Berliner Flughafenprojekt Verspätete erste Spatenstiche

Nach zwölf Jahren Pannen und Protesten werden die ersten Spatenstiche für den neuen Berliner Hauptflughafen gesetzt. Streit um den Standort, Chaos bei der Finanzierung und Klagen der Anwohner hatten das Projekt verzögert.

Zuletzt hatten noch einmal die Billigflieger Front gemacht: In der vergangenen Woche forderten easyJet und Co. Änderungen an den Planungen des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI), weil sie ihre Bedürfnisse zu wenig berücksichtigt sahen. Für neue Entwürfe aber dürfte es nun zu spät sein. Nach mehr als zwölfjährigen Vorarbeiten soll am Dienstag der erste Spatenstich für das umstrittene Milliardenprojekt gesetzt werden.

Genauer gesagt werden es drei Spatenstiche sein, denn mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, dem Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit wollen sich gleich drei SPD-Politiker als Väter des Prestigeprojektes verewigt sehen. Für Wowereit ist der Termin knapp zwei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl zudem eine gute Gelegenheit, sich als erfolgreicher Regierender Bürgermeister darzustellen.

Pleiten, Pannen und Proteste

Dabei war das Projekt jahrelang eine einzige Abfolge von Pleiten, Pannen, und Protesten. Nach den ersten Plänen aus den Anfängen der neunziger Jahre sollte der BBI bereits 2004 als internationales Luftkreuz für 60 Millionen Passagiere pro Jahr in Betrieb gehen. Nach der Wiedervereinigung hatten Experten darauf verwiesen, dass die Aufteilung der Flugbewegungen auf die Airports Schönefeld im Ostteil sowie Tegel und Tempelhof im Westen die Entwicklung des Berliner Luftverkehrs behindern würden.

Doch im Laufe der Zeit sind die hochfliegenden Visionen von einer kräftig boomenden und ständig wachsenden Hauptstadt abgestürzt und haben auch die Dimensionen des neuen Airports deutlich schrumpfen lassen. Entstehen soll nun ein neues Abfertigungsgebäude für noch 22 Millionen Passagiere im Jahr, eine zweite Start- und Landebahn soll angelegt und die bestehende verlängert werden. Außerdem ist ein unterirdischer ICE-Bahnhof geplant.

Private Regie im Keim erstickt

Für den Neubau waren zunächst drei Standorte in die engere Wahl gekommen: Ein brachliegender Militärflughafen in Sperenberg etwa 70 Kilometer südlich von Berlin, ein ähnliches Gelände in Jüterbog noch weiter von der Stadt entfernt, sowie Schönefeld direkt am Stadtrand. Bei einem Raumordnungsverfahren schnitten 1994 Sperenberg und Jüterbog gleichwertig ab, den alten DDR-Terminals dagegen attestierten die Fachleute damals erhebliche Nachteile.

Trotzdem fiel die Wahl 1996 auf das mit der Berliner S-Bahn erreichbare Schönefeld. Weil schon damals die öffentlichen Kassen knapp waren, sollte der Flughafen - erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik - unter rein privater Regie gebaut und betrieben werden. Doch zunächst kassierte das Brandenburger Oberlandesgericht 1999 die Auftragsvergabe an ein Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief. Die Richter sahen den Konkurrenten um die Bonner IVG-Holding im Bieterverfahren benachteiligt.

Anwohner erheben Einwände

Daraufhin schlossen sich die früheren Gegner zusammen, waren nunmehr die einzigen Interessenten - und nutzten ihr Monopol als Druckmittel. Sie verlangten, die erheblichen Risiken des Projektes bei der öffentlichen Hand zu belassen, weshalb Berlin, Brandenburg und der Bund das Experiment 2003 abbrachen. Stattdessen entschieden die Landesregierungen sowie der damalige Bundesbauminister Manfred Stolpe, den Airport doch mit öffentlichem Geld zu bauen. Die Querelen aber waren nicht zu Ende.

Angesichts des zu erwartenden Fluglärms hatten Anwohner schon Jahre zuvor eine Bürgerinitiative gegen das Mammutprojekt gegründet. Im Planfeststellungsverfahren brachten 134.000 Bürger Einwände vor. Erst im März dieses Jahres wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Klagen gegen die im August 2004 erlassene Baugenehmigung zurück und gab grünes Licht für das Projekt. Mittlerweile haben einige Anwohner Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt - den symbolischen Baubeginn aber kann dies nicht mehr stoppen.

Sven Kästner/AP AP

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