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Umweltexperten erklären: Deswegen werden die größten Restaurantketten der Welt jetzt umweltbewusster

McDonald's eröffnete testweise einen nachhaltigen Store, Starbucks macht den Kaffee im Mehrwegbecher günstiger, Subway beruft sich auf umweltfreundliche Geschäftspraktiken. Die weltweit größten Restaurantketten setzen auf Nachhaltigkeit. Was ist davon zu halten? 

Von Annina Metz

Ein Tablett voller Müll: Das Ergebnis eines Vor-Ort-Verzehrs bei McDonald's.

Ein Tablett voller Müll: Das Ergebnis eines Vor-Ort-Verzehrs bei McDonald's.

DPA / Picture Alliance

Wenn der Starbucks-Kaffeebecher über den Tresen gereicht wird, ärgern sich viele über den nicht selten falsch geschriebenen Namen, nicht aber über den Müll, den der Becher verursacht. Geschicktes Ablenkungsmanöver? Dass Starbucks seine Mitarbeiter anhält, die Namen der Kunden falsch zu schreiben, soll eine Marketingstrategie sein. Ob mithilfe dieses Tricks auch der Faktor Umweltverschmutzung verschleiert werden soll? Möglich. Fakt ist aber: Die Wegwerfbecher sind ein Problem. Etwa drei Milliarden Becher werden allein in Deutschland jährlich verbraucht, das Recyclen ist wegen der Kunststoffbeschichtung problematisch.

Wer einen Becher mitbringt, bekommt den Starbucks-Kaffee billiger

Das weiß auch Starbucks. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben bemüht, den Müll in den eigenen Filialen "in beträchtlichem Umfang zu reduzieren". Mit mäßigem Erfolg: Jedes Jahr wandern gut sechs Milliarden Wegwerfbecher über die Theke des größten Kaffeehauses der Welt. Ein erster Schritt: Kunden, die ihr eigenes Gefäß mitbringen, müssen nicht den vollen Preis bezahlen. 30 Cent ist Starbucks das nachhaltige Handeln wert. 

Subway, die weltweit größte Restaurantkette , bietet kein ähnliches System an, versichert auf der eigenen Website, dass die Umweltbelastung so gering wie möglich gehalten werden soll. Der Profit nicht: "Wir sind überzeugt, dass soziale und umweltfreundliche Geschäftspraktiken dazu beitragen, die Profitabilität unserer Franchisepartner zu steigern, das Subway-Erlebnis unserer Gäste zu verbessern und unsere Erde zu schützen." 

Profit vor Umweltschutz

Dafür arbeitet der Konzern zusammen mit IPC Europe, einem zu Subway gehörenden Non-Profit-Unternehmen, und versucht sich auf "Energieeffizienz, Wasser- und Ressourcenschutz, Abfallreduktion und nachhaltiges und ethisches Beschaffungswesen und Supply Chain Management [zu] konzentrieren." Auf der Website von IPC Europe wird schnell klar, warum es die Organisation gibt: "Das Unternehmen wurde 2001 von einigen Franchisepartnern gegründet, um von den Vorteilen durch einen gemeinsamen Einkauf zu profitieren [...]." IPC Europe bringe den Franchisepartnern sowohl finanzielle Vorteile als auch bessere Konditionen bei den Einkaufsaktivitäten. Von Umwelt- und Ressourcenschutz ist hier keine Rede mehr. Von Müll-Reduzierung auch nicht. Wie Marc van der Lee, Regional PR & CSR Director Subway Europe dem stern mitteilte, plane das Unternehmen jedoch ab November eine Kampagne, die die Gäste der Restaurants dazu anhalten soll, auf Plastikprodukte zu verzichten. Parallel dazu arbeite Subway weiter an "umweltfreundlicheren Alternativen". 

Für Philipp Sommer, stellvertretender Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, nichts Neues: "Der Konzern handelt nur aus einer betriebswirtschaftlichen Sichtweise. Wenn in Ländern die passende Gesetzgebung fehlt und der Verbraucher den Umweltschutz nicht thematisiert, dann ist es extrem unwahrscheinlich, dass die Konzerne Veränderungen aus eigenen Stücken anstoßen." 

McDonald's testete umweltfreundlichere Filiale

So auch bei McDonald's Pilotprojekt "Better M Store". Im Juni eröffnete der Konzern eine Filiale in Berlin, die zehn Tage lang Verpackungsalternativen testete. Dort wurden Ketchup in essbaren Waffeln serviert, Holz- anstatt Plastiklöffel verteilt und Papierdeckel statt Plastikaufsätze genutzt. Zudem konnten Kunden aktiv über ein McDonald's der Zukunft diskutieren. 

