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Musikbranche: Küblböck und Leandros müssen zittern

Bertelsmann siebt Ladenhüter aus und hat Daniel Küblböck, Vicky Leandros und über 100 weitere Sänger auf den Prüfstand gestellt. Bereits gekündigt wurden Udo Lindenberg und "Superstar"-Juliette Schoppmann.

Die BMG sortiert ihre Künstlerkartei aus und hat schon diverse Verträge gekündigt, "die kein Weiterentwicklungspotenzial haben", teilte die Bertelsmann Music Group am Donnerstag in München mit. Die Ladenhüter hätten BMG Deutschland enorme Verluste beschert, erklärte BMG-Präsident Maarten Steinkamp.

Dadurch erster Gewinn seit fünf Jahren

Seit Januar seien rund 90 Verträge ausgelaufen oder geändert worden. Viele Künstler hätten jetzt nur noch Optionen oder Distributionsverträge. Die Bereinigung, zu der auch die Trennung von vielen Platten-Labels gehörte, habe BMG Deutschland im ersten Halbjahr den ersten Gewinn nach fünf Jahren beschert. Umsatz und Marktanteil seien zwar gesunken - aber das Ergebnis sei endlich wieder "tiefschwarz", sagte Steinkamp.

BMG Deutschland habe im vergangenen Jahr "zu viele schwach verkaufte Platten" produziert und damit "viel Geld verloren". Vor allem bei Popmusik, aber auch bei deutschen Schlagern, Rock und Comedy seien viele Platten weniger als 50.000 Mal verkauft worden. Als Erfolgsmotoren präsentierte Steinkamp dagegen die US-Stars Usher und Dido, deren Alben sich über sieben Millionen Mal verkauften. Aber auch die Erfurter Popsängerin Yvonne Catterfeld, die deutsche Rockband Oomph!, die Schlagersängerin Andrea Berg oder "Superstar"-Teilnehmer Alexander Klaws stürmten die Charts in Deutschland. Der Oomph-Hit "Augen auf" zum Beispiel wurde im ersten Halbjahr 200.000 Mal verkauft, Bergs "Best-of"-Album kam auf insgesamt eine Million Exemplare.

Gesucht: Yvonne Catterfelds Gegenstück

BMG suche jetzt neue Künstler mit Potenzial, mit denen sich eine langfristige Karriere aufbauen lasse. Zum Beispiel fehle "ein männliches Gegenstück zu Yvonne Catterfeld" im Hause, sagte Steinkamp. Es gehe nicht um Hochkultur, sondern darum, "was den Kunden anspricht", erklärte BMG-Manager Jörg Hellwig: "Es muss ja irgendwo auch Profit erwirtschaftet werden." Einige Altstars hätten lange zu viel Marketingfläche blockiert.

Künftig will sich BMG mit der Marke Ariola in München auf Schlager und Volksmusik konzentrieren, mit Hansa in Berlin auf Pop und mit Gun in Bochum auf Rockmusik. BMG wolle weiterhin alle Genres, alle Altersgrupen und alle Plattformen bedienen, betonte Steinkamp. (AP)

DPA