Atomstreit Öl als Waffe - und der Preis steigt


Kaum hatte der Iran angedeutet, sein Öl bei einem Konflikt mit dem Westen sehr wohl als Waffe einzusetzten, reagierten die internationalen Rohstoffmärkte: Der Preis stieg. Und der für Benzin, Gas und Heizöl gleich mit.

Die Drohung von Ayatollah Ali Chamenei, der Iran könnte bei einer Zuspitzung des Atomstreits die Energielieferungen an den Westen drosseln, hat zu einem neuerlichen Anstieg des Ölpreises geführt. Nach der Rede des geistlichen Staatsoberhaupts am Sonntag in Teheran, zog der Preis am Montag als erstes in Singapur im elektronischen Handel um 90 Cent auf 73,23 Dollar an. Dieser Betrag wurde fällig für ein Barrel (159 Liter) leichten Rohöls mit Lieferdatum Juli.

Andere Energiepreise zogen mit

Der Ölpreis war wegen des Konflikts mit Teheran schon in der vergangenen Woche kontinuierlich gestiegen. Am Montag legten auch die Preise für Benzin, Gas und Heizöl auf den internationalen Rohstoffmärkten zu. Auch Produktionsausfälle in mehreren US-Raffinerien wegen dringender Wartungsarbeiten und schwerer Unwetter trieben den Preis hoch. Bisher hatten iranische Regierungsvertreter stets betont, sie wollten das Öl nicht als Waffe im Atomstreit einsetzen.

Die USA und die Europäische Union (EU) vermuten, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen arbeitet. Der Iran bestreitet dies. Der Vorwurf, Teheran strebe nach einer Atombombe, sei "eine blanke Lüge", sagte Chamenei. Zugleich betonte er, von seinem Land werde kein Krieg ausgehen: "Wir haben keinen Nachbarn bedroht." Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland wollen dem Iran Anreize bieten, damit das Land seine Urananreicherung aussetzt.

Rice versuchte zu beschwichtigen

Chamenei steht auf dem Standpunkt, der Iran habe das Recht, Energie aus Kernkraft zu gewinnen. Wenn das Land darauf verzichte, müsse es "einige wenige westliche und europäische Länder in den nächsten 20 Jahren um Energie anbetteln". Das geistliche Oberhaupt des Iran hatte die USA zuvor gewarnt, ein falscher Schritt im Atomstreit gefährde die Ölexporte aus der Region. Chamenei sagte am Sonntag im staatlichen Rundfunk, die USA und ihre Verbündeten wären nicht in der Lage, alle Schiffe in der Straße von Hormus zu schützen, durch die ein Großteil der Öllieferungen in den Westen gelangt.

Die Islamische Republik ist der weltweit viertgrößte Erdölexporteur und hatte bislang ausgeschlossen, ihre Öl-Vorräte als Druckmittel einzusetzen. US-Außenministerin Condoleezza Rice rief dazu auf, der iranischen Drohung nicht zu viel Bedeutung beizumessen. "Immerhin ist der Iran sehr abhängig von seinen Öl-Einnahmen", sagte sie "Fox News Sunday".

Iran soll zügig antworten

Weiter erklärte Rice, sie erwarte von Teheran eine zügige Antwort auf das jüngste Angebot im Atomstreit. Eine Klärung des Konflikts müsse innerhalb von Wochen, nicht von Monaten erreicht werden. Rice sprach von einer "großen Chance" für den Iran. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana werde den jüngsten Vorschlag am Dienstag der iranischen Regierung übermitteln, verlautete aus EU-Diplomatenkreisen.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte am Samstag, man werde sich mit der Prüfung des Angebots Zeit lassen. "Wir streben Verhandlungen an, aber faire und gerechte Verhandlungen. Es darf keine Bedingungen geben", sagte Ahmadinedschad in einer Rede in Teheran. In einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Kofi Annan bekräftigte er das Festhalten am Atomprogramm. Zuvor hatte Außenminister Manutschehr Mottaki im Falle von Verhandlungen ohne Vorbedingungen eine baldige Lösung des Atomstreits in Aussicht gestellt. "Bei gutem Willen ist ein Durchbruch möglich", sagte Mottaki am Samstag vor Journalisten.

Airlines erwarten hohe Verluste

Eine der ersten Branchen, denen die ständig steigenden Energiekosten Probleme bereitet, ist die Luftfahrt. Trotz weiter steigender Passagierzahlen befürchten die Fluggesellschaften für 2006 wegen des Ölpreises mit drei Milliarden Euro klar höhere Verluste als zunächst erwartet. Im laufenden Jahr sei angesichts des Ölpreis-Höhenfluges mit Ausgaben von 112 Milliarden Dollar für Treibstoff zu rechnen, teilte die in Paris tagende Internationale Flugtransport-Vereinigung (IATA) am Pfingstmontag mit. Im vergangenen Jahr gaben die 265 in der IATA zusammengeschlossenen Fluggesellschaften 91 Milliarden Dollar für Kerosin aus. In Europa schwächen sich die Branchengewinne 2006 ab.

AP/Reuters AP Reuters

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