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Airbus-Sanierungsprogramm: Gewerkschaften drohen mit Streiks

Bei Airbus brennt die Luft: Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS stellt seinen Sanierungsplan "Power8" vor, angeblich sollen 10.000 Jobs gestrichen werden. Dies will die europäische Metallgewerkschaft nicht kampflos hinnehmen - in Frankreich legten Arbeiter bereits spontan die Arbeit nieder.

Nach Monaten der Verhandlungen und der Unklarheit wird endlich das weitreichende Sanierungsprogramm für den angeschlagenen europäischen Flugzeugbauer Airbus bekannt gegeben. Der Mutterkonzern EADS informiert die Arbeitnehmervertretungen von Airbus über das "Power8" genannte Sanierungsprogramm, Airbus gibt danach am Sitz in Toulouse Einzelheiten bekannt. Nach Medienberichten könnten europaweit fast 8.000 Stellen abgebaut werden, davon 3.500 in Deutschland und 4.200 in Frankreich. Außerdem will sich Airbus von insgesamt vier Werke, je zwei in Frankreich und in Niedersachsen, trennen.

Gewerkschaft fürchtet um 10.000 Jobs

Der Europäische Metallgewerkschaftsbund sieht sogar bis zu 10.000 Stellen durch das Sanierungsprogramm bei Airbus in Gefahr und hat starke Proteste angekündigt. Die Umstrukturierung werde massiv sein, sagte der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes, Peter Scherrer, am Vortag in Brüssel. Die Arbeitnehmervertreter sind gegen jegliche Art von Werksschließungen, Verkäufen und Stellenabbau. Sie planen einen europaweiten Protesttag an den Airbus-Standorten. Im bedrohten Werk Méaulte in Nordfrankreich legten die Airbus-Mitarbeiter bereits am Dienstag spontan die Arbeit nieder. Französische Gewerkschaften bei Airbus haben angekündigt, hart gegen Stellenabbau kämpfen zu wollen.

Nach langem Tauziehen steht der Sanierungsplan für den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus. Für den (heutigen) Mittwoch hat der Mutterkonzern EADS die offizielle Bekanntgabe der Details angekündigt. Der Verwaltungsrat von EADS hatte das Sparprogramm «Power 8» am Montag einstimmig gebilligt. Die Pläne für die Neuorganisation von Airbus sollten zunächst mit dem Europäischen Betriebsrat von Airbus und danach mit anderen Arbeitnehmervertretungen diskutiert werden und im Anschluss der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Hamburg soll Auslieferungszentrum des A380 bleiben

Was Verhandlungen und Nachverhandlungen ergeben haben, war bisher nur Spekulation. Nach jüngsten Medieninformationen soll Deutschland sich teilweise mit Forderungen durchgesetzt haben, Hamburg weiterhin ein Auslieferzentrum des Superjets A380 erhalten und laut "Power8" auch Teile der zukunftsweisenden A350-Produktion nach Deutschland gehen. Die Werke Varel und Nordenham sollen jedoch ausgegliedert werden.

Die Arbeitnehmer von Airbus wollen nach Gewerkschaftsangaben notfalls gegen den Abbau tausender Stellen bei dem europäischen Flugzeugbauer streiken. "Wenn es nötig ist, werden wir auch streiken", sagte der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB), Peter Scherrer, am Mittwoch im rbb. Er warnte das Unternehmen wenige Stunden vor der Bekanntgabe seines Sanierungsplanes erneut vor einem umfassenden Stellenabbau, wie er anzustehen scheint. "Ich glaube, das ist der Schritt in die falsche Richtung, dann Personal abzubauen", sagte er. Nach seinem Dafürhalten komme es darauf an, die Effizienz im Konzern zu erhöhen und bessere Managementstrukturen zu schaffen.

Notfalls wollen Gewerkschaften streiken

Scherrer bestätigte erneut die Zahl von bis zu 10.000 Stellen, die bei Airbus verloren gehen könnten. "Das sind die Signale, die wir empfangen haben an den einzelnen Standorten", antwortete er auf eine entsprechenden Frage. "Wir haben Signale, dass es eben auch viele Arbeitsplätze kostet." Nach seinen Informationen würden die deutschen und französischen Standorte dabei gleich behandelt. "Ich glaube schon, dass das ausgeglichen sein wird." Scherrer wandte sich auch gegen einen Personalabbau, weil bei Airbus die Auftragsbücher voll seien und die Kunden auf Auslieferungen drängten. "Dazu braucht man Menschen", mahnte er.

Komme es dennoch zu tausendfachen Stellenstreichungen, würden die Arbeitnehmer von Airbus und den Zulieferern darauf reagieren und europaweit dagegen Aktionen vornehmen. Dabei sei es nicht so, dass man unbedingt streiken wolle. Aber wenn es nötig werde, sei man dazu bereit.

Reuters / Reuters