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Klaus Steilmann: Nach Schrumpfkurs in zwei Jahren wieder Wachstum

Das schönste Geburtstags-Geschenk für Firmengründer Klaus Steilmann ist der Erhalt seines Lebenswerkes: Die Textilgruppe Steilmann kann nach dem Schrumpfkurs der vergangenen Jahre wieder auf Wachstum hoffen.

Das schönste Geburtstags-Geschenk für Firmengründer Klaus Steilmann ist der Erhalt seines Lebenswerkes: Die Textilgruppe Steilmann kann nach dem Schrumpfkurs der vergangenen Jahre wieder auf Wachstum hoffen. "Ich glaube, dass die Steilmann-Gruppe zwei Jahre stabil bleiben muss und dann das Potenzial zum Wachstum hat", freut sich Steilmann, der am 12. Juni 75 Jahre alt wird. Fallende Weltmarktpreise für Textilien hatten das Unternehmen in Bedrängnis gebracht.

Boom endete Mitte der 90er

Bis Mitte der neunziger Jahre hatte die Textilwirtschaft geboomt. Doch auch Steilmann, als eines der größten deutschen Modehäuser, musste der Globalisierung mit einem international härteren Wettbewerb Tribut zollen. "Wir haben immer höhere Stückzahlen produziert, aber immer geringere Preise erzielt", erzählt der Firmengründer. Teilweise machte der Konzern Verluste, so im Geschäft mit Discountern wie Aldi und Lidl. "Bei dem knallharten Geschäft haben sich die Manager verkalkuliert", sagt der Senior, der mit 70 Jahren die Konzernführung abgab und seitdem im gewichtigen Beirat sitzt. Die Führung übernahm vorübergehend der frühere Hugo-Boss-Chef Joachim Vogt, dann Tochter Britta, zuletzt Tochter Ute.

Die Steilmann-Gruppe, die in besten Zeiten fast 900 Millionen Euro umgesetzt und weltweit über 18.000 Menschen beschäftigt hat, musste Betriebe abgeben, die Produktion ins Ausland verlagern und Personal abbauen, vor allem in Deutschland. Jetzt lässt Steilmann im Ausland nähen, vor allem in Osteuropa. Bei steigender Tendenz verkaufen die Wattenscheider inzwischen zu über 50 Prozent auch im Ausland. Steilmann liefert unter dem Namen der Abnehmer zum Beispiel an die Metro, an KarstadtQuelle, Marks & Spencer und C&A.

Wie Bill Gates in der Garage begonnen

Steilmann hatte sein Mode-Imperium 1958 quasi aus dem Nichts aufgebaut. "Eines habe ich mit Bill Gates gemeinsam", scherzt er. "Wir haben beide in einer Garage angefangen." Mit preiswerter "Mode für Millionen" stieg der 1929 in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Sohn eines Gutsverwalters zum führenden Modehersteller in Europa auf. "Eigentlich wollte ich Richter werden", bekennt Steilmann. "Aus finanziellen Gründen musste ich aber arbeiten." In Berlin machte er das Abitur nach und arbeitete nebenbei bei C&A als Aushilfskraft. Damit war der Weg zum Modehersteller vorgezeichnet.

Einen Namen hatte sich der vielseitige Unternehmer und Mitglied des renommierten Club of Rome durch umwelt- und industriepolitisches Engagement gemacht. In seiner Wahlheimat Ruhrgebiet beschäftigt sich Steilmann nach seinem Ausstieg aus der Geschäftsführung zur Jahrtausendwende im "Klaus Steilmann Institut" mit der umweltgerechten Produktion und der Entwicklung von Technologie und Kleidung. So ist zum Beispiel ein Notruf in der Kinderbekleidung oder eine Memoryfunktion für einkaufende Männer in der Entwicklung.

Ausgeglichenes Ergebnis geplant

Derzeit regeln Tochter Ute, Finanzchef Klaus Friedrich und Personalchef Willy Krahn die Geschäfte. Viel ist vom 500-Millionen-Umsatz des Jahres 2002 nicht geblieben. "Wir planen für dieses Jahr jeweils rund 170 bis 180 Millionen Euro Umsatz, sagt. Damit wollen die Steilmänner dieses Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen und 2005 fünf Prozent vom Umsatz verdienen. "Ohne die Mitarbeit und die Kontakte des Beirates mit BVB-Präsident Gerd Niebaum, dem Ex-Chef des Bundespresseamtes Friedhelm Ost und Klaus Steilmann wäre die Sanierung wohl nicht zustande gekommen", meint Friedrich.

Auf der kommenden Düsseldorfer Modemesse cpd Anfang August machen die Wattenscheider dagegen etwas Neues. Sie bieten erstmals eine Kollektion unter eigenem Namen für den Fachhandel an.

Wolfgang Dahlmann, dpa / DPA
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