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KarstadtQuelle: Wut im Karstadt-Stammhaus Wismar

Das Wetter passt zur Stimmung: "Der Himmel weint, man lässt uns einfach im Regen stehen", kommentiert Heike Hacker, Verkäuferin und Betriebsratsmitglied im Karstadt-Stammhaus Wismar die Situation.

Strömender Regen begleitete am Mittwoch tatsächlich die Mitarbeiter und Kunden auf dem Weg in das einzige Kaufhaus der KarstadtQuelle AG Mecklenburg-Vorpommerns. Das Stammhaus, nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt, gehört zu den kleinsten Häusern des Konzerns und damit auch zu jenen Filialen, die das Unternehmen los werden will.

Auch das Stammhaus wird geschlossen

Wut und Enttäuschung herrscht bei den rund 60 Mitarbeitern von Karstadt in Wismar: "Hier sind doch die Wurzeln, das Stammhaus ist das Sahnestück des Konzerns, eine Hauptattraktion für Wismar, die auch viele Touristen anlockt", sagt Betriebsratsvorsitzende Viola Hopp. 32 Jahre arbeite sie schon am Standort, an dem 1881 der Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt (1856-1944) sein "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft" gegründet hatte. 1907 wurde das Kaufhaus in Stahlskelettbauweise errichtet, 1991 von der Karstadt AG übernommen und 2001 komplett saniert.

"Bei laufendem Betrieb haben wir vier Monate lang oft bis in die Nacht gearbeitet für den Umbau, für unser Kaufhaus, unsere Arbeitsplätze", empört sich Viola Hopp. Und: "Wir sind nicht unrentabel!" Der Umsatz sei stabil, die Entwicklung zeige nach oben. Und dennoch sei der Verkauf bereits beschlossene Sache, ein Konzept für den Fortbestand des Hauses unter dem Karstadt-Dach gebe es nicht.

Angestellten sehen keine Chance auf andere Jobs

"So kann man mit Menschen doch nicht umgehen", sagt Heike Hacker. Die Belegschaft sei ein eingespieltes Team, die Frauen fast alle über 40 und viele von ihnen mit einer Sechs-Stunden-Beschäftigung am Tag die Hauptverdiener ihrer Familien, fügt Viola Hopp hinzu. "Bei einer Arbeitslosigkeit von 20 Prozent in Wismar haben wir doch keine andere Chance mehr", sind die Frauen überzeugt.

Die wenigen Kunden an diesem Tag werden dennoch freundlich wie eh und je bedient. Doch auch sie sind wütend: "Schlimm finde ich das, wo doch Karstadt das einzige Kaufhaus überhaupt in Wismar ist", schimpft Helga Banse, Rentnerin aus Neukloster, die regelmäßig zum Einkauf in die nahe Hansestadt fährt. Auch der Sprecher der Stadtverwaltung, Frank Junge, fürchtet um die "Zugkraft des größten Einzelhändlers der Altstadt", um die Existenz kleinerer Geschäfte ringsum wie auch um die Attraktivität Wismars. Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeister Thomas Beyer sucht die Stadtverwaltung jetzt das Gespräch mit der Konzernleitung.

"Debatte ist geschäftsschädigend"

Jürgen und Hannelore Löwa aus Berlin machen gerade Urlaub an der Ostsee und sind wegen des Regenwetters extra zum Schauen und Shoppen in die Hansestadt gekommen: "Traurig ist es, dass immer nur Arbeitsplätze abgebaut und keine neuen geschaffen werden", lautet ihr Fazit. Silvia Klamt aus der Oberlausitz findet gerade die Lage des Kaufhauses mitten im Zentrum ideal, um als Tourist trübe Tage mit einem Einkaufsbummel verbringen zu können.

Schon die Debatte um die Häuser sei geschäftsschädigend, betont Betriebsrätin Viola Hopp. "Es gibt uns doch noch, wir arbeiten mit Ertrag und wollen unbedingt weitermachen!" Denn es sei absolut nicht vorstellbar, dass der Rudolph-Karstadt-Platz vor dem Eingang, der erst 2001 mit dem Umbau des Stammhauses den Namen des Gründers erhielt, künftig seines Kaufhauses beraubt sein könnte.

Grit Büttner, dpa / DPA
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