Luftverkehr Neuer Hauptstadt-Flughafen kommt in Sicht


Kaum wurde das Milliardenprojekt Airport Berlin endlich genehmigt, schon hoffen alle auf tausende neue Jobs in der Region. Bei den Bauherren ist die Freude gedämpft, die Behörde verhängte teure Auflagen.

Nach mehr als zehn Jahren Planung nahm das Milliardenprojekt des Airports Berlin Brandenburg International (BBI) am Freitag die letzte Hürde im Genehmigungsverfahren - und beflügelte sogleich die Hoffnungen auf besseren Anschluss an die internationale Luftfahrt und tausende neue Jobs in der Region. Doch für den Ausbau des Flughafens Schönefeld verhängte die Behörde etliche Auflagen, die die Bauherren teuer zu stehen kommen könnten. Ohnehin ist die Finanzierung des Großvorhabens noch nicht perfekt. Ausbaugegner kündigten Klagen an.

Fertigstellung bis 2010

Mit dem 1.200 Seiten starken Planfeststellungsbeschluss gab das Brandenburger Verkehrsministerium wie erwartet grünes Licht für den BBI, der in sechs Jahren in Betrieb gehen soll. Der Airport für bis zu 30 Millionen Reisende könne das "nicht mehr tragbare" Berliner Flughafensystem aus den Jahrzehnten der Teilung ersetzen, befanden die Fachleute. Die im Gegenzug geplante Schließung der innerstädtischen Flughäfen Tempelhof und Tegel werde außerdem rund 100.000 Berliner von Fluglärm entlasten.

Erleichterung über den Bescheid war nicht nur bei der regionalen Wirtschaft zu spüren. Die Fluggesellschaften hatten dem langen Hin und Her um den Standort und der letztlich geplatzten Suche nach Privat-Investoren ebenfalls ungeduldig zugesehen. "Das ist ein Schritt nach vorn, auf den wir lange gewartet haben", heißt es bei der Lufthansa. Endlich werde die Hauptstadt mit einem einzigen modernen Flughafen zu einem Standort, an dem Umsteigeflüge angeboten werden könnten. Ob der BBI gleich auch direkte Linienflüge nach Übersee anziehen wird, wie es sich Wirtschaft und Tourismus seit langem wünschen, steht allerdings in den Sternen.

Attraktiv für Frachtflieger

Gravierende Beschränkungen für den eigentlichen Flugbetrieb müssen die Airlines aus dem Genehmigungsbeschluss jedenfalls nicht fürchten. Auch nachts sollen Maschinen zu jeder Zeit starten und landen dürfen, entschieden die Prüfer. Nur so werde der BBI auch für Frachtflieger attraktiv, die besonders auf die Nachtstunden angewiesen sind. Zum Schutz der Anwohner wurde die Zeit zwischen 22.00 und 6.00 Uhr aber auf Flugzeuge beschränkt, die deutlich weniger Lärm machen als bisher zulässig - eine Vorgabe, die wegen des langen Vorlaufs bis 2010 kaum eine Fluggesellschaften schrecken dürfte.

Aufwendiger sind dagegen die Vorgaben, die der Beschluss dem Flughafen aufträgt. 42.000 Anwohner haben demnach Anspruch auf schalldämpfende Fenster oder andere Lärmschutzmaßnahmen. Die Behörde will außerdem darüber wachen, ob bei einer unerwarteten Zunahme der Nachtflüge weitere Auflagen nötig sein könnten. Als Ausgleich für zubetonierte Flächen muss der Flughafen in jedem Fall 34 Millionen Euro zahlen und 20.000 neue Bäume pflanzen.

Finanzierung immer noch unklar

Wie das eigentliche Vorhaben finanziert werden soll, konnten der Bund und die beiden Länder Berlin und Brandenburg unterdessen auch am Freitag noch nicht sagen. Bis zum Jahresende soll nun ein Konzept auf den Tisch, wie die Kosten von 1,7 Milliarden Euro aufgeteilt werden. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wies schon darauf hin, dass auch die Flughafengesellschaft selbst mit ins Boot müsse - schließlich werde sie bald mehr Geld in der Kasse haben, wenn der verlustbringende Flughafen Tempelhof im Herbst schließt.

Ausbaugegner zeigten sich derweil unverdrossen, das Vorhaben vor dem Bundesverwaltungsgericht doch noch kippen zu können. Rund 10.000 Klagewillige haben sich beim Bürgerverein Brandenburg-Berlin gemeldet. Die Entscheidung soll bis Anfang 2006 fallen.

Sascha Meyer, dpa DPA

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