Airbus-Krise Regierung will Klarheit bei EADS-Aktienpaket


DaimlerChrysler bleibt dabei, sich von seinen Anteilen am schwächelnden Luftfahrtkonzern EADS trennen zu wollen - die Frage ist nur: wann? Denn davon hängt auch ein eventueller Einstieg der deutschen Regierung als Aktionär ab.

Die Bundesregierung will rasch Klarheit schaffen, wie sie die drohende Schwächung der deutschen Position beim krisengeplagten Luftfahrtkonzern EADS vermeiden will. Allen Beteiligten sei klar, "dass wir in den nächsten Tagen, in nächster Zeit, zu Verabredungen kommen müssen", sagte am Montag Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Die Überlegungen der Regierung gingen in unterschiedliche Richtungen. Keine Eile hat offenbar DaimlerChrysler, deren geplanter Verkauf von EADS-Anteilen ein Grund für die Diskussionen in Berlin ist. "Wir haben nie etwas zum Zeitplan für den Verkauf eines weiteren 7,5-Prozent-Anteils gesagt", sagte ein Firmensprecher. "Dabei bleibt es auch." Wünsche aus der Politik - wie von Wirtschaftsminister Michael Glos - auf den Verkauf zu verzichten, trafen in dem Konzern auf taube Ohren.

Staatsbeteiligung oder deutsche Investoren

In der Bundesregierung wird sowohl an die Möglichkeit einer EADS-Staatsbeteiligung durch Ankauf des 7,5-Prozent-Anteils von DaimlerChrysler gedacht, als auch nach deutschen privaten Investoren gesucht. Wilhelm machte deutlich, Ziel aller Überlegungen sei, "dass wir hier von einem Gleichgewicht, einer Balance zwischen Deutschland und Frankreich ausgehen". Würden EADS-Aktien von DaimlerChrysler nicht von deutschen Investoren erworben, wäre die Balance innerhalb des Luft- und Raumfahrtkonzerns erschüttert. Das Vorgehen der Regierung wird koordiniert von einer Staatssekretärsrunde unter Leitung des Chef-Wirtschaftsberaters von Kanzlerin Angela Merkel, Jens Weidmann. "Wir werden in den nächsten Tagen, denke ich, hier weiter gut vorangekommen", sagte Wilhelm voraus.

Glos sagte, er hielte es für das beste, wenn DaimlerChrysler entgegen seinen Plänen den 22,5-prozentigen Anteil an EADS nicht reduzieren würde. Er werde aber am Montag nicht mit Vertretern des Autobauers sprechen, wies er anders lautende Darstellungen zurück. Bleibe der Autokonzern aber bei seiner Verkaufsabsicht, müssten Alternativen gefunden werden, sagte Glos. Er bestätigte, dass sein Haus dabei einen Einstieg deutscher Investoren im Auge habe. Eine Staatsbeteiligung sieht Glos hingegen skeptisch.

EADS wenig begeistert

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte dem TV-Sender n-tv, er würde ebenfalls eine privatwirtschaftliche Lösung vorziehen. Wenn sich die aber nicht finden lasse, sei der Weg über die KfW der richtige. Ähnlich äußerte sich Hessens Regierungschef Roland Koch in der "Financial Times Deutschland". Im Zweifel müsse sich der Staat ein Engagement offen halten. Derartige Überlegungen mit der Staatsbank KfW als Käufer des EADS-Anteils werden im Bundesfinanzministerium geprüft. Auch etliche Bundesländer stehen für eine Beteiligung bereit.

EADS-Co-Chef Thomas Enders hatte am Wochenende eine deutsche Staatsbeteiligung an seinem Unternehmen abgelehnt und von Hysterie in der deutschen Diskussion über sein Unternehmen gewarnt. Zugleich hatte er aber umfassende Veränderungen bei Airbus angekündigt, wobei auch Tabus angetastet würden. Ein DaimlerChrysler-Sprecher bekräftigte, es bleibe bei der Absicht des Konzerns, nach einem ersten Aktienverkauf im Frühjahr ein weiteres Aktienpaket von EADS verkaufen zu wollen. Allerdings will der Konzern seinen Anteil nicht unter 15 Prozent absinken lassen, um gemeinsam mit den französischen Anteilseignern weiterhin strategisch Einfluss auf den Konzern nehmen zu können. Ursprünglich hielt der Konzern 33 Prozent an EADS.

Die EADS-Aktie verlor bis zum Montagnachmittag gut ein Prozent an Wert. Seit Bekanntwerden der Lieferprobleme seiner Tochter Airbus für das neue Großraumflugzeug A 380 büßte das EADS-Papier gut ein Drittel ein.

Reuters Reuters

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