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Wirtschaftskrise: Jede dritte Firma entlässt Mitarbeiter

Es gibt Firmen, die trotz der Wirtschaftskrise neue Mitarbeiter einstellen. Doch das sind Ausnahmen. Denn in fast einem Drittel der deutschen Unternehmen werden einer Studie zufolge Mitarbeiter entlassen. Allerdings fürchten sich die Firmen inzwischen vor Imageverlust. Manche helfen sogar bei der Suche nach einem neuen Job.

Fast ein Drittel der deutschen Unternehmen entlässt laut einer Umfrage wegen der Wirtschaftskrise Mitarbeiter. Besonders häufig trifft es Sachbearbeiter, Beschäftigte in der Produktion und Hilfskräfte, wie aus einer am Montag in Gummersbach veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Kienbaum hervorgeht. Weniger stark betroffen sind Spezialisten und Führungskräfte. Nur jedes siebte Unternehmen plant der Umfrage zufolge trotz der Konjunkturprobleme eine Vergrößerung der Belegschaft.

Meist nutzen die Unternehmen der Studie zufolge zum Stellenabbau Aufhebungsverträge mit Abfindungen. Außerdem bieten sie den Mitarbeitern häufig Hilfe bei der Suche nach einer neuen Stelle an. Mehr als die Hälfte der betroffenen Firmen setze auf die natürliche Fluktuation, um Personal abzubauen.

Angst vor Imageverlusten

"Aus der Krise 2001 haben die Unternehmen gelernt: Bevor man Mitarbeiter freisetzt, werden die besten Köpfe im Unternehmen identifiziert sowie alle möglichen anderen Maßnahmen der Kostenreduktion ausgeschöpft", erklärten die Kienbaum-Experten. Wenn der Abbau unabdingbar geworden sei, versuchten die Unternehmen alles, diesen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Die Angst vor Imageverlusten sei vor allem deshalb groß, weil begehrte Fachkräfte nach der Krise voraussichtlich wieder stark umworben sein werden.

Zwei Drittel der Unternehmen sagten in der Umfrage, sie fürchteten bei Entlassungen eine Verschlechterung des Arbeitgeber-Images. Rund 62 Prozent haben Angst vor einer Störung des Betriebsfriedens. Bevor es zum Personalabbau komme, reduzierten die Unternehmen deshalb in der Regel erst die Zahl der externen Zeitarbeitskräfte, nutzten Überstundenabbau und Kurzarbeit. An der Studie "Personalkostenreduzierung und Outplacement" beteiligten sich Kienbaum zufolge mehr als 500 deutsche Unternehmen aller Größenklassen und Branchen.

2008 noch soviele Stellen wie nie seit der Wiedervereinigung

Dabei hatte es im letzten Jahr noch besonders positiv ausgesehen: Die deutsche Industrie beispielsweise schuf 2008 trotz des Abschwungs am Jahresende so viele Stellen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Beschäftigten legte um durchschnittlich 124.400 oder 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 5,4 Millionen zu, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. "Das ist der größte Zuwachs seit 1991", sagte ein Statistiker. Die alte Bestmarke von 2007 mit plus 1,7 Prozent wurde damit deutlich übertroffen. Es war zudem erst der vierte Beschäftigungszuwachs seit 1991. Der Trend kehrte sich aber im Oktober um, so die Statistiker. Seither sinken die Mitarbeiterzahlen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.

AP/Reuters / AP / Reuters