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Airbus-Vorstellung: Ein Flieger für Europas Ego

Der neue Airbus A380 ist enthüllt worden - und sorgt bei europäischen Politikern für steigendes Selbstvertrauen: Angesichts dieses "großartigen Impulses" fordert Bundeskanzler Schröder eine selbstbewusste Haltung gegenüber den USA.

Im Streit mit den USA über milliardenschwere Subventionen für Boeing und Airbus hat Bundeskanzler Gerhard Schröder eine selbstbewusste Haltung der Europäer angemahnt. "Unser Europa ist immer noch in der Lage, großartige Impulse für die Moderne im 21. Jahrhundert zu geben", sagte er.

Der Erfolg von Airbus sei unter anderem dadurch möglich geworden, dass die beteiligten europäischen Staaten das Projekt finanziell unterstützt hätten, sagte Schröder bei der Vorstellung des weltgrößten Passagierflugzeuges A380 im französischen Toulouse. Dies sei stets in Übereinstimmung mit internationalen Abkommen, aber auch selbstbewusst geschehen. Wenn nun die Europäische Kommission die Verhandlungen mit den USA aufnehme, hoffe er, "dass dann die europäische Fahne hochgehalten wird, dass europäisches Interesse fair, aber selbstbewusst zum Ausdruck gebracht wird".

Die USA hatten 2004 einseitig die 1992 mit den Europäern geschlossene Vereinbarung über die Subventionsbeschränkung in der zivilen Luftfahrt aufgekündigt und Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. Die EU reagierte wegen der Unterstützung der US-Regierung für Boeing mit einer Gegenbeschwerde. Mittlerweile soll der Konflikt jedoch ohne die WTO auf dem Verhandlungsweg gelöst werden.

Blick nach Osten

Schröder forderte zugleich den Airbus-Mutterkonzern EADS auf, die Konsolidierung in der Luft- und Raumfahrtbranche voranzutreiben. "Ich würde mir wünschen, dass man bei EADS begreift, dass das Boot von EADS nicht voll ist", sagte der Bundeskanzler. In Europa gebe es Menschen, die ähnliche Träume verwirklichen wollten - etwa in Russland. Er wünsche sich, dass die hier ergriffenen Initiativen mit noch mehr Energie fortgeführt und neue Partnerschaften ermöglicht würden.

Den Erfolg in neuen Feldern suchen

Der französische Staatschef Jacques Chirac appellierte an die Europäer, den Erfolg von Airbus nun in neuen Feldern der Industrie und Wissenschaft zu suchen. Namentlich nannte er den Atomreaktor ITER, das Europäische Labor für Molekularbiologie in Heidelberg, die Satellitennavigation Galileo, die Medizintechnik und den künftigen Airbus A350. Frankreich gründe eine Agentur für Innovation in der Industrie und er hoffe, dass Europa sich diesem Schritt anschließe. An der Zeremonie nahmen auch die Regierungschefs von Großbritannien und Spanien, Tony Blair und José Luis Rodríguez Zapatero, teil

Mit seiner Monopolstellung im Markt soll der A380 den Europäern die Führung in der zivilen Luftfahrt sichern wie einst der Jumbo 747 für Boeing. Ob das gelingt, wird wesentlich von der Marktentwicklung abhängen. Mit 149 Bestellungen hat Airbus sein für Mitte 2005 angestrebtes Zwischenziel von 150 Verkäufen bereits fast erreicht. In Kürze wird ein Auftrag über fünf Maschinen aus China erwartet. Dazu hat Airbus dem Vernehmen nach bereits rund 90 Optionen in der Tasche. Airbus will bereits in drei Jahren die Gewinnschwelle mit dem Verkauf von 250 Maschinen erreichen.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters