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Umgangsformen: Vorsicht Weihnachtsfeier!

Von wegen ungezwungenes Beisammensein: Bei Weihnachtsfeiern im Betrieb lauern zahlreiche Fettnäpfchen und Fallstricke, die im schlimmsten Fall sogar den Arbeitsplatz kosten können.

Berufs- und Benimmberater warnen einhellig vor einem allzu ausgelassenen Treiben. Denn die Weihnachtsfeier im Kollegenkreis bleibt eine betriebliche Veranstaltung, auf der die Etikette gilt. Wer gegen die Regeln verstößt, fällt schnell in Ungnade.

Gefahr Nummer eins ist der Alkohol, der auf den Feiern oft kostenlos und (über)reichlich fließt. Wer sich unter dem enthemmenden Einfluss von Bier, Wein und Punsch zu unbedachten Äußerungen oder hemmungslosem Flirten hinreißen lässt, riskiert schnell einen Eklat. Beleidigungen gegen Vorgesetzte können sogar zur fristlosen Kündigung führen; das gleiche gilt natürlich auch bei sexueller Belästigung. Deswegen der Rat: Lieber ein Glas weniger, als eines zu viel.

Sind Sie ein Weihnachtsfeier-Muffel?

Auf angemessene Kleidung achten

Vom durchsichtigen Fummel oder der Mickey-Mouse-Krawatte ist in der Regel abzuraten. Understatement ist angesagt. Nicht das Kleid oder der flippige Anzug sollte nach dem Fest in Erinnerung bleiben, sondern man selbst als Person.

Beim Essen ist es absolut tabu, sich zu bedienen, bevor der Chef das Büfett frei gegeben hat. Bei den Portionen ist Augenmaß gefragt. Nicht den Teller bis oben voll packen, das sieht gierig aus. Stattdessen sollte man lieber mehrfach zum Büfett gehen, das lässt sich dann möglicherweise auch gleich mit einem Small Talk verbinden.

Vorsicht jedoch bei der Wahl der Gesprächsthemen. Als Karrieresprungbrett ist die Weihnachtsfeier ungeeignet. Gehaltserhöhungen werden dort nicht besprochen, auch Kollegenschelte und Verbesserungsvorschläge haben keinen Platz auf der Feier. Als Gesprächseinstieg bieten sich etwa die Gestaltung der Feiertage oder Urlaubspläne an.

Allzu private Themen vermeiden

Über Kinder und Hobbys zu sprechen, ist eine Sache, über Eheprobleme oder die letzten Party- und Alkoholexzesse eine andere. Grundsätzlich gilt: Ein großes Mitteilungsbedürfnis kann leicht als Schwatzhaftigkeit ausgelegt werden.

Wenn bei Tisch die Kontaktlinse verrutscht, man von einem Hustenanfall heimgesucht wird oder eine Gräte im Hals stecken bleibt, sollte mit einer knappen Entschuldigung die Toilette aufsuchen. Fallen Serviette oder Besteck herunter, auf keinen Fall unter den Tisch krabbeln, sondern den Kellner um Ersatz bitten.

Wenn das Glas samt Inhalt umkippt, heißt es Ruhe bewahren. Sofern der Ober nicht sofort reagiert, legt man die eigene Serviette auf die Lache. Wenn der Rotwein auf der Kleidung des Nachbarn landet, bietet man die Serviette als erste Schadensbegrenzung an - auf keinen Fall aber selbst auf Fleck und Kleidung des Opfers herumrubbeln. Eine sofortige Entschuldigung versteht sich von selbst, verbunden mit dem Angebot, für die Reinigung aufzukommen.

Heikle Duz-Angebote

Immer wieder für Irritationen sorgen Duz-Angebote von Kollegen und Vorgesetzten zu fortgeschrittener Stunde. Viele dieser Angebote werden am nächsten Tag im Büro stillschweigend revidiert. Spontane Verbrüderungen sind also mit Vorsicht zu genießen. Am besten deswegen erst einmal abwarten. Mit einem einfachen "Guten Morgen" kann man sich am nächsten Tag oft aus der Affäre ziehen. Bleibt das Gegenüber beim "Du", ist alles in Ordnung.

Während der betrieblichen Weihnachtsfeier stehen die Teilnehmer unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dabei sind Tätigkeiten wie Essen, sportliche Betätigungen, Tanzen und Spiele abgedeckt. Auch der Weg zur Feier und wieder nach Hause ist versichert, wenn kein Umweg aus privaten Gründen gemacht wird. Wenn ein Unfall auf dem Weg allerdings maßgeblich unter Alkoholeinfluss verursacht wird, erlischt der Versicherungsschutz. Ohnehin führt die Polizei im Dezember verstärkt Verkehrskontrollen durch. Deswegen gilt: Am besten mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln von der Weihnachtsfeier nach Hause fahren - oder erst gar keinen Alkohol trinken.

Nur wenige Weihnachtsfeier-Muffel

Unter deutschen Beschäftigten gibt es nur wenige Weihnachtsfeier-Muffel. 57 Prozent sehen eine Feier mit Kollegen und Chefs als schönen Brauch, der das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt, wie eine veröffentlichte Umfrage des Bochumer Forschungsinstitutes com.X ergab. Jeder vierte sieht in ihr lediglich eine nette Abwechslung, nur 17 Prozent empfinden das Ereignis als lästige Pflichtveranstaltung.

Der Umfrage zufolge empfinden Berufstätige über 50 Jahren die Betriebsweihnachtsfeier mit 29 Prozent häufiger als Belastung als ihre jüngeren Kollegen (12 Prozent). Deutliche Unterschiede gibt es zwischen West- und Ostdeutschen: Während sich im Westen fast jeder Fünfte als Weihnachtsfeier-Muffel outete, war es im Osten nur jeder Zehnte. An der Umfrage beteiligten sich 500 Personen.

Stephan Köhnlein, AP

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