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Frust am Arbeitsplatz: Warum Menschen ihren Job hassen - die zehn häufigsten Gründe

Sie hassen Ihren Job? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Die emotionale Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz ist erschreckend gering. Und das hat fatale Folgen. Zeit, die Gründe zu analysieren.

Überforderung, fehlende Anerkennung, schlechter Chef? Unzufriedenheit im Job kann verschiedene Ursachen haben

Überforderung, fehlende Anerkennung, schlechter Chef? Unzufriedenheit im Job kann verschiedene Ursachen haben

Dieser Artikel erschien zuerst bei den Kollegen von Capital.

Das US-amerikanische Pew Research Center hat im Sommer dieses Jahres mehr als 2000 Arbeitnehmer nach dem Verhältnis zu ihrem Job befragt. Die Ergebnisse sind dramatisch: Im Vergleich zur Situation von vor 20 Jahren ist die Zahl der Angestellten, die mit ihrem Job und Arbeitsumfeld zufrieden sind, um über zehn Prozent gesunken. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind 32 Prozent mit ihren Job zufrieden, bei den 30- bis 49-Jährigen sogar nur 26 Prozent und bei den über 50-Jährigen 30 Prozent.

Noch dramatischer dürfte es in Deutschland aussehen, betrachtet man die Ergebnisse des Gallup-Engagement-Index, der jährlich in 155 Ländern erhoben wird. Laut der aktuellen Studie hinkt Deutschland in punkto Mitarbeiterbindung den USA sogar noch meilenweit hinterher, die den Spitzenplatz unter den führenden Industrienationen belegen. Nur 15 Prozent der Arbeitnehmer sind hierzulande (in den USA sind es 33 Prozent) emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden und entsprechend motiviert bei der Arbeit. Um eine Plattitüde zu benutzen: Gerade mal jeder sechste Arbeitnehmer brennt für seinen Job. Genauso viele haben bereits innerlich gekündigt und die große Mehrheit von 70 Prozent schiebt Dienst nach Vorschrift.

In der Europäischen Union sieht es noch schlimmer aus: Im Schnitt sind EU-weit sogar nur elf Prozent aller Arbeitnehmer emotional stark an ihren Arbeitgeber gebunden. Dem gegenüber hat ein Viertel der Arbeitnehmer bereits innerlich gekündigt. Die Gallup-Untersuchung belegt auch: Wie lange Mitarbeiter im Unternehmen bleiben und wie produktiv sie in dieser Zeit sind, hängt in erster Linie vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab. Nach Gallup-Berechnungen kostet die innere Kündigung aufgrund schlechter Führung die deutsche Volkswirtschaft insgesamt bis zu 105 Milliarden Euro jährlich. Was läuft da falsch?

Das National Business Research Institute in Texas hat sich den US-Markt einmal vorgenommen und die häufigsten Ursachen für mangelnde Zufriedenheit in der Belegschaft zusammengestellt.

#1 Fehlende Kommunikation

Die Basis einer guten Beziehung ist die Kommunikation. Das gilt im Privaten wie im Beruf. Das Problem in Unternehmen beginnt dann, wenn Mitarbeiter sich nicht trauen, offen ihre Meinung zu sagen. Entweder weil sie Repressalien fürchten, oder nicht Ernst genommen zu werden, weil der Chef von seiner Unfehlbarkeit überzeugt ist. Deshalb sollten Unternehmen darauf achten, dass eine offene Kommunikation gelebt wird. Feedback, Austausch, Lob beleben den Arbeitsalltag genauso wie der Verzicht auf Geheimniskrämerei über die Geschäftsentwicklung. "Schlechte Kommunikation ist ein großes Problem", sagt Tonya Slawinski von der Supportive Solutions, einer Krisenberatungsfirma für Unternehmen. "Wenn die Kommunikation zwischen Management und Belegschaft zusammenbricht, entstehen schnell Gerüchte, die direkt die Produktivität beeinflussen. Und sich negativ auf das Geschäft auswirken." 

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Personalverantwortung

Wer Personalverantwortung trägt, verdient auch mehr. Dabei steigt das Gehalt mit der Zahl der Mitarbeiter im Team. Allerdings spielen auch die spezifischen Anforderungen an die Stelle eine Rolle.

#2 Unfaire Bezahlung

Keine Frage, kaum ein Arbeitnehmer wird freiwillig von sich behaupten, er verdiene zu viel für das, was er tut. Aber Boni und Gehaltserhöhungen zeigen, dass das Unternehmen die Leistung der Mitarbeiter sieht und entsprechend honoriert. Wer nach zehn Jahren immer noch keine Gehaltserhöhung trotz ausgezeichneter Arbeit erhalten hat, dem kann man es nicht verdenken, nur noch Dienst nach Vorschrift zu leisten. Noch schlimmer ist es, wenn die Beschäftigten bei gleicher Arbeit stark voneinander abweichende Gehälter kassieren. Das sorgt im Team für Missgunst – und Unruhe. Vor Gehaltsverhandlungen sollten Angestellte daher zusammenfassen, worin ihre Stärken liegen, welche Projekte sie erfolgreich abgeschlossen haben, wie ihre Performance sich auf den Erfolg des Unternehmens ausgewirkt hat. 

