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Nähkästchen des Silicon Valley Firmengeheimnisse aus erster Hand: Bei Blind erzählen Angestellte vieler Großkonzerne alles

Kollegen tauschen ein Geheimnis aus
Die meisten Unternehmen haben sogenannte Geheimhaltungsvereinbarungen – trotzdem plaudern Mitarbeiter:innen gerne über Internes.
© turk_stock_photographer / Getty Images
In Zeiten von Massenentlassungen und Firmenübernahmen wirrer Milliardäre brauchen Mitarbeiter:innen eine Plattform um sich auszutauschen. Blind bietet genau das – und ist öffentlich.

"Twitter war großartig, bis Elon kam", "Habt ihr euren Job bei Meta noch?" oder "Brauche ich als Amazon-Entwickler jetzt einen Anwalt?" – die Tech-Branche ist in Aufruhr und die ehemals schillernde Fassade des Silicon Valley bröckelt. Das Thema der Stunde sind Massenentlassungen. Zehntausende verlieren ihre Jobs, dabei ist es egal, ob man vorher bei Twitter, Meta oder Amazon einen hochbezahlten Job hatte.

Blind ist eine virtuelle Kaffeeküche

In einer solchen Situation hilft es, sich mit Betroffenen auszutauschen. Doch wie? Auf dem Flur hören andere zu, der Firmenchat wird überwacht und in den sozialen Netzwerken ist man leicht zu finden. Diese Lücke füllt Blind, das "Nähkästchen des Silicon Valley". Spätestens seit Elon Musk bei Twitter tagtäglich für Chaos sorgt, gewinnt diese Plattform weltweit an Bedeutung, auch wenn Blind in den USA schon weit verbreitet ist. Die App gibt es für iOS und Android, eine Webseite reicht oft schon für das Nötigste.

Denn neu ist Blind nicht – das koreanische Start-up wurde bereits 2013 gegründet und sorgte 2017 zuletzt für Aufsehen, als dort Vorwürfe sexueller Belästigung und Diskrimierung beim US-Fahrdienst Uber diskutiert worden sind und das Unternehmen Zugang zur App im firmeneigenen WLAN für alle Mitarbeitenden sperrte. 

Der Nutzerbasis tat das aber keinen Abbruch – im Gegenteil. "Business Insider" berichtet, dass über 60.000 Meta-Angestellte an Bord sind – also mehr als 70 Prozent. Entsprechend lebhaft ist der Austausch der Nutzer:innen, auch wenn man als außenstehende Person längst nicht alles sieht. Denn Blind teilt sich in mehrere Bereiche auf. 

Es gibt einen öffentlichen Bereich, wo man sich mit der gesamten Community austauschen kann. Dann gibt es Gruppenkanäle, wo nur Angestellte bestimmter Firmen diskutieren dürfen und ab 30 Mitarbeitenden aus einem Unternehmen gibt's obendrein einen eigenen Kanal, wo sich Kolleginnen und Kollegen untereinander austauschen können.

Dazu gibt es Gruppenchats, Bewertungen für die Firmen, bei denen man arbeitet und Direktunterhaltungen zwischen einzelnen Personen. Ein weiteres Feature, welches das in den USA häufig verhängte Verbot, über Gehalt zu reden, aushebelt, ist ebenfalls Teil von Blind. Dort können Personen aus bestimmten Unternehmen offen darüber sprechen, was sie verdienen und sehen, was andere in der Lohntüte haben. 

Zutritt nur für Mitglieder

Die Nutzer auf Blind sind allesamt anonym, bei der Registrierung wird ein nichtssagendes Pseudonym vorgeschlagen. Trotzdem stellen die Betreiber sicher, dass niemand auf Blind unter falscher Flagge segelt. Um sich bei Blind für ein bestimmtes Unternehmen zu registrieren, muss man sich mit der Firmen-E-Mail registrieren. Anschließend erhält man einen Code, mit dem sich der Zugang freischalten lässt. Erst dann erhält man auf der Seite einen Hinweis am Profilnamen, der die Konzernzugehörigkeit bestätigt.

Die Zugehörigkeit wird unregelmäßig durch den Versand weiterer E-Mail-Codes geprüft. Blind verspricht, dass selbst bei einem Datenleck nicht herauskäme, welche Adresse sich hinter welchem Account verbirgt. Für Außenstehende, die sich einen Account anlegen, bieten sich immerhin die öffentlichen Foren, in denen man sich ebenfalls ein Bild der Lage in einem Unternehmen machen kann. Die wirklich heißen Infos gibt's aber leider nur für Personen mit einer entsprechenden E-Mail-Adresse.

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