Der Testlauf soll nun die Basis für weitere Entwicklungen in Sachen Nachhaltigkeit sein. Wie das Unternehmen auf seinem "Change-Blog" bekannt gibt, ist die erste Konsequenz eine neue Verpackung des berühmten McFlurry-Eis. Auch die Milchshakes sollen in naher Zukunft im Pappbecher serviert werden, an einer Verbesserung des Papierstrohhalms werde ebenfalls gearbeitet. Allein durch die Verpackungsumstellung bei den Desserts kann McDonald's nach eigenen Angaben 1000 Tonnen Plastik einsparen. Bis 2025 soll das auf alle Produkte der Marke ausgeweitet werden, dann sollen alle Verpackungsmaterialien aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen stammen.

So weit, so vorbildlich. Katharina Istel, Referentin Ressourcenpolitik beim Naturschutzbund Deutschland, ist von dem neuen Konzept nicht überzeugt. Sie sieht das Problem bei Weitem nicht nur bei der Verpackung, sondern vor allem bei dem Einweg-Gedanken an sich. "Anstatt klassische und innovative Mehrweg-Angebote zu machen, wird einfach nur von Einweg-Kunststoff auf (beschichtetes) Einweg-Papier umgestellt. Das macht es ja nicht besser, die Papierproduktion ist keine umweltfreundliche Alternative", so Istel gegenüber stern. Weil der Druck auf die Wälder schon jetzt zu groß sei, könne man es sich nicht leisten, das frische Holz für Einweg-Verpackungen zu nutzen. Generell müssen die Konzerne laut Istel von ihrem Geschäftsmodell loskommen, tun sie das nicht, so bleiben sie weiter "Müllproduktionsmaschinen".

Mehrweg-Geschirr als einziger Ausweg

Sie sieht nur eine Möglichkeit, die Restaurantketten nachhaltig zu machen: Ein komplettes Umdenken beim Thema Geschirr: "Es geht ja hier gar nicht nur um To-Go-Abfälle, sondern auch um den Vor-Ort-Verzehr. Durch günstigen Kunststoff und billige Verpackungen wird immer öfter auf Einweg eingesetzt, obwohl die Kunden in der Filiale konsumieren. Da muss die Branche einen U-Turn machen." 

Holger Beecks, Chef von McDonald's Deutschland, erklärt im Interview mit dem Tagesspiegel, warum das nicht so einfach umzusetzen ist: Porzellangeschirr nehme zu viel Platz weg und mache die Prozesse in der Filiale langsamer. 

Ein Mensch steckt sich etwas, dass aussieht, wie eine Kreditkarte, in die Hosentasche.

Boykott der Ketten als Druckmittel

Damit die Konzerne konsequent nachhaltig handeln, muss laut den Experten aber Druck von Seiten der Verbraucher und der Politik erzeugt werden. Philipp Sommer weiß, wie dieser aussehen kann: "Man kann Nachrichten an McDonald’s schreiben oder sich direkt in der Filiale beschweren. Dieses direkte Kundenfeedback übt großen Druck aus." Auch ein Boykott der Kette könne etwas bewirken, denn nur die Sorge vor finanziellen Einbußen oder Strafzahlungen bewege McDonald's, Starbucks und Co. zum Handeln.

Die Ketten stellen sich übrigens nicht aus eigenem Antrieb um: Der Gesetzgeber zwingt sie per EU-Verordnung ab 2021 auf zahlreiche Einweg-Plastikprodukte zu verzichten. Strohhalme aus Pappe oder Glas sind dann keine nachhaltige Alternative mehr, sondern der gesetzliche Standard. Katharina Istel führt zudem den öffentlichen Druck auf die Ketten an: "Durch die Bilder vom Plastikmüll im Meer ist die Öffentlichkeit aufgeschreckt, das Thema Abfall und Verpackungen ist viel präsenter in den Medien." Die Menschen beschäftigen sich, so Istel, heute mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit als zuvor gedacht. Diese Umweltbestrebungen zu ignorieren ist daher unmöglich – auch für die größten Restaurantketten der Welt. 

Quellen: Deutsche Umwelthilfe, Naturschutzbund Deutschland, McDonald's, Starbucks, Subway, Zeit, FAZ

Nach Veröffentlichung des Artikels wies Subway auf die im November startende Aktion hin, mit der "ein Zeichen für Nachhaltigkeit und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und die Produktion von Abfällen" gesetzt werden soll. Die Information wurde nachträglich im Artikel ergänzt.