Nach der Pleite Warten auf den Urlaub

"Hätten die nicht einen Tag später Pleite machen können?" - die Aero Lloyd-Insolvenz überraschte Passagiere, die heute mit der Fluggesellschaft fliegen wollten. Stattdessen heißt es warten und frühstücken.

Dem jungen Paar aus Schleswig-Holstein steht die Müdigkeit noch im Gesicht. "Hätten die nicht einen Tag später Pleite machen können?" So denken viele der gut 80 Reisenden im Terminal 1 des Hamburger Flughafens am Donnerstagmorgen. Sie sitzen auf ihren gepackten Koffern und Taschen und warten darauf, wie es weiter geht. Alle haben ein Ticket für den Aero Lloyd-Flug 4258 von Hamburg nach Hurghada in Ägypten in der Tasche. Doch nach der Insolvenz hat die Gesellschaft ihren Flugbetrieb am Morgen eingestellt.

Ein junger Mann aus Bielefeld erfuhr davon beim Bustransfer zum Flughafen. "Ich zeigte dem Busfahrer mein Flugticket und er sagte, Aero Lloyd sei seit zwei Stunden pleite." Seit 30 Stunden auf den Beinen und noch eine Erkältung in den Knochen, hatte er sich auf den zweiwöchigen Urlaub in Ägypten gefreut. Er wollte zum Tauchen ans Rote Meer - doch daraus wird vorerst nichts. "Uns wurde gesagt, dass wir einfach warten sollen. Angeblich sollen wir mit einer anderen Gesellschaft fliegen können."

Erstmal gibt's Frühstücks-Gutscheine

Nicht die Fluggesellschaft, sondern die Reiseveranstalter müssen für Ersatz sorgen. Sechs Passagiere seien noch mit einem anderen Flug nach Luxor gekommen, erzählt eine Flughafenmitarbeiterin an der Information. An den Schaltern von Öger Tours und TUI wird eifrig nach Ersatzplätzen in anderen Flügen gefahndet. Mache Passagiere müssen dafür jedoch erst nach Hannover, Berlin oder Düsseldorf gebracht werden. Als erste Sofortmaßnahme gibt es zumindest Frühstücks-Gutscheine.

Ein Seniorenpaar aus Hamburg bleibt gelassen: "Wir müssen nicht mehr arbeiten, uns geht hier kein Urlaubstag verloren." Eine andere Reisende erzählt, beim Vorabend-Check-In hätte man sie nach ihrer Telefonnummer gefragt. "Das hat mich sehr stutzig gemacht. Und nun weiß ich warum."

Auch das Paar aus Schleswig-Holstein zeigt noch keinen Frust, trotz Zeitdruck. Sie haben eine Kreuzfahrt auf dem Nil gebucht. "Morgen soll es losgehen. Ich bin sicher, dass wir das noch schaffen."

Draußen auf dem Flugfeld herrscht derweil reger Betrieb. Im Minutentakt starten und landen die Linien- und Ferienflieger, rollen Kofferwagen und Tankfahrzeuge zu den Maschinen. Nur ein Airbus, abgestellt am Rande des Flugfeldes, scheint nicht dazu zu gehören: Aero Lloyd-Flug 4258 bleibt am Boden.

Claus Hesseling DPA

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