Konsumgüter Europas größter Kondomhersteller condomi in der Krise


Europas größter Kondomhersteller condomi steckt in der Krise: "Wir sind zu schnell zu stark gewachsen", so der Vorstand. Jetzt ist das Unternehmen auf der Suche nach frischem Kapital.

Europas größter Kondomhersteller condomi ist in der Krise. Die Liquiditätssituation habe sich auf Grund verfehlter Wachstums- und Investitionsstrategien der Vergangenheit kontinuierlich verschlechtert, teilte das Unternehmen am am Freitag in Köln mit. "Wir sind zu schnell zu stark gewachsen", sagte Vorstandschef Jens Waldhof. Er sei aber optimistisch, dass eine Neuausrichtung mit der Konzentration auf das Kerngeschäft mit Kondomen greifen werde. Die condomi AG wollte am Freitagabend die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr (30. Juni) vorlegen. Die Aktie brach bereits am Vormittag um 37 Prozent auf 1,78 Euro ein.

Gespräche mit Banken laufen

Derzeit laufen Gespräche für eine Überbrückungsfinanzierung mit Banken. Ein Abschluss werde noch im Dezember angestrebt. "Wir sind unterwegs, um frisches Kapital zu beschaffen", sagte Waldhof. Dabei werde auch nach einem möglichen Investor gesucht. Condomi schrieb in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres trotz eines Umsatzwachstums erstmals rote Zahlen. Der Verlust belief sich in den ersten drei Quartalen auf 2,1 Millionen Euro. Der Umsatz des Unternehmens mit 450 Beschäftigten lag in den ersten neun Monaten bei 20,3 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2001/2002 hatte condomi einen Umsatz von 26,5 Millionen Euro sowie einen Gewinn vor Steuern von 1,3 Millionen Euro verbucht.

Bei der Expansion verhoben

Condomi hatte in Erfurt 30 Millionen Euro in ein Produktionswerk mit 220 Beschäftigten investiert. In dem Werk können bis zu 720 Millionen Kondome produziert werden. "Wir haben uns verhoben an dem zu starken Kapazitätsaufbau in Erfurt. Wir erfüllen derzeit nicht die Kapazität, die uns zur Verfügung steht", sagte Waldhof. Außerdem hatte sich condomi mit einer Tochterfirma im Medien-Bereich engagiert, die erotische Inhalte für Internetseiten entwarf. Von dieser Tochter hatte sich das Unternehmen vor einem Jahr getrennt.

Alle Tochtergesellschaften auf dem Prüfstand

"Bei der Restrukturierung ist vorgesehen, die gesellschaftliche Struktur des Unternehmens deutlich zu verschlanken." Dabei stünden außer der Beteiligung am polnischen Kondomhersteller unimil alle Tochtergesellschaften auf dem Prüfstand. Condomi unterhält Vertriebstöchter in Großbritannien, Österreich, Frankreich und Italien. Von einigen Beteiligungen hat sich condomi mittlerweile wieder getrennt. Ein geplantes Joint Venture in Südafrika wurde nicht realisiert. Auch eine Beteiligung an einem Bremer Hersteller von erotischer Unterwäsche wurde aufgegeben.

Beim Start etwas ganz Neues

Vor 15 Jahren startete condomi mit einem kleinen Laden in der Kölner Innenstadt. Der damals 19-jährige Oliver Grothe - heute Vorstand für Marketing und Vertrieb - hatte zusammen mit zwei Freunden die Idee für dieses Geschäft. Trotz der Diskussion über die Immunschwächekrankheit Aids waren Kondome damals vornehmlich in Apotheken und Automaten zu bekommen. Die drei Jungunternehmer eröffneten ihr Geschäft mit einem Startkapital von 7.600 Euro. Sie boten ein Sortiment der damals besonderen Art an: Kondome in verschiedenen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Nach dem Start in Deutschland streckten die Jungunternehmer ihre Fühler in ganz Europa aus. Es folgten Gründungen und Beteiligungen in Wien und London sowie Polen, Frankreich und Norwegen. Am 30. November 1999 ging condomi an die Börse.

DPA

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