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Wissen: Sind Sie ein Gründertyp?

20 Fragen, die Ihr Leben verändern können: Was Sie vor dem Sprung in die Selbstständigkeit wissen sollten.

Von Sven Rohde

1. Wie mache ich mich selbstständig?

Am Anfang der Selbstständigkeit steht die Überlegung: Bin ich ein Unternehmertyp? Stellen Sie sich die folgenden Fragen selbstkritisch: Schaffe ich es, den dicken Packen Verantwortung zu schultern, der mit einer Firmengründung verbunden ist - für Produkt, Umsatz, Mitarbeiter, Zuverlässigkeit gegenüber Kunden, Zahlungen usw.? Bin ich diszipliniert genug, Tagesabläufe zu gestalten, Arbeiten pünktlich zu erledigen? Und all das bei ungewissem Einkommen und weniger Freizeit als Angestellte? Wenn Sie alles mit Ja beantwortet haben, folgen die nächsten Schritte:
1. Die Planung: Der Markt muss analysiert, ein präzises Konzept erstellt werden.
2. Der Finanzplan: Das nötige Startkapital wird ermittelt, die Finanzierung mit Banken geklärt.
3. Die Gründung: Das Unternehmen bekommt eine Rechtsform, Formalitäten wie Gewerbeanmeldung werden erledigt, Räume angemietet, Arbeitsmittel beschafft.
Übrigens: Bei 30 Prozent aller Pleiten von jungen Unternehmen spielen familiäre Probleme eine Hauptrolle. Also vor einer Gründung beim Partner nachfragen, ob der dem Stress der ersten Jahre ebenso freudig entgegensieht. Zur Klärung der Einstiegsfragen eignet sich der Punkt "Existenzgründer" auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums (www.bmwi.de). Hilfreich ist auch das StartUp-Teilnehmerhandbuch "Der Geschäftsplan - Basis für Ihren Erfolg", zu beziehen über www.startup-initiative.de. Einen Selbsttest, ob Sie ein Gründertyp sind, können Sie im Internet ausfüllen unter: www.ebs-gruendertest.de.

2. Wie überwinde ich die Angst vor der Pleite?

Die Deutschen haben mehr Angst vor dem Scheitern als viele europäische Nachbarn. Deswegen werden viele gute Geschäftsideen nicht realisiert, ergab eine Studie der Uni Köln. Angst, wissen Psychologen, überwindet man nur, wenn man sich ihr stellt. Für den Unternehmer in spe heißt das: Gründliche Vorbereitung mindert die Angst. Für Skeptiker gibt es die Variante der "Schnuppergründung". Da erkundet man mit geringem Kapitaleinsatz erst einmal den Markt, zum Beispiel als Berater oder in einer Nebentätigkeit nach Feierabend.

3. Was muss ich als Gründer können?

Selbstständige sind im besten Fall Multitalente: nicht nur in ihrem Beruf fachlich auf der Höhe - eine unverzichtbare Voraussetzung! -, sondern auch in der Lage, die wirtschaftlichen Betriebsdaten zu durchschauen. Sie können ihr Geschäft nach außen darstellen, Mitarbeiter führen, Kunden überzeugen und Geschäftskonditionen ebenso verbindlich wie hartnäckig aushandeln. Wer an alldem keinen Spaß hat, sollte lieber die Finger davon lassen. Eine Fortbildung kann nicht nur den Start erleichtern, sondern auch die Pleite verhindern: Bei fast der Hälfte aller Insolvenzen sind mangelnde kaufmännische und unternehmerische Kenntnisse mit im Spiel - was nicht heißt, dass alle Gründer Ökonomen sein müssen. Das ist einer der Gründe, warum Teamgründungen meist erfolgreicher sind: Hier ergänzen sich Talente und Fähigkeiten, kann der eine die Schwächen des anderen ausgleichen.

4. Selbst gründen oder eine Firma übernehmen?

Die Vorteile der Neugründung: Die Firma kann langsam wachsen, der Gründer seine Erfahrungen machen und Personal seinen Ansprüchen gemäß einstellen. Die Nachteile: Um aus dem Nichts ein Unternehmen aufzubauen, braucht man viel Kraft und Mut zum Risiko. Die Vorteile der Übernahme: Die Firma ist etabliert, ihr Produkt bekannt, das Personal ist eingearbeitet. Die Nachteile: Wer übernimmt, muss in der Regel mehr investieren und von einem Tag auf den anderen den Laden schmeißen. Wer Interesse an einer Übernahme hat, kann sich an die Gemeinschaftsinitiative "Change" der Deutschen Ausgleichsbank wenden.

