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Wie in der Grundschule: Malen und Basteln: 52-Jähriger fühlt sich von Jobcenter gedemütigt

Bei der Check-up-Maßnahme in einem Berufsbildungszentrum in Hannover sollte ein 52-Jähriger unter anderem einen Weihnachtsmann ausmalen und Kindermotive ausschneiden. Der Mann reagierte empört, ein Sprecher des Jobcenters kann die Aufregung nicht verstehen.

Jobcenter - Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit und ihre Jobcenter stehen schon lange in der Kritik für ihren Umgang mit Arbeitssuchenden. Dieses Mal wird jedoch die Zählung der Arbeitslosen kritisiert. 115.000 Arbeitslose wurden statistisch nicht erfasst. 

DPA

Der Arbeitssuchende Ralf Stork wurde bei einer Qualifizierungsmaßnahme in einem Jobcenter in Hannover nach eigenen Angaben mit Bastel- und Malbildern auf Grundschulniveau beschäftigt. Das berichtet die "Hannoversche Allgemeine", die mit dem 52-Jährigen gesprochen hat.

Stork sollte bei einem Check-up im Stephansstift Berufsbildungszentrum Hannover offenbar Ausmalvorlagen mit dem Bild des Weihnachtsmannes mitsamt Geschenken bearbeiten. Dazu sollte er ein Blumenmännchen ausschneiden und mithilfe einer Bastelanleitung eine Papierbrücke bauen. 

Ralf Stork ist 52 Jahre alt und leidet unter anderem unter Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule und Schwindelgefühlen - arbeiten wolle er aber "unbedingt". Dass er dafür auf Grundschulniveau Malen und Basteln sollte, findet er demütigend: „Warum soll ein Mensch mit 52 Jahren mit gesundheitlichen Einschränkungen solche Bilder ausmalen?", fragte er in der "Hannoverschen Allgemeinen". Vor zehn Jahren habe er das letzte Mal solche Mal- und Bastelaufgaben bearbeitet – mit seiner damals siebenjährigen Tochter. Vor seiner Arbeitslosigkeit war Stork laut "HAZ" unter anderem als Geräteführer im Tiefbau, Schweißer, Putzer, Lagerarbeiter, Inventurhelfer und Regalbestücker tätig.

Was das Jobcenter zu den Vorwürfen sagt

Ein Sprecher des Jobcenters Hannover wies Storks Kritik zurück. Ihm sei kein Fortbildungsmaßnahme bekannt, in der Material aus dem Kindergarten- oder Grundschulbereich verwendet werde. Er betonte gegenüber der "HAZ", dass bei der Maßnahme "Check-up" Kompetenzen wie selbstständiges Arbeiten, Konzentrationsfähigkeit oder Fein- und Grobmotorik geprüft würden. Sollten einzelne Testaufgaben die Teilnehmer an Materialien aus Kindergarten oder Grundschulen erinnern, so verfolgten sie doch einen völlig anderen Zweck. Beim Augenarzt oder Optiker müsse man bei der Untersuchung manchmal auch Buchstaben vorlesen, sagte der Sprecher weiter.

Die Maßnahme "Check-up" diene dazu, herauszufinden, was die körperlich, seelisch oder von der Lernfähigkeit eingeschränkten Menschen beruflich noch machen könnten, betonte eine Sprecherin der zuständigen Dachstiftung Diakonie. Viele der Teilnehmer seien schon lange arbeitssuchend. Für viele sei die zielgerichtete Recherche im Internet sehr ungewohnt, die Konzentrationsfähigkeit lasse oft schnell nach. "Da ist das Ausmalen von Mandalas und anderen Bildern eine anerkannte Methode, um zu entspannen", meint die Sprecherin der Diakonie. Ausschneide-Übungen oder Feinmotorische Übungen wie der Bau einer Brücke aus Pappe seien Kreativtechniken, die selbst in Bauingenieurs-Studiengängen angewendet würden.

Stork fühlt sich erniedrigt

Stork kann das nicht verstehen und nennt die Übungen eine "pure Erniedrigung". Er ist sich sicher, dass man sinnvollere Arbeiten für ihn hätte finden können. Der Familienvater wies auch auf einen Fall von vor wenigen Tagen hin, bei dem eine junge Frau die Materialien des Besuches ihrer Mutter beim Jobcenter auf Twitter öffentlich machte. Darauf zu sehen: Ein Arbeitsblatt, bei dem die Arbeitssuchenden entscheiden sollen, ob man Wörter mit "z" oder "tz" schreibt. Die Tochter bezeichnete dies als "pure Erniedrigung erwachsener, intelligenter Menschen".

Quellen: "Hannoversche Allgemeine Zeitung", "Huffington Post" 

Twitter-Screenshot des Hartz-IV-Arbeitspapiers
wlk