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Konjunktur: Der ifo-Index sinkt erneut

Der erwartete Konjunkturaufschwung in Deutschland ist in Gefahr: Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im März erneut von 96,4 auf 95,4 Punkte. Jetzt schließt das ifo Institut eine Korrektur der Wachstumsprognosen nach unten nicht mehr aus.

Der erwartete Konjunkturaufschwung in Deutschland ist in Gefahr. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im März erneut von 96,4 auf 95,4 Punkte. "Die Sorgen über den weiteren Konjunkturverlauf haben sich verstärkt", sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Freitag in München. Die Terroranschläge von Madrid hätten keine signifikanten Auswirkungen gehabt. Daher könne die Stimmungsverschlechterung im März nicht als vorübergehende Sonderbewegung abgetan werden. Das ifo-Institut prüft nun eine Senkung seiner Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Der Euro-Kurs fiel nach Bekanntgabe des Index zeitweise unter 1,21 Dollar.

ifo-Index schon im Februar gesunken

Der ifo-Index gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft. Er wird aus der Befragung von monatlich 7.000 Unternehmen ermittelt. Nach monatelangem Stimmungsaufschwung war er bereits im Februar gesunken. Im März fiel der Index stärker als von vielen Analysten erwartet. Bedenklich ist nach Sinns Einschätzung insbesondere, dass die Unternehmen im März erstmals seit einem halben Jahr ihre aktuelle Geschäftslage schlechter beurteilten. Der entsprechende Index sank von 92,6 auf 92,1 Punkte. Auch die Zukunftserwartungen wurden negativer beurteilt. Der Erwartungsindex ging von 100,3 auf 98,9 Punkte zurück.

Insbesondere im Einzelhandel habe sich die Stimmung verschlechtert, berichtete Chef-Volkswirt Gernot Nerb. "Die Konsumschwäche drückt auf die konjunkturelle Erholung." Vor allem wegen der Impulse aus dem Ausland schreibe das ifo Institut den Aufschwung zwar nicht ab. "Die Stärke des Aufschwungs ist aber fraglicher geworden." Noch gilt beim ifo Institut die Gemeinschaftsprognose von 1,8 Prozent Wachstum. "Wir rechnen gerade noch einmal", sagte Nerb. Möglicherweise gehe das Institut dann mit einem niedrigeren Vorschlag in die Beratungen für das Frühjahrsgutachten.

Korrektur der Wachstumsprognose nicht aus

Grundsätzlich würde das Institut angesichts des zögerlichen Aufschwungs eine Zinssenkung der EZB befürworten. "Wir sehen mittelfristig eine Zinssenkung für angezeigt", sagte Nerb. In Deutschland spreche viel für eine kurzfristige Senkung, die EZB müsse aber den gesamten Euro-Raum im Blick haben. Außerdem schließt das ifo Institut nach der Stimmungsverschlechterung im März eine Korrektur der Wachstumsprognosen nach unten nicht aus. Man schreibe den Aufschwung zwar noch nicht ab, er könne aber schwächer ausfallen, sagte Chef-Volkswirt Gernot Nerb am Freitag. "Wir rechnen gerade noch einmal." Noch geht das ifo Institut von der Gemeinschaftsprognose eines Wachstums von 1,8 Prozent in Deutschland in diesem Jahr aus.

DPA