HOME

Arbeitsmarkt im Winter: Massenentlassungen bleiben aus

Die Zahl der Arbeitslosen wird nach Ansicht von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Experten im Winter steigen. Zu Massenentlassungen werde es aber wohl nicht kommen. Prekär ist die Lage allerdings in Deutschlands Schlüsselindustrien.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und Experten aus der Wirtschaft rechnen im Winter mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Massenentlassungen seien in den nächsten Monaten aber nicht zu befürchten, sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, der "Bild"-Zeitung. Der FDP-Politiker Brüderle vertrat im selben Blatt die Auffassung, in zwei bis drei Jahren werde die gröbste Krise überwunden sein.

"Wir sind noch im tiefen Tal, aber es geht langsam bergauf", wird der Minister zitiert. "Jetzt müssen wir Gas geben und so schnell wie möglich für Steuersenkungen sorgen", fügte Brüderle hinzu. Er sei zuversichtlich, "dass wir in zwei bis drei Jahren aus dem Gröbsten raus sind". Allerdings sei zu befürchten, dass die Zahl der Arbeitslosen im Lauf des Winters noch ansteigen werde.

Über die Zukunft des Opel-Konzerns äußerte sich der Bundeswirtschaftsminister verhalten zuversichtlich. "Opel baut hervorragende Autos", sagte Brüderle. Weltweit würden aber zu viele Autos gebaut, für die es keinen Markt gebe. "Opel muss die Chance bekommen, in einem fairen Wettbewerb mitzumachen. Das ist keine Garantie für die Zukunft, aber eine echte Chance", fügte der Minister hinzu.

Stellenabbau vor allem in der Automobilindustrie

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter nannte die Lage auf dem Arbeitsmarkt "deutlich besser als erwartet". Man könne sicher nicht von Entwarnung sprechen. Er rechne aber nicht mit Massenentlassungen in den Wintermonaten. Die Beschäftigungsentwicklung in den letzten drei Monaten habe gezeigt, dass sich die Finanzkrise nicht so massiv ausgewirkt habe wie erwartet. Daher sei die Prognose von durchschnittlich 4,5 Millionen Arbeitslosen für 2010 zu pessimistisch. "Es werden mindestens 200.000 bis 300.000 weniger sein", sagte Walter voraus.

Besonders angespannt bleibe die Lage jedoch in den Bereichen Auto, Zulieferer und Teile des Maschinenbaus. Dort sei angesichts der schlechten Auftragslage mit einer nennenswerten Zahl von Pleiten und einem deutlichen Belegschaftsabbau zu rechnen.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete über eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Danach könnte die Zahl der Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie bis 2013 um rund 110.000 bis 130.000 Stellen zurückgehen. Der Abbau von Arbeitsplätzen droht demnach bei Herstellern, Zulieferern, im Handel sowie im Service und in Werkstätten. Insgesamt werde die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie von heute 1,4 Millionen auf 1,27 bis 1,29 Millionen sinken.

AP / AP