Insolvenzen und Übernahmen voraus.

Nicht nur die anhaltende Konjunkturflaute und der Preiskampf, sondern zunehmend auch Finanzierungsprobleme bringen Handelsunternehmen in Existenznöte. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sagt der Branche deshalb noch mehr Insolvenzen, Übernahmen und Betriebsaufgaben voraus.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch namhaften Unternehmen die Luft ausgeht", sagte Peter Schommer, Handelsexperte bei Ernst & Young, bei der Vorstellung der Studie am Montag in Düsseldorf. Nach mehreren Krisenjahren seien die finanziellen Reserven vieler Händler aufgebraucht. Allein mit Kostensenkungen seien die Probleme oft nicht mehr zu bewältigen.

Drei Viertel der befragten Unternehmen erwarteten vor diesem Hintergrund eine weitere Konzentration der Branche. Erst in der vergangenen Woche hatte die defizitäre Lebensmittelkette Spar Handels AG erklärt, sie rechne mit dem Rückzug ihres französischen Großaktionärs Intermarche. Die finanzielle Zukunft von Spar gilt damit als ungewiss.

Basel II verschärft Finanzlage – Schockerlebnis befürchtet

Generell sei die Branche von geringen Eigenkapitalquoten und einem hohen Verschuldungsgrad gekennzeichnet, erklärte Ernst & Young am Montag. Verschärft werde dies durch die neuen internationalen Eigenkapitalvorschriften ("Basel II"). Die Handelsbranche müsse sich deshalb spätestens von 2006 an auf spürbar schlechtere Kreditbedingungen einstellen. "Das wird ein richtiges Schockerlebnis werden für viele Unternehmen", sagte Schommer. Handelsunternehmen müssten bei den Finanzierungskosten mit hohen Risikoaufschlägen rechnen.

24 Prozent der befragten Händler überbrückten mit Bankenkrediten ihre derzeit schwierige Finanzlage, so die Studie. "Mit anderen Worten: die kämpfen ums Überleben", kommentierte Schommer. Nach 9.420 Insolvenzen im vergangenen Jahr im Handel rechnen die Wirtschaftsprüfer 2004 mit mehr als 10.000 Pleiten.

Besonders pessimistisch ist die Branche im Hinblick auf die klassischen Fachgeschäften und die Kaufhäuser. Ein starkes Wachstum wird dagegen weiter den Discountern und auch dem Internethandel zugetraut. Für die Studie befragte ein Marktforschungsinstitut im Auftrag von Ernst & Young 120 Groß- und Einzelhändler.