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Weihnachtsfeier im Betrieb: Mit Schwips und Minirock ins Abseits

Weihnachtsfeiern haben es in sich - die scheinbar fröhlichen Partys sind der reinste Fettnäpfchen-Marathon. Eine Benimmtrainerin verrät, wie man den Abend unbeschadet übersteht.

Firmenmitarbeiter sollten nach Einschätzung der Nürnberger Imageberaterin Roselie Herrman die Tücken von Betriebs-Weihnachtsfeiern nicht unterschätzen und entsprechende Benimm-Regeln beachten. "Bei Betriebs- oder Abteilungs- Weihnachtsfeiern gibt es überall Fettnäpfchen, die man meiden kann, wenn man sich korrekt verhält." In manchen Fällen könne das Verhalten auf Weihnachtsfeiern sogar entscheidend für die weitere Karriere sein, auf jeden Fall aber das Verhältnis zu Kollegen nachhaltig prägen.

Keine Küsschen verteilen

"Jeder Besucher einer solchen Weihnachtsfeier sollte sich eines klar machen: Das ist keine private Party, sondern eine geschäftliche Veranstaltung. Bei der steht jeder unter verschärfter Beobachtung - sowohl seitens des Chefs als auch seitens der Kollegen", gibt Herrmann zu bedenken. "Alles, was wir dort tun und reden, wird ganz genau unter die Lupe genommen. Daher ist es wichtig, dass wir bei der Weihnachtsfeier zeigen, dass wir die gesellschaftlichen Spielregeln beherrschen", betonte Herrmann, die in Nürnberg eine Image- und Kommunikationsberatungs-Agentur betreibt.

Das größte Fettnäpfchen bei Weihnachtsfeiern sei, gar nicht erst hinzugehen. "Das könnte bei Chefs oder Kollegen den Eindruck von Arroganz wecken - so nach dem Motto 'Zu so einem Kinderkram gehe ich doch nicht' ", warnte Herrmann. Beim Eintreffen sollte in der Regel zuerst der Gastgeber - meist der Chef oder die Chefin - begrüßt werden, dann jene, mit denen man sich gut versteht. Die richtige Begrüßungsform sei ein verbindlicher Handschlag. "Küsschen sind bei Betriebs-Weihnachtsfeiern fehl am Platz", machte die Imageberaterin deutlich.

Weder Partykleidung noch Räuberzivil

Auch die Kleidung sollte dem Ereignis angemessen sein. "Häufig ist die Weihnachtsfeier ja ein Anlass, mit dem sich Firmen für die Leistung und Einsatzbereitschaft bedanken." Dass man eine solche Einladung zu schätzen wisse, sollte auch in einer entsprechenden Kleidung zum Ausdruck gebracht werden. "Partykleidung ist bei Betriebs-Weihnachtsfeiern genauso unangemessen wie Räuberzivil. Vielmehr sollte die in dem Betrieb übliche Business-Kleidung getragen werden", rät die Expertin.

Vor allem aber warnt Herrmann vor übermäßigem Alkoholkonsum - dies gelte für Mitarbeiter und Chefs gleichermaßen. "Alkohol lockert die Zunge und verändert die Körpersprache der Betroffenen - selten zu ihrem Vorteil. Halten Sie sich daher unter Kontrolle, damit Sie genau wissen, was sie tun". Tabu sei, Kollegen oder Kolleginnen gegenüber auf Tuchfühlung zu gehen. "Ein winzig kleiner Flirt mit einem netten Kollegen oder einer netten Kollegin ist zugelassen. Aber mehr auch nicht." Wenn man sich wirklich in ein nettes Gegenüber verliebt habe, sollte man besser diskret ein Treffen in den nächsten Tagen vereinbaren.

Karrieregespräche sind tabu

Als Problem könne sich ein vom angetrunkenen Chef angebotenes Du erweisen. Wer sicher gehen wolle, dass dies wirklich ernst gemeint war, sollte am nächsten Tag im Umgang mit dem Chef erst einmal wieder zum Sie übergehen. "Erst wenn dieser einen im nüchternen Zustand daran erinnert, dass man doch am Abend zuvor das Du vereinbart habe, sollte man sich darauf einlassen. Alles andere ist eine gefährliche Falle", warnt die Personaltrainierin.

Auch sollte man nach dem Rat der Expertin bei Betriebsfeiern auf gute Tischmanieren achten. "Das Buffett wird allein vom Gastgeber eröffnet. Sich vorher zu bedienen, gilt als unfein. Wer nicht sicher sei, ob er es wegen langer Reden bis zur Büfett-Eröffnung aushalte, "sollte vorher zu Hause eine Kleinigkeit essen". Beim anschließenden Small-Talk sollten Themen aus dem Geschäftsalltag eher im Hintergrund stehen. "Das kann ziemlich öde sein." Besser seien Gespräch über neue Kinofilme, das geplante Weihnachtsessen, den bevorstehenden Winterurlaub. Auch seien bei solchen Feiern Gespräche mit dem Chef über die eigenen Karriereaussichten "absolut tabu".

DPA / DPA
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