Luftverkehr Harte Fronten zwischen Lufthansa und Reisebüros


Im Streit Lufthansa gegen Reisebüros geht es hart zu. Wer nicht mitziehe, bekomme die Kündigung, so die Fluggesellschaft. Siegesgewiß heißt es "Ein Reisebüro ohne Lufthansa ist wie ein Supermarkt ohne Getränke."

Im Streit zwischen der Lufthansa und den Reisebüros bleiben die Fronten verhärtet. Die Lufthansa bekräftigte am Montag, sie werde die Verträge mit allen Büros kündigen, die bis Samstag keine neue Vereinbarung unterzeichnen. Nach dem neuen Modell erhalten die Reisebüros künftig keine Provision mehr, sondern sollen ihre Kosten den Kunden selbst berechnen. In der vergangenen Woche hatten Vertreter von Reisebüros deshalb einen mehrtägigen Boykott der Lufthansa angedroht. Sie befürchten eine Verteuerung der Tickets.

Lufthansa-Bereichsvorstand Thierry Antinori sagte, inzwischen seien für rund 60 Prozent des Umsatzes die neuen Verträge "unter Dach und Fach". Darunter seien vor allem große Ketten. Angaben zur Zahl der abgeschlossenen Verträge wollte er nicht machen. Die Reisebüros müssten ein Interesse haben, Lufthansa-Tickets zu verkaufen: "Ein Reisebüro ohne Lufthansa ist wie eine Tankstelle ohne Diesel oder ein Supermarkt ohne Getränke", sagte Antinori. Ein Vertriebsmodell mit unterschiedlichen Vergütungssystemen lehnte er ab. Daher müssten die alten Verträge als letzte Möglichkeit ersatzlos gekündigt werden.

Reisebüro-Verband will notfalls klagen

Der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV), Klaus Laepple, bekräftigte, notfalls gegen die Lufthansa zu klagen. Zuvor hatten am Montagvormittag Lufthansa und DRV erneut über das Vertriebssystem verhandelt. Dabei sicherte die Lufthansa eine Unterstützung der Reisebüros bei der Umsetzung des neuen Systems zu, stellte das Modell und die gesetzten Fristen allerdings nicht zur Disposition. Der Verband befürchtet, dass die Tickets in Höhe der bisherigen Provision - zwischen fünf und neun Prozent - teurer werden und Arbeitsplätze in der Branche verloren gehen. Laut Lufthansa wird der Preisanstieg aber deutlich niedriger sein, da auf eine sonst übliche Preiserhöhung im Frühjahr verzichtet werde.

Vergangene Woche hatten Vertreter von Reisebüros mit großer Mehrheit beschlossen, vom 16. bis zum 18. Februar keine Reservierungen bei der Lufthansa vorzunehmen und auch keine Tickets auszustellen, wenn sich die Lufthansa nicht bewege. Eine zweite Boykott-Phase soll es notfalls vom 1. bis zum 6. März geben. Die Teilnehmer des Treffens in Frankfurt vertraten nach Verbandsangaben 90 Prozent des Umsatzes der deutschen Reisebüros.

DPA DPA

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