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Arbeitslosenzahlen gehen weiter zurück: Konjunktur belebt den Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen sank zwar nur um 4000, doch der Trend ist stabil: Der Arbeitsmarkt entspannt sich weiter. Die Betriebe stellen wieder ein. Bald wird die Drei-Millionen-Marke unterschritten.

Dank voller Auftragsbücher hat sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Spätsommer weiter entspannt. Wegen der Werks- und Sommerferien fiel der Rückgang allerdings weitaus moderater aus als in den Vormonaten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im August rund 3,18 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; dies wären lediglich 4000 weniger als im Juli, aber 283.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt damit unverändert bei 7,6 Prozent; vor einem Jahr hatte sie bei 8,3 Prozent gelegen.

"Die konjunkturelle Entwicklung hat die Situation am Arbeitsmarkt weiter verbessert", sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt in Nürnberg. Nach Abzug saisonaler Effekte sei die Zahl der Arbeitslosen im August sogar um 17.000 zurückgegangen. Diese Zahlen machten deutlich, dass sich der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt während der Ferienzeit fortgesetzt hat, betonten Bankenvolkswirte, die sogar von einem Rückgang um 20.000 ausgegangen waren. "Die Abkühlungstendenzen der Weltwirtschaft sind offenbar in Deutschland noch nicht angekommen", sagte Alexander Koch von der HypoVereinsbank in München.

Jeder dritte Job aus der Zeitarbeit

Laut der Bundesagentur hat die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht. "Die Arbeitskräftenachfrage hat sich vom krisenbedingten Einbruch erholt, die Betriebe signalisieren wieder deutlichen Einstellungsbedarf", teilte die Bundesagentur am Montag bei der Veröffentlichung ihres Beschäftigungsindex' BA-X mit. Der Indikator ist demnach im August um zwei Punkte auf 143 gestiegen; dies ist der höchste Wert seit August 2008.

Zu der schnellen Erholung habe vor allem die Zeitarbeit beigetragen: Gut jede dritte gemeldete Stelle komme derzeit aus der Zeitarbeit. "Aber auch in anderen Branchen wie im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Bausektor und im Gesundheits- und Sozialwesen werden zahlreiche Mitarbeiter gesucht", teilte die Bundesagentur mit. Teilweise gebe es schon wieder Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Die Kurzarbeit verliere weiter an Bedeutung. Im Juni arbeiteten noch etwa 406.000 Beschäftigte aus konjunkturellen Gründen kurz - 82.000 weniger als im vorigen Monat.

Gute Entwicklung wird sich abschwächen

Ob die Aufwärtsentwicklung auf dem Arbeitsmarkt im selben Tempo wie in den vergangenen Monaten weitergeht, bezweifeln die Bankenvolkswirte. "Das starke Wachstum im ersten Quartal war eine außergewöhnliche Entwicklung. Das kann sich so nicht wiederholen", urteilt etwa Rolf Schneider von der Allianz. Ähnlich sieht das auch sein Kollege Stephen Schneider von der Deutschen Bank: "Ich gehe davon aus, dass der Schwung demnächst nachlässt." Dennoch dürfte die Arbeitslosigkeit im Spätherbst unter die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke sinken.

Im Juli war die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der Bundesagentur um 39.000 auf 3.192.000 gestiegen. Das waren aber 271.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote hatte im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent zugenommen. Vor einem Jahr hatte sie bei 8,2 Prozent gelegen. Die Zahl der offenen Stellen lag im Juli mit 391.000 um 93.000 über dem Vorjahresniveau. Die Kurzarbeit, mit der Unternehmen monatelang Auftragsflauten überbrückten, war weiter deutlich zurückgegangen.

dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters