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Airbus-Krise: Der A320 soll bleiben, der A350 gehen

Während sich Angela Merkel und Jacques Chirac wegen des Airbus-Streits treffen, schlägt Konzernchef Louis Gallois einen Kompromiss vor: Danach könnte die Produktion des neuen A350 nach Frankreich gehen, dafür bekommt Deutschland den A320.

Im Streit über die künftige Lastenverteilung beim angeschlagenen europäischen Flugzeugbauer Airbus liegt vor dem deutsch-französischen Spitzentreffen am Freitag offenbar ein Kompromissangebot auf dem Tisch. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Gewerkschaftsvertreter erfuhr, will Airbus-Chef Louis Gallois Deutschland einen größeren Anteil an der Arbeit für die nächste Generation des Modells A320 geben. Dafür solle die Bundesrepublik umgekehrt auf ihre Forderung nach mehr Arbeit an dem Modell A350 verzichten, hieß es. Die Forderungen der Deutschen beim A350 hätte das Ende von zwei französischen Werken bedeutet, sagte der Gewerkschaftsvertreter, der anonym bleiben wollte.

Im wochenlangen Ringen zwischen den Airbus-Standorten Frankreich und Deutschland über Einschnitte verdichten sich die Anzeichen für einen Verkauf von deutschen Werken. Zeitungsberichten zufolge soll der defizitäre Flugzeugbauer die Trennung von den niedersächsischen Standorten Varel und Nordenham mit zusammen rund 3500 Mitarbeitern planen. Einschließlich von Angestellten in der Zentralverwaltung seien in Deutschland 3700 Beschäftigte betroffen.

1500 Jobs könnten betroffen sein

Auch die Werke Buxtehude in Niedersachsen und Laupheim in Baden-Württemberg mit zusammen 1500 Mitarbeitern sollen auf der Verkaufsliste stehen. Die Gewerkschaften befürchten den Verlust von bis zu 8000 der 23.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Der "Neuen Presse" zufolge gibt es dagegen eine Bestandsgarantie für die norddeutschen Werke in Stade, Hamburg und Bremen mit insgesamt knapp 18.000 Beschäftigten.

Bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in Hamburg machte Merkel deutlich, dass sich ihre Regierung weiter gemeinsam mit den betroffenen Bundesländern für die deutschen Interessen bei EADS einsetzen werde. Merkel machte aber keine Aussagen über ein mögliches Kompromissangebot. Nach EADS-Angaben will der Verwaltungsrat Ende des Monats offiziell über die künftige Lastenverteilung entscheiden. Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac wollten die mögliche Kompromisslösung bei ihrem Treffen im brandenburgischen Meseberg diskutieren.

Der Chef des Bremer Instituts für Arbeit und Wirtschaft, Rudolf Hickel, macht für die Airbus-Krise die deutschen Top-Manager verantwortlich. Der "Thüringer Allgemeinen" sagte er in diesem Fall sei dies "sehr, sehr ärgerlich". So habe man mit dem Airbus 380 den Konkurrenten Boeing abgehängt, "aber dann hat die Koordination im Unternehmen völlig versagt".

Allerdings sei Airbus kein Einzelfall, "es gab da eine Reihe prominenter Fälle in letzter Zeit", wie Daimler mit Mitsubishi und Chrysler, die Deutsche Bank mit ihrer Bank 24 und Siemens mit BenQ, zitierte das Blatt Hickel. Die Schäden durch diese Fehler hätten "viele, viele Milliarden" gekostet. Grund sei die "mangelnde Kommunikationsfähigkeit in vielen Unternehmen". Es gebe allerdings auch positive Beispiele: "Beispielsweise die Allianz, die die Übernahme der Dresdner Bank meisterte. Oder ThyssenKrupp, die sich erfolgreich neu aufstellten", so Hickel.