HOME

ANALYSE: Tipps für private Aktienbesitzer

Nachdem in den vergangenen zwei Jahren Kleinanleger Federn lassen mussten, fragen sich viele: Welche Aktien sind jetzt die richtigen?

Ein Kleinanleger hat es mindestens bei einer Frage so schwer wie ein Millionär: Welche Aktien sind wohl die richtigen? In den vergangenen zwei Jahren haben viele Privatanleger Federn gelassen. Die erheblichen Kursverluste - ob am Neuen Markt oder selbst im vermeintlich sicheren DAX - haben viele Kleinaktionäre verschreckt.

Inzwischen sind einige Kurse aber so niedrig, dass sich so mancher fragt, ob sich ein Kauf oder Nachkauf vielleicht doch lohnt. »Generell ist es durchaus empfehlenswert, in Low-Phasen Aktien zu kaufen«, meint Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) aus München. »Die meisten Aktionäre kaufen gewöhnlich, wenn die Kurse steigen, weil sie sich von der Euphorie anstecken lassen«, erklärt er. Dabei macht antizyklisches Anlegen durchaus Sinn. Die Börse antizipiert die wirtschaftliche Entwicklung erfahrungsgemäß um ein halbes Jahr. Derzeit wird mit einem Ende der Wirtschaftsflaute gerechnet. »Also kann man annehmen, dass die Situation am Aktienmarkt bald wieder besser wird.«

Keine Voraussage möglich

Annehmen kann man das - aber die wirkliche Entwicklung kann eben keiner voraussagen. Diese Erfahrung haben gerade private Anleger gemacht, die Anfang 2000 den Versprechungen ihrer Bankberater und den Vorhersagen der Analysten vertraut haben. Sie verloren im Schnitt zwischen 30 und 50 Prozent ihres angelegten Vermögens. Viele haben sich deswegen ganz vom Thema Aktien verabschiedet. Nach einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt ist die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland von ihrem Höchststand in der ersten Hälfte des Jahres 2000 zum zweiten Halbjahr 2001 um fast 13 Prozent zurückgegangen.

Warten auf den Tiefstand

Die übrigen Aktienbesitzer peilen zum Teil die Tiefstände an, um diesmal wirklich günstig einzukaufen. Eine sichere Strategie, den tiefsten Kurspunkt zu erwischen, gibt es aber natürlich nicht. »Selbst wenn alle denken, dass der Boden erreicht ist, können sich die Werte noch einmal halbieren«, meint Markus Straub. Stephan Kühnlenz von der Stiftung Warentest in Berlin macht Kleinanlegern Mut: »Für die langfristige Geldinvestition gehören Aktien und Aktienfonds immer noch zu den renditestärksten Anlageformen«. Wer etwa über einen Zeitraum von zehn Jahren anlege, könne immer noch mit einem Gewinn von etwas unter zehn Prozent rechnen, schätzt der Verbraucherschützer. »Der Faktor Zeit gleicht aktuelle Schwankungen aus, vorausgesetzt man streut seine Aktien.«

Achtung beim Nachkauf

Das heißt, der Käufer sollte nicht alles auf ein Segment setzten. »Mindestens vier bis fünf Aktien aus verschiedenen Bereichen sollten es schon sein«, empfiehlt Kühnlenz. Markus Straub vom SdK warnt vor dem so genannten »Verbilligen«, also dem Nachkauf von Aktien, die man schon im Depot hat, wenn deren Kurse fallen. Da habe sich schon so mancher »tot-nachgekauft«. »Blindes Nachkaufen, wenn ein Kurs im freien Fall ist, ist eine gefährliche Strategie«, meint auch Stephan Kühnlenz. Dieser Ratschlag gilt vor allem für den Neuen Markt. Zwar verlocken gerade hier zahlreiche Pennystocks dazu, Schnäppchen zu machen, aber noch immer ist der Markt nicht ganz bereinigt. »Die Firmen können auch ewig dahindümpeln oder Pleite machen«, warnt Stephan Kühnlenz. Zwar sind einzelne Unternehmen vorzeigbar, meint Markus Straub, doch die extremen Schwankungen in diesem Segment erforderten eine gute Information der Anleger. Das gilt generell auch für den Bereich Hightech und Computer.

Auch im zukunftsträchtigen Bereich Biotech bezahlt man hohe Gewinnchancen mit dem Risiko Unberechenbarkeit. »Diese Unternehmen sind vor allem im Forschungsbereich tätig«, erklärt Markus Straub. »Da tun sich die selbst die Analysten schwer, Entwicklungen vorherzusagen.« Anders sieht das schon bei den Pharmaunternehmen aus, die etablierte Medikamente und Produkte herstellen. Aber auch die Pharma-Werte sind gegenüber den Standard- und Verbrauchertiteln risikoreicher, weil durch die Haftpflicht der Firmen der Kurs unvorhersehbar beeinflusst werden kann, wie bei Bayer auf Grund des Lipobay-Skandals.

Langfristig Konsumtitel

Als langfristige Anlage sind Konsum- und Standardwerte nach wie vor am meisten zu empfehlen. »Das sind etablierte Firmen, die es schon seit Jahrzehnten gibt und auch noch in zehn Jahren geben wird«, meint Straub. »Wer in diese Titel investiert, kann ruhig schlafen.«

Indexaktien bleiben interessant

Für besonders interessant hält Straub die so genannten Indexaktien, auch »Exchange Traded Funds« genannt. Indexaktien bilden das Börsenbarometer des DAX ab. Die Anteilswerte entsprechen einem Hundertstel des jeweiligen Indexstandes. »Investiert wird also in den Durchschnitt des deutschen Industriekapitals«, erklärt der Experte. »Wenn ein Aufschwung und damit ein Anstieg des Index zu erwarten ist, legen dementsprechend auch die Indexaktien zu.« Allerdings können Indexaktien natürlich nie besser als der Index abschneiden.

Gesunder Menschenverstand

Generell empfiehlt die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre den Privatanlegern, mehr dem eigenen gesunden Menschenverstand zu trauen, statt nur auf Analysten zu hören. »Wer zum Beispiel selbst gerne Coca Cola trinkt und sieht, dass viele andere Menschen das auch tun, der liegt mit dieser Aktie bestimmt nicht falsch.« Die Renditeerwartung der vergangenen drei Jahre müssten alle Anleger aber herunterschrauben. »Wer 1999 in die Börse eingestiegen ist und meint 30 Prozent Gewinn im Jahr sind normal, wird enttäuscht werden«, meint Straub. »Und wer im März 2000 in den Neuen Markt investiert hat, wird lange brauchen, um seine Verluste wett zu machen.«

Informationen:

Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz,

Tel.: 0211/66 97 01

Internet: http:/www.dsw-info.de

Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre

Tel.: 089/59 99 87 33

Internet: http://www.sdk.org/