#3 Der (un)sichere Job

Die Zeiten, in denen der Job einem Eheversprechen glich, sind lange vorbei. Lebensläufe, in denen nur ein Arbeitgeber vorkommt, werden immer seltener. Trotzdem brauchen die Deutschen einen sicheren Arbeitsplatz – mehr als alles andere – um sich in einem Unternehmen wohl zu fühlen. Auch das ist ein Ergebnis des jüngsten Gallup-Engagement-Index. Wenn eine Horde frisch an der Uni geschlüpfter "Unternehmensberater" durch die Gänge ihrer Firma hüpft und touretmäßig "Downsizing", "Outsourcing" oder "Synergieeffekte" hustet, darf den Mitarbeitern Angst und Bange werden.

#4 Keine Anerkennung

Wenn ein Angestellter das Gefühl hat, ihm wird die Anerkennung versagt, dann führt das zu Stress, der die Arbeitsleistung stark verringern kann. "Nichts ist schlimmer als einem Mitarbeiter, der gerade alles gegeben hat, um ein Projekt abzuschließen, noch mehr Arbeit aufzuhalsen", sagt Joe Folan von der Karriereplattform Talentzoo.com. Dabei wäre es so einfach, als kleine Geste ihm einen halben Arbeitstag mit einem dicken "Danke" zu schenken. Eine ehrlich gemeinte Anerkennung muss nicht teuer sein. Aber sie wirkt Wunder.

#5 Liebling des Chefs

Für die Moral und den Zusammenhalt in einem Team ist nichts schlimmer, als wenn der Chef seinen Liebling bevorzugt. Durch mehr Geld, interessantere Projekte oder einen besseren Zeitplan. Für den Rest des Teams ist das eine bittere Pille, die nur schwer zu schlucken ist.

#6 Überarbeitet

Mit der Überarbeitung ist das ähnlich wie mit dem Gehalt. Es wird viel gejammert. Und nicht immer trifft es zu. Und nicht jeder, der viel arbeitet, fühlt sich überarbeitet. Im Gegenteil. Wenn der Job Spaß macht, ist die viel zitierte Extrameile, Ehrensache. Doch sie muss auch gewürdigt werden, darf nicht als selbstverständlich aufgefasst werden. Sonst ufert viel Arbeit schnell in Überarbeitung aus. Und die kann gravierende gesundheitliche Folgen haben: Von Schlafstörungen und Übermüdung ist es oft nur ein kleiner Schritt zu Burn-out und Depression. 

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#7 Der Besserwisser

Ein Boss, der sich einbringt, ist großartig. Ein Boss, der überall mitredet, ist ein Albtraum. Das Verhalten suggeriert wenig Vertrauen in das Team und beraubt es seiner Möglichkeiten. Der Chef, der glaubt, ohne ihn läuft der Laden nicht, der immer das letzte Wort haben muss, der alles besser weiß, ist ein Plage. Und ein Motivationskiller. Sagen Sie ihm, dass sie besser arbeiten können, wenn Sie ihre Freiheiten haben.

#8 Inkompetente Manager

In jeder Firma gibt es mindestens einen davon. Eine Führungskraft, die weder führen kann, noch die Kraft hat, andere mitzureißen. Das Problem ist nur: Derjenige, der diesen Manager eingestellt hat, wird seinen Fehler nicht eingestehen wollen, und so schwirren im Managementkosmos etliche dieser "Energiesparlampen" über die Flure. Das ärgert die Belegschaft, gibt ihr aber auch die Chance zu glänzen. Nur aufpassen, dass nicht der Falsche das Lob einheimst.

#9 Keine Beförderung

Wenn die Beförderungsrunde dem Spiel "Reise nach Jerusalem" gleicht, und Sie jedes Jahr derjenige sind, der keinen Stuhl ergattern kann, sollten Sie sich selbstkritisch fragen, woran das liegen mag. Analysieren Sie, welche Fähigkeiten gesucht werden, die Sie anscheinend nicht bieten können. Arbeiten Sie daran. Sollte sich herausstellen, dass es in Ihrem Unternehmen keine Chance für eine Beförderung besteht, sollten Sie in Betracht ziehen, den Arbeitgeber zu wechseln.

#10 Der böse Boss

Der herrische Boss, arrogant und ungerecht, ist das weit verbreitetste Klischee in der Arbeitswelt. Und tatsächlich: Es gibt ihn. Wenn auch sicherlich nicht so oft, wie man vermuten könnte. Aber auch hierüber gibt die Gallup-Studie Auskunft. Das Interessante: Während 97 Prozent der befragten Führungskräfte sich als "gute Führungskraft" einschätzten, sagten 69 Prozent der Mitarbeiter, sie hätten bereits eine "schlechte Führungskraft" erlebt. Das zeugt von einer gewissen Selbstüberschätzung der Manager. Wer aber glaubt, er sei seinem Boss hilflos ausgeliefert der täuscht sich (außer er arbeitet in einem familiengeführten Unternehmen und hadert mit dem Patriarchen). Das National Business Research Institute rät, sich mit Kollegen über ihre Eindrücke auszutauschen, um auszuschließen, dass der Streit mit dem Chef an ihnen liegt. Dann sollten konkrete Fälle dokumentiert und gesammelt werden und einer neutralen Person, der man vertraut, übergeben werden. Zur Not bleibt nur der Gang zum Betriebsrat oder der Personalabteilung.

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