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Konjunktur: Chinas Wirtschaft auf Höhenflug

Seit einem halben Jahr wird versucht, die in Teilen überhitzte Wirtschaft abzukühlen. Gleichwohl müssen die Vorhersagen für das Wachstum dieses Jahr immer wieder nach oben korrigiert werden

Ob die chinesische Wirtschaft einer harten oder weichen Landung entgegensteuert, ist noch nicht sicher zu sagen. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) geht jetzt von 8,8 Prozent Wachstum aus, das Investmenthaus Goldman Sachs sogar von 9,7 Prozent. Es gibt erste Anzeichen, dass die makroökonomische Kontrolle Wirkung zeigt, doch steigen die Anlageinvestitionen schon wieder an. Zentralbankchef Zhou Xiaochun lässt sich denn auch von Kritik an seiner harten Hand nicht beirren und warnt stattdessen: "Es könnte einen Rückschlag geben, wenn unsere Bemühungen irgendwie nachlassen."

Banken raten zur Zinserhöhung

Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) rät sogar zur ersten Zinserhöhung seit neun Jahren, doch sieht Chinas Zentralbank noch davon ab, um nicht zu kräftig auf die Bremse zu treten. Eine harte Landung der siebtgrößten Wirtschaft der Erde hätte schwere Folgen für die Erholung der Weltwirtschaft. Neben den USA ist China eine Lokomotive des Weltkonjunktur. Die asiatische Region hängt stark von Chinas Wirtschaftswunder ab. Als Zeichen für ihre wachsende Bedeutung wurden Finanzbeamte aus Peking zu Diskussionen am Rande des Treffens der G-7-Finanzminister nächste Woche nach Washington eingeladen.

Nicht dass die ganze Wirtschaft Chinas überhitzt wäre, aber blinde Investitionen fließen in Bereiche wie Immobilien, Bau, Stahl, Zement und die Autoindustrie. Andy Xie von Morgan Stanley warnt, dass die Immobilienblase platzen könnte, und rät zur Zinserhöhung. "Wenn wir so schnell wie möglich handeln, wird China eine weiche Landung haben." Die Zentralbank hat schon die Kredite verknappt. Drei Mal seit einem Jahr wurden höhere Kapitalreserven der Banken vorgeschrieben. Für überhitzte Wirtschaftsbereiche wurden Kreditbeschränkungen eingeführt. 70.600 Investitionsprojekte wurden überprüft. 4.150 davon mit einem Volumen von 844 Milliarden Yuan (84 Milliarden Euro) mussten gestrichen oder verschoben werden.

Politische Risiken nahmen zu

Die Investitionen werden dieses Jahr dennoch um 25 Prozent wachsen und sind der Motor des Wachstums, was sich in diesem Ausmaß langfristig aber "nicht durchhalten lässt", wie die ADB warnt. In der Regierung und unter Experten wird gestritten, wie wirksam die Abkühlung ist und ob die Politik bis nächstes Jahr fortgesetzt werden muss. Unter der Kreditverknappung leiden schon heute dynamische Regionen des Landes oder auch die Autoindustrie. Marktführer Volkswagen, der Milliardeninvestitionen für neue Werke in China angekündigt hatte, bleibt dieses Jahr weit hinter ersten Absatzerwartungen zurück.

Die ADB gibt sich insgesamt optimistisch über den Wirtschaftskurs Pekings, doch haben die politischen Risiken nach Einschätzung von Goldman Sachs seit dem Frühjahr zugenommen. Der Grund ist, dass die Regierung vor allem zu administrativen statt marktorientierten Werkzeugen greift, um das Wachstum zu drosseln. Auch wenn die Sorgen über eine harte Landung aus Sicht des Investmenthauses kurzfristig betrachtet übertrieben scheinen, könne China noch nicht von Sieg sprechen und verkünden, die Wirtschaft sei klar auf dem Weg zu einer weichen Landung. Für eine wirksame Kontrolle müsse China "dringend" von Verwaltungsmaßnahmen zu marktorientierten Zins- und Wechselkursmechanismen wechseln, mahnte Goldman Sachs.

Andreas Landwehr, dpa / DPA
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