5. Taugt meine Geschäftsidee etwas?

Nur weil alle Freunde die Idee gut finden, muss sie es noch lange nicht sein. Bevor man loslegt, sollte man den Markt überprüfen. Die wichtigsten Fragen: Gibt es Konkurrenz? Wer bietet das Produkt noch an? Ist der Markt womöglich längst gesättigt? Falls das Produkt noch nicht angeboten wird: Woran liegt's? Zielt die Geschäftsidee auf eine Marktlücke - oder sind bisher alle, die es vorher versucht haben, gescheitert? Solche Fragen werden ausführlich auf Gründerworkshops diskutiert, die es in fast allen mittleren und größeren Städten Deutschlands gibt.

6. Wo bekomme ich kostenlose Beratung?

An Beratungsstellen für Gründer herrscht kein Mangel. Es gibt Hunderte Adressen, die bei der Finanzierung helfen, beraten, fördern oder Kontakte vermitteln. Der stern hat die wichtigsten Angebote von Bund, Ländern und rund 60 Regionen Deutschlands zusammengestellt. Die umfangreichen Listen mit kurzen Beschreibungen und Kontaktadresse können Sie bei stern.de herunterladen.

7. Wie hoch wird mein Umsatz ungefähr sein?

Eine der schwierigsten Fragen bei der Unternehmensgründung: Es geht ja nicht nur um den Preis fürs Produkt, sondern auch um den Einfluss der Konkurrenz, des Standorts, der Branche und der Leistungsfähigkeit der neuen Firma. Für viele Branchen gibt es immerhin Betriebsvergleichszahlen, die einen Anhaltspunkt bilden, bei Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Fachkammern (zum Beispiel Rechtsanwaltskammer, Ärztekammer), Fachverbänden (etwa Psychologenverband, Hotel- und Gaststättenverband), dem Institut für Handelsforschung in Köln, Technologie- und Gründerzentren und bei Banken und Sparkassen.

8. Wie schütze ich mein Produkt?

Der beste Schutz für ein Produkt oder Herstellungsverfahren ist ein Patent, das beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet wird. Bis zur offiziellen Erteilung vergehen etwa zwei Jahre. Schneller geht?s mit der Eintragung eines Gebrauchsmusters ("kleines Patent"). Hier wird aber nicht geprüft, ob das Produkt tatsächlich einzigartig ist, ein Streit mit Konkurrenten ist nicht ausgeschlossen. Ein neues Design lässt sich beim Patentamt mit einem Geschmacksmuster schützen. Aber spätestens hier wird klar, dass niemand sich wirklich vor Nachahmern schützen kann. Nichts wird so schnell kopiert wie innovatives Design, mit leichten Änderungen, versteht sich. Die heben den Schutz nämlich auf. Schließlich lässt sich eine Marke schützen: Worte, Bildzeichen oder die Kombination aus beidem, die nur von einem Unternehmen benutzt werden dürfen. Anmeldeformulare und Gebührenliste vom Deutschen Patent- und Markenamt: www.dpma.de

9. Wie finde ich den Firmennamen?

Sie können einfach Ihren Namen nehmen. Wenn Sie das nicht wollen, sollte ein guter Firmenname einfach, ausdrucksstark und leicht zu erinnern sein. Und: einzigartig. Denn sonst gibt es schnell Ärger mit einer anderen Firma, die denselben oder einen sehr ähnlichen Namen trägt. Ein gerade gestartetes Unternehmen umbenennen zu müssen ist eine Katastrophe. Füttern Sie Internet-Suchmaschinen mit dem angedachten Namen. Unter www.denic.de können Sie überprüfen, ob die entsprechende Internet-Domain noch frei ist. Auf der Internetseite des Deutschen Patentamtes lässt sich recherchieren, ob der Name als Markenbezeichnung bereits existiert. Auch eine Überprüfung bei der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer gibt Aufschluss.

10. Ein Kunde zahlt nicht - wie komme ich an mein Geld?

Die Zahlungsmoral ist schlecht in Deutschland - und immer mehr Unternehmen gehen daran Pleite, dass sie zwar rentabel arbeiten, aber ihre Kunden nicht zahlen. Dem kann man vorbeugen, indem man die Zahlungsfähigkeit von wichtigen Kunden durch eine Wirtschaftsauskunftei wie die Schufa oder Creditreform überprüfen lässt. Wartet man trotzdem auch nach der zweiten Mahnung noch auf das Geld, hilft ein Inkassodienst weiter (zu finden in den Gelben Seiten). Diese Dienstleistung bieten auch Standesorganisationen wie die Kreishandwerkerschaften an.

