Apple iPods Weiße Schale, harter Kern


Lässt Apple den MP3-Player iPod unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen produzieren? Vorwürfe gegen den taiwanischen Auftragsfertiger Hon Hai bescheren dem US-Konzern ein Imageproblem.
Von Martin Kühl

Sexy und cool, das ist das Image, das den Musik- und Videospieler iPod vom US-Hersteller Apple zum weltweiten Erfolgs-Gadget gemacht hat. Als ganz und gar uncool gilt bei den Käufern dagegen das Ausbeuten von Arbeitern in Niedriglohnländern. Deswegen hat Apple ein Problem.

Ein Teil der iPod-Produktion wird in China vom taiwanischen Konzern Hon Hai fremdgefertigt - in Fabriken, die nun wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen unter Beschuss geraten sind. Hon Hai versprach zuletzt, die Zahl der Arbeiter zu erhöhen und die Bedingungen zu verbessern. Es habe Befürchtungen gegeben, dass Apple auf andere Zulieferer ausweicht, um Kritik zu vermeiden, sagte Phil Chan vom Grand Cathay Securities Investment Trust in Taipeh der Agentur Bloomberg.

Auch bei ihrer Forderung gegen unliebsame Reporter, deren Bericht unangenehme Fragen ausgelöst hatte, sind die Taiwaner nun zurückgerudert, wollen nur noch eine symbolische Strafe von 1 Yuan, etwa 10 Cent. Die Klage fallen lassen wollen sie aber nicht. Es gehe darum, den "Namen von Hon Hai reinzuwaschen", so ein Sprecher.

Ein Artikel im englischen Boulevardblatt "Mail on Sunday" hatte im Juni den Anfang gemacht. Zwei Journalisten der "China Business News" aus Shanghai, die mit einem eigenen Text nachlegten, wurden kurz darauf von der Hon-Hai-Tochter Foxconn auf umgerechnet 3 Mio. Euro Schadensersatz verklagt. Es sei nichts dran an den Vorwürfen. Das Gericht fror daraufhin die Vermögenswerte der Reporter ein.

Für Apple wurde es nun erst recht ungemütlich. Firmenchef Steve Jobs, der seit dem Marktstart 2001 bislang über 50 Millionen iPods an den Kunden brachte, bekam statt dem gewohnten Applaus einen öffentlichen Brief der Pressefreiheitskämpfer von Reporter ohne Grenzen: Jobs möge sich bei seinen taiwanischen Fabrikanten für eine Rücknahme der Klage einsetzen.

Wird Apple das neue Nike?

Die Amerikaner schickten Prüfer ins beanstandete Werk, räumten dann ein, dass die Überstundenstatistik den Verhaltenskodex von Apple um 35 Prozent übersteige. Viele Arbeiter müssten dort mehr als 60 Stunden die Woche schuften.

Apple hat seit Beginn versucht, öffentliche Stellungnahmen so kurz wie möglich zu halten. Man regele das hinter den Kulissen. Die Firma weiß um die Brisanz des Themas. "Wird Apple das neue Nike?", fragt bereits Stephen Frost von der auf Arbeitsrecht spezialisierten Non-Profit-Firma CSR-Asia in Hongkong. Nachdem jahrzehntelang vor allem Textil-, Schuh- und Spielzeughersteller wegen angeblich inhumaner Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern attackiert wurden, rückten nun die Elektronikproduzenten stärker ins Visier, meint Frost. Nike sei lange bevorzugt angegriffen worden, weil die Firma als Marktführer im Rampenlicht gestanden habe. Folglich ist es nun die Story über den Elektro-Trendsetter Apple, die Wellen schlage, so Frost.

Deutsche Einzelhändler, darunter KarstadtQuelle, haben sich schon vor Jahren zusammengetan, um die Arbeitsbedingungen ihrer ausländischen Zulieferer, speziell in China, zu überprüfen. Die Zeit scheint reif für ähnliche Initiativen der Elektronikindustrie.


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