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Aktienmarkt: Juncker nennt Börsenabsturz "irrational"

"Besorgt" hat sich die EU zur anhaltenden Krise an den internationalen Aktienmärkten geäußert. Das Fundament der Wirtschaft im Euro-Raum sei aber solide und ein globaler Börsencrash nicht in Sicht, hieß es aus Brüssel.

Die EU-Finanzminister verfolgen die Talfahrt an den Börsen mit Sorge und stemmen sich gegen Panik vor einer Rezession in den USA. Der Chef der Euro-Finanzminister Jean-Claude Juncker sagte am Dienstag vor Beginn eines Treffens mit seinen Amtskollegen in Brüssel, die Finanzmärkte reagierten derzeit irrational und folgten einem Herdentrieb. Doch sei nicht mit einem globalen Börsencrash zu rechnen. "Ich sehe dieses Risiko nicht." Europa und die Euro-Zone seien in einer deutlich besseren Verfassung als die US-Wirtschaft. Das betonte auch der slowenische EU-Ratsvorsitzende Andrej Bajuk. Allerdings räumte er ein: "Wir sind wirklich besorgt über die Situation."

Unterdessen ging nach dem Kurseinbruch in Tokio der Ausverkauf an den Börsen in Europa weiter. Der Dax lag zum Handelsstart fünf Prozent im Minus, erholte sich dann aber etwas. Händler erklärten, die Märkte bezweifelten, dass das milliardenschwere Konjunkturprogramm der US-Regierung ausreiche, um die weltgrößte Volkswirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

Konjunkturprogramm nicht notwendig

Die Finanzminister betonten, das Fundament der Wirtschaft im Euro-Raum sei solide. Nach dem Treffen der Euro-Gruppe am Montagabend hatte Juncker erklärt, ein Konjunkturprogramm nach US-Vorbild habe der Euro-Raum nicht nötig. Das Währungsgebiet habe sich von den USA wahrscheinlich abgekoppelt. "Die Amerikaner müssen auf eine ganz andere Situation reagieren als Europa." Dennoch seien die Finanzminister besorgt, dass es zu einer Rezession in den USA kommen könnte, die auch Bremsspuren in der Euro-Zone hinterlassen würde. Bislang rechnen sie damit, dass die Wirtschaft wegen der Kreditkrise in diesem Jahr etwas schwächer wächst als in den letzten beiden Jahren mit einer Rate knapp unter zwei Prozent.

Die US-Regierung hatte am Freitag ein Konjunkturpaket im Volumen von bis zu 150 Milliarden Dollar angekündigt, um eine Rezession zu verhindern. Die Lage in den Vereinigten Staaten verschlechtere sich weiterhin, sagte Juncker. "Wir hatten in den letzten Monaten nicht mit einer Rezession in den USA gerechnet - aber jetzt kann man das nicht mehr völlig ausschließen." Die US-Wirtschaft kämpft derzeit mit den Folgen der Krise am Immobilienmarkt, die zig Milliarden Verluste bei den Banken und teilweise auch einen Rückgang des Konsums nach sich gezogen hat.

Reuters / Reuters