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KarstadtQuelle: Kapitalerhöhung auf der Kippe

Der sicher geglaubte Sanierungsplan für den angeschlagenen Handelsriesen KarstadtQuelle gerät in Gefahr. Die unzufriedenen Aktionäre drohen mittels Widersprüchen die geplante Kapitalerhöhung zu Fall zu bringen.

Nach Widersprüchen von Aktionären gegen die geplante Kapitalerhöhung droht die dringend benötigte Kapitalspritze von 500 Millionen Euro zu scheitern. Damit kann auch der bereits zugesagte Kredit über 1,75 Milliarden Euro kippen. "Wenn die Kapitalerhöhung blockiert wird, droht der Gesellschaft die Insolvenz", warnte der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Middelhoff am Montag während der außerordentlichen Hauptversammlung der KarstadtQuelle AG in Düsseldorf.

Angst vor Anfechtungsklagen

KarstadtQuelle wollte in jedem Fall die Abstimmung über die Kapitalerhöhung bis Mitternacht über die Bühne bringen. Die Banken haben aber bereits deutlich gemacht, dass sie die Kapitalerhöhung platzen lassen, falls die Widersprüche nicht zurück gezogen werden. Dann würden die Institute ein erhebliches Risiko sehen, "anfechtungsinfizierte Aktien" zu platzieren, sagte KarstadtQuelle- Sprecher Jörg Howe nach Gesprächen mit den Banken.

Damit die Kapitalerhöhung mit der Ausgabe von 93,041 Millionen Aktien noch in diesem Jahr über die Bühne gehen könne, müsse der zweiwöchige Verkaufsprospekt bis Ende November von der Börse gebilligt werden. "Die Banken werden mit der Platzierung der Aktien nicht beginnen, wenn es die Möglichkeit von Anfechtungsklagen gibt", sagte Howe. Ohne die Kapitalerhöhung ziehen die Gläubigerbanken aber auch die am Freitag unterschriebenen Kreditverträge zurück.

Sanierung des Konzerns lahmt

Middelhoff appellierte eindringlich an die Aktionäre, den Einspruch zurückzuziehen. Die Aktionärsvertreterin Catharina Steeg, Geschäftsführerin des Würzburger Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie, schloss dies aber aus. Ohne Rücksprache mit den Mitgliedern könne sie den Einspruch nicht zurücknehmen. Der zweite Widerspruch kommt von dem Aktionär Rainer Johannes aus Kassel.

Unterdessen kommt die Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns langsamer voran als gedacht. Angesichts des harten Sanierungskonzeptes und der Konsumflaute muss der Vorstand die bislang optimistischen Prognosen für 2005 zurücknehmen. Außerdem erweist sich die geplante Trennung von Immobilien und Beteiligungen wegen zu niedriger Preisangebote langwieriger als erwartet.

Für 2005 Rückkehr zu schwarzen Zahlen geplant

Zwar gehe man weiterhin davon aus, 2005 in die schwarzen Zahlen zu kommen, sagte Vorstandschef Christoph Achenbach. Dies werde allerdings nur knapp gelingen, ergänzte ein Konzernsprecher. Das ursprüngliche Ziel, bereits 2005 ein deutlich positives operatives Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (EBTA) zu erreichen, wird nun auf 2006 verschoben. Dann will der Konzern auch mit einem Jahresüberschuss von 241 Millionen Euro in die Gewinnzone zurückkehren, und die Aktionäre sollen wieder eine Dividende bekommen. Für 2005 sei ein Ergebnis von Null geplant, berichtete Finanzchef Harald Pinger. Für die Jahre 2007 und 2008 sei jeweils ein Jahresüberschuss von 313 Millionen Euro vorgesehen, sagte Pinger.

Der je zur Hälfte für 2004 und 2005 eingeplante Mittelzufluss aus dem Verkauf von Geschäftsteilen verzögert sich ebenfalls - und zwar zum größeren Teil auf 2005. "Da die gebotenen Preise für einzelne Objekte teilweise noch nicht unseren Vorstellungen entsprechen, werden wir zunächst noch mit der Veräußerung warten und weitere Angebote einholen", sagte Achenbach. Insgesamt will das Unternehmen aus den Verkäufen von kleineren Warenhäusern, Fitness-Studios, Einzelhandelsketten und Firmenbeteiligungen rund eine Milliarde Euro erzielen. In trockenen Tüchern ist lediglich der bereits angekündigte Verkauf der 82-Prozent-Beteiligung am Joint Venture mit der US-Kaffeehauskette Starbucks für mehr als 18 Millionen Euro. Die konkrete Summe wurde nicht bekannt.

Neue Aktien sollen Stückpreis von 5,38 Euro erzielen

Jenseits der Auseinandersetzung mit den Aktionären sind die genauen Konditionen noch gar nicht bekannt. Achenbach will für die 93 Millionen Aktien mindestens einen Stückpreis von 5,38 Euro erzielen, um auf die erhofften 500 Millionen Euro zu kommen. Andernfalls sollen mehr Aktien ausgegeben werden. Die Kapitalspritze ist dringend nötig, nachdem das Konzerneigenkapital zum 30. September 2004 auf rund 83 Millionen Euro geschrumpft ist, eine Eigenkapitalquote von unter 1 Prozent. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien von KarstadtQuelle sollte am 30. November beginnen und am 13. Dezember enden. Der aktuelle Kurs liegt bei rund 10 Euro. Der Bezugspreis für die neuen Aktien sollte am Donnerstag (25. November) festgesetzt werden.

Aktionärsvertreter hatten die Konditionen der Kapitalerhöhung kritisiert. "KarstadtQuelle wird viel zu billig angeboten", sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher. Weitere Sprecher kritisierten mangelnde Informationen über die Details, die erst in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden sollen.

DPA