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Wirtschaftsnobelpreisträger: Milton Friedman ist tot

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman ist gestorben. Der Volkswirtschafter, der 1976 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war 94 Jahre alt.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman ist nach Angaben seiner Stiftung vom Freitag gestorben. Der Volkswirtschafter, der 1976 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war 94 Jahre alt. Er galt als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und einer der Vordenker liberaler Wirtschaftspolitik. Friedman lehrte von 1946 bis 1983 an der Universität Chicago.

Seine Theorien des Monetarismus, die teilweise in die Politik der Regierungen Nixon, Ford und Reagan Einzug hielten, galten als Abkehr vom traditionellen Keynesianismus. Friedman lehrte von 1946 bis 1983 an der Universität Chicago. 1976 erhielt er den Nobelpreis.

Bis zuletzt gab sich Milton Friedman als Kämpfer für die freie Marktwirtschaft. Noch im April schimpfte er im "Handelsblatt" auf wachsenden Staatseinfluss in Westeuropa - eines seiner großen Themen. Stets vertraute der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger und Vater des Monetarismus auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Und trotz aller Kritik, das freie Spiel der ökonomischen Kräfte fülle eigensüchtigen Unternehmern die Taschen und gehe zu Lasten der Habenichtse, gilt er als einer der bedeutendsten Ökonomen des vorigen Jahrhunderts.

Den Gipfel seines - politischen - Einflusses erklomm er in den 80er Jahren, als zwei seiner Verehrer in Washington und London die Macht innehatten: Präsident Ronald Reagans Wirtschaftsprogramm mit seiner Rückkehr zum marktwirtschaftlichen Liberalismus trug Friedmans Züge. Großbritannien Premierministerin Margaret Thatcher erhob den US-Ökonom zum leuchtenden Vorbild, als sie sich daran macht, den britischen Sozialstaat gründlich umzukrempeln.

Friedman wies schon früh die Theorien von John Maynard Keynes zurück, dass die Wirtschaft erfolgreich mit Hilfe kurzfristiger Änderungen der Nachfrage zum Beispiel über die Staatsausgaben gesteuert werden könne. Keynes dominierte mit seinen Lehren nach der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre jahrzehntelang die amerikanische und europäische Wirtschaftspolitik.

Friedmans Eltern waren aus Bessarabien, das damals zu Österreich- Ungarn gehörte, in die USA eingewandert. Die Familie lebte in New York. Als der Vater starb, musste der hoch begabte Schüler im Alter von 15 Jahren arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. Mit einem Stipendium studierte er zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Rutgers-Universität, später in Chicago. Neben zahlreichen Gastprofessuren blieb er der Universität bis 1983 treu.

Die "Monetaristen" und Friedman gewannen in den siebziger und achtziger Jahren Einfluss. Sie heben die Geldmengenentwicklung als Hauptfaktor für die Preis- und Konjunkturentwicklung hervor. Gemeinsam mit Anna Jacobson Schwartz veröffentlichte Friedman 1963 sein 800 Seiten starkes Werk "A Monetary History of the United States, 1867-1960". Darin analysierte er Geldmengenveränderungen, ihre Ursachen und ihre Auswirkungen anhand der geschichtlichen Entwicklung. Er plädiert für mäßiges und stetes Geldmengenwachstum, um die meisten Wirtschaftsprobleme zu lösen und auch ein dauerhaftes, inflationsarmes Wirtschaftswachstum zu erzielen. Für sein Werk erhielt er 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Seinen Anhängern galt er als Visionär, der auch abseits der Ökonomie Richtung weisendes produzierte und damit auch provozierte. Friedman propagierte nach dem Vietnamkrieg - erfolgreich - die Abschaffung des Wehrdienstes. Schon in den 60er Jahren verdammte er die staatliche Rentenversicherung und setzte sich mit seiner Frau und Kollegin Rose für die private Altersvorsorge ein. Die Schulpflicht gehört nach Meinung Friedmans abgeschafft, Drogen müssen legalisiert werden - jede Gängelung der Bürger ist Friedman ein Graus. "Friedman ist einer der prominentesten und effektivsten Verfechter der menschlichen Freiheit", sagte der Präsident des libertären Cato- Instituts in Washington, William Niskanen, einmal.

DPA / DPA