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Volkswagen: Ohne Scheichs keine Kapitalerhöhung

Volkswagen plant nach dem gescheiterten Einstieg des arabischen Emirats Abu Dhabi derzeit keine Kapitalerhöhung. Der Kaufpreis für das Flottenmanagement-Geschäft von ABN Amro soll nun aus dem laufenden Geschäft finanziert werden.

VW-Sprecher Frank Gaube sagte am Donnerstag auf eine entsprechende Anfrage: "Definitiv nicht. Es wird nicht über eine Kapitalerhöhung nachgedacht." An der Börse war zuvor spekuliert worden, Europas größter Autohersteller könne eine Kapitalerhöhung erwägen, nachdem am Vortag die Verhandlungen über einen Einstieg des Golfstaats bei VW auf Grund unterschiedlicher Preisvorstellungen als gescheitert erklärt worden waren. Den auf VW entfallenden Anteil am Kaufpreis für das Flottenmanagement-Geschäft der niederländischen Bank ABN Amro von einer Milliarde Euro will der Konzern nun aus dem laufenden Geschäft finanzieren.

Abu Dhabi wäre zweitgrößter Aktionär gewesen

Abu Dhabi sollte nach dem Land Niedersachsen, das gut 18 Prozent an Volkswagen hält, zweitgrößter Aktionär werden. "Über den Kaufpreis des Aktienpakets im Volumen von 9,8 Prozent des Kapitals war im aktuellen Kapitalmarktumfeld keine Einigung möglich", musste VW am Mittwoch jedoch bekannt geben. Der Wert des Pakets ist seit der Aufnahme der Gespräche über den Einstieg im April um ein Fünftel auf rund 1,3 Milliarden Euro gesunken. Der eigentliche Wert der VW-Aktie sei höher anzusetzen, als es der derzeitige Börsenkurs widerspiegele und Abu Dhabi zu zahlen bereit gewesen sei, hatte ein VW-Sprecher den Abbruch der Verhandlungen über einen Einstieg des Emirats begründet.

Die Aktie von VW notierte am Mittag leicht im Plus bei 32,65 Euro, nachdem sie am Vortag mehr als zwei Prozent verloren hatte.

Mit dem Geld von Abu Dhabi wollte VW den Kauf von 50 Prozent an LeasePlan, der Flottenmanagement-Tochterfirma von ABN, finanzieren. Nach den Worten von VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert steht diese Übernahme nun aber keineswegs auf der Kippe. "Es ist kein Problem, das zu finanzieren", hatte er gesagt. Damit bleibt VW zunächst aber weiter auf seinen knapp zehn Prozent eigenen Aktien sitzen. Verhandlungen mit anderen Investoren sind nach Konzernangaben vorerst nicht geplant. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hatte mit dem prestigeträchtigen Einstieg der Scheichs Kritiker entgegnen wollen, die die Dominanz des Landes Niedersachsen als Hindernis für ein Engagement ausländischer Investoren bei VW werten. Angelaufende Kooperationsprojekte mit Abu Dhabi wollen die Wolfsburger ungeachtet der gescheiterten Gespräche fortführen. (Reuters)

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