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Greenpeace Test 112 Tage über Mindesthaltbarkeitsdatum: So lange halten sich Lebensmittel wirklich

Frau prüft Eier auf ihre Haltbarkeit
Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, heißt das nicht, dass die Lebensmittel verdorben sind.
© Kirsten Nijhof / dpa-Zentralbild / Picture Alliance
Unendlich viele Produkte landen täglich im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Aber tut das wirklich Not? Ein Langzeittest von Greenpeace zeigt, viele Lebensmittel können auch noch lange danach bedenkenlos gegessen werden.

Der Joghurt stand ganz hinten im Kühlschrank. Er fristete wochenlang ein Schattendasein, versteckt hinter den anderen Lebensmitteln. Jetzt ist sein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen, er ist "drüber" wie man so schön sagt. Eine ärgerliche Sache. Aber muss er deswegen wirklich gleich in den Müll oder kann er noch aufs Müsli? Ein Langzeittest vom Greenpeace Magazin zeigt, viele Produkte halten sich länger, als man denkt. Denn nur, weil die Mindesthaltbarkeit überschritten ist, heißt das noch lange nicht, dass man sich beim Verzehr den Magen verdirbt.

Gemeinsam mit dem KIN Lebensmittelinstitut in Neumünster hat Greenpeace Lebensmittel getestet und ist dabei zu überraschenden Ergebnisse gekommen. "Unser Test zeigt, wie irreführend das MHD ist: Alle Produkte haben es mindestens drei Wochen über das aufgedruckte Datum hinaus geschafft", sagt Michael Pauli, Geschäftsführer und Chefredakteur Greenpeace Magazin. Demnach war der gekaufte Naturjoghurt aus dem Becher noch Monate nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit "einwandfrei". Das gilt auch für original verpackten Käse am Stück und eingeschweißte Tortellini mit Käse. 

112 Tage über der Frist und noch in Ordnung

Und auch vermeintliche Wackelkandidaten wie Eier und Vollmilch sind laut Testergebnis nicht direkt schlecht, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wird. Eier, die im Kühlschrank aufbewahrt gewesen waren, waren noch 112 Tage nach Ablauf der Frist "oberste Güteklasse". Danach hätte man sie zwar nicht mehr roh verzehren können, fürs Backen wären sie aber laut Greenpeace noch geeignet gewesen. Die getestete Vollmilch war noch 70 zusätzliche Tage verzehrfähig. "Wir mussten unser Budget aufstocken, um den Test auf die nötigen Monate hinaus auszuweiten, doch das tolle Ergebnis war uns jede Verlängerung wert", so Pauli.

Im Gegensatz zum Verbrauchsdatum gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum eben nicht an, ab wann der Verzehr des Lebensmittels aus gesundheitlichen Gründen unterlassen werden sollte. Denn obwohl sich die Produkte auf Grund der technischen Möglichkeiten und den hohen Hygiene-Standards oftmals lange hielten, so Greenpeace, setzten die Hersteller "das Mindesthaltbarkeitsdatum eher zu knapp" an, getrieben von der Sorge, die Verbraucher könnten schlechte Erfahrungen machen.

49 Tage lang nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums waren die eingeschweißten Falafel-Bällchen noch in Ordnung. Die getestete Salami hielt sich 85 Tage länger, als der Aufdruck vermuten ließ. Und zwar sowohl in der Fleisch- als auch in der veganen Variante. Anstelle solche Produkte also ungeöffnet direkt in den Müll zu werfen, nur weil das Datum des Aufdrucks überschritten ist, empfiehlt Christiane Huxdorff, Landwirtschafts-Expertin Greenpeace, die eigenen Sinne - sehen, riechen, schmecken - zu Rate zu ziehen: "Es ist aus ökologischer Sicht dringend notwendig, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum in seiner jetzigen Form aber führt genau zum Gegenteil und ist irreführend, auch wenn die Lebensmittel noch lange gut und lecker sind." 

Der Test zeige, dass das Risiko bei richtiger Lagerung "für den Verbraucher extrem gering" sei. Das betreffe sowohl die Qualität der Lebensmittel als auch gesundheitliche Faktoren. "Daraus folgt: Wirklich jeder kann etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun", so Pauli. Greenpeace hatte die Tests unter anderem abgebrochen, wenn es zu Schimmelbildung gekommen war oder sich optische, geschmackliche oder geruchliche Abweichungen feststellen ließen. Gleiches gilt für erhöhte Keimzahlen.

Quelle: Greenpeace


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