Autohersteller BMW vertieft Gespräche mit Mercedes


Der Autobauer BMW verhandelt mit Mercedes über eine weit stärkere Kooperation als bisher angenommen. Die mögliche Kooperation der Autokonzerne könnte über den Bau von gemeinsamen Motoren hinausgehen.
Von Kristina Spiller

Die beiden Autohersteller BMW und Mercedes diskutierten nicht nur die Zusammenarbeit bei Motoren für geplante kleinere Automodelle, sondern erwägen auch die gemeinsame Nutzung und Entwicklung großer Komponentensätze. Dies erfuhr die FTD aus gut informierten Kreisen. Dies könnten etwa ganze Module aus Achsen, Lenkungen oder Getrieben sein.

Um BMW besser aufzustellen, arbeitet Konzernchef Norbert Reithofer an einem neuen Konzept für das Unternehmen. Das Unternehmen hinkt bei der Gewinnmarge Mercedes und Audi hinterher. Hatte BMW im dritten Quartal eine Umsatzrendite im Autogeschäft von 5,4 Prozent, konnte Mercedes 9,4 Prozent vorweisen und die VW-Tochter Audi sogar zehn Prozent. Christoph Stürmer, Analyst bei Global Insight, warnte zudem: "Reithofer merkt sicher, dass er nächstes Jahr mit einem maximal stabilen Absatz rechnen kann. Denn sein Modellfeuerwerk ist vorerst abgebrannt. Um Ergebnissteigerungen zu zeigen, muss er den Konzern schlanker machen."

Sparziel von acht Milliarden Euro

Wie es in Konzernkreisen heißt, habe der BMW-Vorstand intern ein Sparziel von acht Milliarden Euro festgelegt. Rund 60 Prozent sollen durch geringere Materialkosten hereinkommen. Die restlichen 40 Prozent sollen durch effizientere Prozesse eingespart werden. So wolle BMW-Chef Reithofer sicherstellen, dass der Konzern die im September offiziell ausgegebene Vorgabe definitiv erreicht: Da wurde verkündet, dass BMW durch Einsparungen ab 2012 das jährliche Konzernergebnis um sechs Milliarden Euro aufbessern wolle. Ein BMW-Sprecher wollte weder das interne Sparziel noch Gespräche über eine tiefere Kooperation bestätigen. Ein Daimler-Sprecher gab ebenfalls keinen Kommentar ab.

Kurz vor Weihnachten war bekannt geworden, dass BMW im neuen Jahr bis zu 8000 Stellen streichen will. Vor allem die in Bayern und dem Leipziger Werk beschäftigten rund 7000 Leiharbeiter seien betroffen, hieß es in Konzernkreisen. Ein Sprecher bestätigte, dass es sich bei den Streichplänen um "mehrere Tausend Stellen" handele. An der Stammbelegschaft von rund 108.000 Menschen soll demnach kaum gerüttelt werden. Dort sollten Jobs nur durch Altersteilzeit, natürliche Fluktuation und Abfindungen abgebaut werden. Langfristig solle die Stellenzahl gleich bleiben, so der Sprecher.

Die Rivalen brauchen Unterstützung

Um die Gewinnziele zu erreichen, kommt BMW vor allem beim Bau von kleinen Fahrzeugen ohne die Daimler-Tochter Mercedes nicht aus. Der Rivale braucht ebenfalls Unterstützung. Denn bei Kleinwagen sind die Margen schmal. Den Premiumherstellern fehlen die nötigen großen Absatzzahlen, um Kleinwagen rentabel auf den Markt bringen zu können. Andererseits benötigen auch BMW und Mercedes kleinere Autos, um auf drohende Strafen durch die neue EU-Gesetzgebung für den CO2-Ausstoß reagieren zu können.

"BMW ist dabei, einen Wagen unterhalb des 1er-Modells zu entwickeln, der 2011 auf den Markt kommen könnte", sagte ein Manager. Ein passender Partner dafür sei Mercedes, der für seine A- und B-Klasse Nachfolger plant. Bisher hieß es bei BMW und Mercedes nur, sie diskutierten eine Motorenkooperation.

Mercedes braucht ebenfalls einen Partner für seine Kleinwagenpläne. So basiert die A- und B-Klasse auf einer aufwendigen Plattform, die für die Nachfolger dieser Produktreihen nicht gewinnbringend genutzt werden kann. "Daimler benötigt dringend eine neue Plattform, mindestens aber die Zusammenarbeit bei einer Großzahl der Komponenten wie Achsen, Getriebe, Motoren", sagt ein Kenner des Konzerns. Die Entwicklung einer Plattform für die Kleinwagen rentiere sich erst bei einem Absatz von 500.000 Wagen. "Allein ist das weder für BMW noch für Mercedes zu schaffen", heißt es im Umfeld der Hersteller.

Noch wird bei beiden Herstellern heftig diskutiert, wie weit sie kooperieren können, ohne die Identität ihrer Marken zu schädigen. "Wir können nicht unsere Kernkompetenz und das, wofür unsere Marke steht, gefährden", so ein BMW-Manager.

FTD

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