11. Wozu brauche ich einen Business-Plan?

Der Business-Plan, auch Geschäftsplan genannt, soll vor allem eine Bank oder einen Investor für das neue Unternehmen gewinnen helfen. Gleichzeitig ist er aber auch Leitfaden und Zielvorgabe für den Gründer selbst: Was möchte ich verkaufen, wie will ich vorgehen, welche Ziele setze ich mir? Und was bleibt von der Geschäftsidee übrig, wenn man sie in ein schlüssiges Konzept umwandeln, über die Marktgegebenheiten, die Konkurrenz und den Umsatz nachdenken muss? Einen Muster-Businessplan mit Handbuch gibt es kostenlos zum Herunterladen im Gründerportal der Landesbank Baden-Württemberg: www.lbank.de

12. Welche Rechtsform wähle ich?

- Der Einzelunternehmer oder Freiberufler ist alleiniger Herr im Haus und hat bei der Existenzgründung die geringsten bürokratischen Hürden zu überwinden, haftet dafür aber mit seinem gesamten Vermögen.

- Starten zwei oder mehr Partner ein Unternehmen, können sie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen. Auch hier sind die Hürden vergleichsweise niedrig, alle Partner haften mit ihrem Vermögen.

- Wer seine Firma allein führen will, aber finanzkräftige Partner für seine Idee begeistern konnte, gründet eine Kommanditgesellschaft (KG). Dabei haftet einer, der Komplementär, mit seinem gesamten Vermögen, die Kommanditisten nur mit ihrer geleisteten Einlage.

- Am weitesten verbreitet: die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), bei der die Gesellschafter nur ihre Einlage ins Stammkapital von mindestens 25.000 Euro riskieren - es sei denn, sie haben für die Kreditzusage auch die persönliche Haftung übernommen. Gründung und Buchführung sind vergleichsweise aufwendig und teuer.

13. Welche Hilfen gibt es für arbeitslose Gründer?

Der einfachste Weg in die Selbstständigkeit ist die Ich-AG: Man legt beim Arbeitsamt die Gewerbeanmeldung oder Bestätigung einer selbstständigen Tätigkeit vom Finanzamt vor - und los geht's. Naja, fast: Seit dem 02.09.2004 ist für den erfolgreichen Antrag auch ein Geschäftsplan notwendig. Damit sollen Verlegenheitsgründungen ohne Erfolgsaussichten von vornherein vermieden werden. Im ersten Jahr gibt es 600 Euro pro Monat Zuschuss, im zweiten 360, im dritten 240 Euro. Liegt der Gewinn über 25.000 Euro pro Jahr, entfällt die Förderung. Sie lohnt sich vor allem für Existenzgründer mit geringem Arbeitslosengeldanspruch - etwa für Geringqualifizierte oder vor der Arbeitslosigkeit Teilzeitbeschäftigte. Zweite Förderungsmöglichkeit: das Überbrückungsgeld. Hierzu muss man ein Gutachten mit Erfolgsprognose, in der Regel vom Steuerberater, vorweisen. Dann zahlt das Arbeitsamt sechs Monate Zuschüsse in Höhe des bisherigen Arbeitslosengeldes oder der Arbeitslosenhilfe plus Sozialversicherungsbeiträge. Wer davon ausgeht, dass der Gewinn schnell über 25.000 Euro pro Jahr steigt, ist mit dem Überbrückungsgeld besser bedient.

14. Wann muss ich die Reißleine ziehen und aufgeben?

Natürlich sollte man nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten alles hinschmeißen - aber wenn man Gehälter und Steuern nicht aus den Einnahmen, sondern nur aus dem Kreditrahmen zahlen kann, wenn Lieferanten Material verweigern, solange nicht alte Rechnungen beglichen sind, ist es eigentlich schon zu spät. Besser dann nicht weitere Kredite auftreiben, sondern das Geschäft geordnet abwickeln. Noch besser freilich, das Unternehmen zu schließen, solange es noch zahlungsfähig ist, aber keine Perspektive mehr bietet. Dann ist die weitere Karriere des ehemaligen Unternehmers nicht mit zu großen Hypotheken belastet.

15. Wie komme ich an Geld und Mitarbeiter?

Eigenkapital: Je höher, desto besser. 15 Prozent der Gesamtinvestitionen sollten mindestens davon abgedeckt sein, sagen Experten.

Förderung:

Für Existenzgründer gibt es eine Fülle von Förderprogrammen.

