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Massenentlassung vom Sonntag FC Schalke in der Krise: der letzte Akt eines absurden Theaters

Schalkes Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf (vorne) schlägt die Hände über dem Kopf zusammen
Schalkes Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf (vorne) schlägt die Hände über dem Kopf zusammen
© Sebastian Gollnow/ / Picture Alliance
Der FC Schalke scheint unrettbar, ein Abstieg ist kaum mehr zu vermeiden. Der Verein steckt in der Krise und versucht mit neuem Personal – sowohl auf dem Platz als auch auf Funktionärsebene – die Trendwende. Wird sie gelingen?
Solch eine Entschlossenheit hat man seit Monaten nicht mehr gesehen beim FC Schalke: Der Aufsichtsrat des einstmals ruhmreichen Klubs aus Gelsenkirchen, Uefa-Cup-Sieger 1997, entließ am Sonntag gleich fünf Führungskräfte. Darunter waren Cheftrainer Christian Gross und Sportvorstand Jochen Schneider.
Auf dem Rasen hingegen waren die Schalker mal wieder allzu zögerlich und gehemmt gewesen. Am Samstag verlor man 1:5 gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart, eine Niederlage mehr in einer gespenstischen Serie von Pleiten. Von zuletzt 39 Bundesligaspielen konnten die Gelsenkirchener nur ein einziges gewinnen, was sich deutlich in der Tabelle niederschlägt. Schalke steht abgeschlagen auf Platz 18, mit neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16. Auch wenn noch elf Saisonspiele ausstehen: Der Verein scheint unrettbar – ein Abstieg ist kaum mehr zu vermeiden.
In diesem Licht muss auch die Massenentlassung vom Sonntag interpretiert werden: Sie ist ein Vorgriff auf die nächste Saison, die man wohl in der zweiten Liga verbringen wird und die man mit neuem Personal beginnen möchte. Sowohl auf dem Platz als auch auf Funktionärsebene.

Die Zeit der großen Namen ist vorbei beim FC Schalke 04

Dass Sportvorstand Jochen Schneider nun entmachtet wurde, ist nur folgerichtig – auch wenn die Trennung reichlich spät erfolgte. Schneider ist der Architekt dieser fehlkonstruierten Schalker Mannschaft, die seit dem Winter 2020 erbärmlichen Fußball spielt. Statt den glücklosen Trainer David Wagner im Frühsommer zu verabschieden, hielt Schneider an ihm fest, um ihn dann im September doch zu entlassen. Es folgten Manuel Baum, kurzzeitig Huub Stevens, der sogenannte Schalker Jahrhundert-Trainer, und schließlich Christian Gross. Alle Trainer-Personalien waren Panik-Personalien, Kurzfrist-Ideen, ohne Perspektive für ein längeres Engagement.
Schneiders strategischem Geschick ist es auch zu verdanken, dass die Mannschaft im Sturm eine große Lücke hat. Nachdem sich Angreifer Vedad Ibisevic mit Trainer Baum gestritten hatte, warf Schneider Ibisevic kurzerhand raus. Dumm nur, dass sich unmittelbar darauf der aus Frankfurt geholte Stürmer Goncalo Paciencia verletzte – und Schalke nun ausgerechnet im Sturm sehr dünn besetzt ist.
Seit Monaten führt der FC Schalke ein absurdes Theater auf. Viele Kapitel sind zum Lachen, manche aber auch erschütternd: Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund (das natürlich verloren wurde, 0:4) drangen 25 aufgebrachte Schalke-Fans in das Mannschaftshotel in Gelsenkirchen-Horst ein. Die Security leistete keinen Widerstand und rief dem Vernehmen nach auch nicht die Polizei, weil sie eine Eskalation vermeiden wollte.
So sind die, die Schalker im Jahr 2021: wehrlos und hilflos. Ob die Wende zum Besseren gelingen wird in der zweiten Liga? Das muss bezweifelt werden. Einen kompetenten und renommierten Sportchef wie Ralf Rangnick werden die Schalker wohl weder bezahlen noch von ihrem Projekt überzeugen können. Als Trainer werden nun Steffen Baumgart (SC Paderborn) und Dimitrios Grammozis (zuletzt Darmstadt 98) gehandelt. Die Zeit der großen Namen ist vorbei auf Schalke. Und die Zeit der großen Träume auch.
fs

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