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Haushaltscheck in der ARD Der faule Trick mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Die ARD wirft der Lebensmittelindustrie vor, das Mindesthaltbarkeitsdatum als Verkaufsinstrument zu missbrauchen. Die meisten Produkte seien viel länger haltbar. Der Minister kündigt Änderungen an.
Von Daniel Bakir

Etwa 82 Kilogramm Lebensmittel wirft jeder Deutsche im Jahr weg, das macht aufs Land gerechnet einen Abfallberg von 6,7 Millionen Tonnen jährlich. Vieles davon aber müsste gar nicht im Müll landen, wie die ARD in ihrem Haushaltscheck vorführt. Unter dem Titel "Kann ich das noch essen? Das Geschäft mit der Haltbarkeit", schickt sie ihre langjährig erprobte WDR-Haushaltsexpertin Yvonne Willicks auf die Suche nach Schimmel in Kühlschränken und Schmuh beim Haltbarkeitsdatum.

Den Schwarzen Peter in Sachen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) schieben die Filmemacher dabei der Industrie zu. "Wird der Verbraucher mit dem MHD manipuliert?" fragt Willicks zu Beginn der Sendung - und versucht anschließend zu belegen, dass das MHD mehr Verkaufsinstrument denn Verbraucherschutz ist. Kronzeugin ist unter anderem Petra Teitscheid, Ökotrophologin von der FH Münster: "Unternehmen und Handel haben natürlich auch Interesse zu verkaufen. Da setzt man das MHD vielleicht knapper um Nachkäufe zu erzeugen", sagt die Professorin.

Besonders anrüchig: Joghurt und andere frische Produkte werden angeblich mit unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten versehen, obwohl sie aus derselben Charge stammen. Klarer Fall von Verbrauchertäuschung. Firmen wie Aldi Süd widersprechen zwar, dass diese Praxis existiert. Doch Werner Rüther, Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft Niedersachsen, bestätigt, dass dies "ab und zu" vorkomme. In welchem Ausmaß weiß er nicht.

Mit dem Vorwurf, das MHD werde als Verkaufsinstrument missbraucht, konfrontiert die ARD auch den obersten Lebensmittelhüter: Bundesernährungsminister Christian Schmidt trifft sich mit Willicks zu einem Frühstück mit ausschließlich abgelaufenen Lebensmitteln. Die seit 16 Tagen abgelaufene Butter schmeckt dem Minister hervorragend, und er verspricht, sich des Themas anzunehmen. Weil das MHD zur frühzeitigen Lebensmittelvernichtung beiträgt, wolle er sich für Änderungen einsetzen. Erfolge will er im Laufe der nächsten zwei Jahre präsentieren.

Bis dahin sollten sich die Verbraucher an die eigene Nase fassen. Denn dafür, dass Lebensmittel schlecht werden, tragen sie manchmal auch selbst die Schuld. Die Haushaltschecker untersuchten 100 private Kühlschränke, in 17 konnten sie Kühlschrankkeime nachweisen.

Auch bei der Nutzung sind viele gedankenlos: Die Temperatur stimmt nicht, Gemüse ist nicht im Gemüsefach gelagert oder der Kühlschrank so voll, dass die Kühlung nicht hinterher kommt. "Überlagert, falsch gelagert - alles klassische Haltbarkeitskiller", heißt es in dem Beitrag.

Wer wissen will, ob Obst, Käse und Lachs sich besser in Folie, Silikonverpackung oder Plastikboxen halten, kann sich den kompletten Haushaltscheck am Montag, 20:15 Uhr, in der ARD oder online in der Mediathek ansehen.


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