Darlehen:

Derzeit sind die Zinsen sehr niedrig. Aber es ist auch schwieriger geworden, einen Kredit zu bekommen. Der Grund: hohe Kreditausfälle aufgrund spektakulärer Pleiten und neue Vergaberichtlinien ("Basel II"). Um so wichtiger, beim ersten Termin Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Konzept der Firma zu schaffen.

Mitarbeiter:

Gutes Personal findet man am einfachsten im Internet. Das Arbeitsamt hat die besten Jobbörsen zusammengestellt. Übrigens: Wer einen Arbeitslosen einstellt, kann oft Fördergelder in Anspruch nehmen. www.arbeitamt.de

Venture Capital:

Wer Großes vorhat, braucht Investoren, die an die Geschäftsidee glauben und sich mit eigenem Kapital - Venture Capital, zu Deutsch Risikokapital - beteiligen. Sie bekommen dafür Anteile an der Firma. Interessant wird dieses Modell aber erst ab einem Gesamtvolumen von 500.000 Euro.

16. Welche Investitionen sind am Anfang wichtig?

Maschinen, Fahrzeuge, Computer, Geschäftspapier, Visitenkarten - klar, dass Sie das sofort brauchen. Aber seien Sie anfangs ruhig knauserig: Sparen Sie sich alle Investitionen, die nicht unmittelbar für den Geschäftserfolg wichtig sind. Wenn sich der Erfolg einstellt, können Sie ja immer noch einen Mercedes kaufen.

17. Welchen Behörden muss ich die Selbstständigkeit melden?

- Freiberufler haben es am leichtesten: Sie müssen lediglich dem Finanzamt den Beginn ihrer Tätigkeit melden.

- Einen Gewerbebetrieb meldet der Gründer beim Ordnungsamt an. Damit werden automatisch Finanzamt, Industrie- und Handelskammer, Krankenkasse, Rentenversicherung, Arbeitsamt und Kammern informiert.

- Handwerker müssen in die Handwerksrolle eingetragen sein.

- Wer eine GmbH, OHG, KG oder AG gründet, muss sie beim Amtsgericht ins Handelsregister eintragen lassen. Und wer gleich zu Beginn mit Angestellten startet, muss sie innerhalb einer Woche bei Krankenkasse, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft und Arbeitsamt anmelden.

18. Welche Versicherungen brauche ich?

Krankheit: Selbstständige können in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben - mit der Option, Krankentagegeld mitzuversichern. Das ist sinnvoll, denn eine längere Krankheit kann sonst schnell in die Pleite führen. Reicht dieses Tagegeld nicht aus, hilft eine private Zusatzversicherung.

Altersvorsorge:

Wer sich privat absichert, kommt meist besser weg als in der staatlichen Rentenversicherung. Haftpflicht: Unverzichtbar. Sonst muss jeder Schaden, den Chef oder Mitarbeiter verursachen, aus der Firmenkasse bezahlt werden.

Schäden am Inventar und Betriebsunterbrechung:

Räumen Diebe die Büros aus oder zerstört ein Wasserschaden den Zentralrechner, ist das nicht nur ein Schaden für das Firmenvermögen, sondern auch für den laufenden Betrieb. Nach Abschluss einer kombinierten Police bezahlt die Versicherung nicht nur die Behebung der Schäden, sondern auch entgangene Gewinne und Fixkosten bis zur Wiederaufnahme des Betriebs.

19. Wie wird mein Geschäft bekannt?

Die billigste und effektivste Werbung für ein neues Unternehmen ist Mundpropaganda. Der kann man nachhelfen: indem man sich auf Messen oder bei Branchentreffs blicken lässt, in berufsständischen Organisationen oder auch im Sportverein aktiv wird. Alles andere - PR, Werbung, Marketing - ist in der Anfangsphase für kleine Gründer nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, dass Sie einen guten Draht zur Lokalzeitung haben.

20. Welche Hilfen gibt es, wenn ich Mitarbeiter einstelle?

Ein interessanter Teil der HartzReform ist das Förderprogramm "Kapital für Arbeit". Es unterstützt Unternehmer, wenn sie Arbeitslose dauerhaft einstellen. Für jeden eingestellten Arbeitnehmer erhält der Arbeitgeber einen Zuschuss in Höhe von bis zu 100.000 Euro: maximal 50.000 Euro als Förderkredit und maximal 50.000 Euro als Nachrangdarlehen. Einen Einstellungszuschuss vom Arbeitsamt erhalten Unternehmen, die bis zwei Jahre nach der Gründung Arbeitslose einstellen. Das Arbeitsamt gewährt für maximal zwölf Monate einen Lohnkostenzuschuss in Höhe des halben ortsüblichen Gehaltes.

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