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Automesse China: VW-Manager Bernhard auf Abwegen

VW-Markenchef Bernhard legte auf der "Auto China" nur einen müden Auftritt hin. Vielleicht, weil er Konzern ohnehin bald verlässt. Vielleicht auch, weil VW in China die besten Zeiten schon hinter sich hat.

Von Rolf-Herbert Peters, Peking

Früher wäre solch ein Samstag ein großer Tag für VW-Markenchef Wolfgang Bernhard gewesen. Hunderte von Journalisten drängen sich wie die Pinguine um den VW-Messestand in Halle 8 der Auto China 2006. Normalerweise würde Bernhard vor solch einer Kulisse richtig aufdrehen, sich berauschen an seinen Produkten und seiner Leistung. Doch heute, am Tag eins nach der Aufsichtsratssitzung, die ihm seinen ungeliebten Kollegen Martin Winterkorn vor die Nase setzte, hat er offenbar keine rechte Lust auf Party.

Müde schreitet er zur Präsentation der Fahrzeugstudie "Concept A", einem flotten Mix aus Sport- und Geländewagen, reißt seine Rede herunter - und kauert sich schnell wieder in die ersten Stuhlreihe. Eigentlich sollte noch Audi-Boss Winterkorn neben ihm sitzen, doch der ist nicht zur Pressekonferenz gekommen. Ob er denn nun bleibe bei VW, trotz Winterkorn, die Frage will Bernhard auch heute nicht beantworten. Er lächelt versteinert.

Santana ist das Synonym für Auto

Ein bisschen mehr gute Miene hätte das Land des Lächelns verdient. China ist Hoffnungsträger Nummer eins für Volkswagen. Seit 1984 betreiben die Wolfsburger zwei Joint Ventures in Peking und Shanghai mit landeseigener Produktion. Der VW-Markenname Santana ist hier fast solch ein Synonym für Auto wie bei uns Tempo für Papiertaschentuch.

Die Modellpalette ist attraktiv und offenbar kompatibel mit den Wünschen der Einheimischen. Passat Lingyu, Sagitar (Jetta), Bora und Polo laufen gut. Mehr als 600.000 Fahrzeuge wird VW dieses Jahr in China verkaufen. Statt eines Verlustes von 190 Millionen Euro wie im vergangenen Jahr soll 2006 ein dreistelliger Millionengewinn herausspringen. Mit 17,5 Prozent Marktanteil belegt VW Platz eins der chinesischen Verkaufshitparade vor GM, Hyundai, Honda und Toyota. Das klingt gut, doch die VW-Manager müssen kämpfen, um den Platz zu halten: Im Jahr 2000 waren es schon einmal bei 50 Prozent.

Kosten drücken wegen Konkurrenz

Heute buhlen 60 Hersteller mit 190 immer neuen Modellen um die Gunst der 1,3 Milliarden Einwohner. An diesem Samstag hat auch VW-Landeschef Winfried Vahland frische Ware vorzustellen: die in China produzierten Modelle Magotan, eine Passat-Variante, und den neuen Bora HS. Außerdem blitzen die Importmodelle Eos, Golf GTI und CrossPolo erstmals im Licht der Pekinger Messelampen.

Nächstes Jahr, schätzt Vahland, werden in China über vier Millionen Autos verkauft - erstmals mehr als in Deutschland. Drei von vier Kunden erwerben dann das erste Mal ein Auto. Spätestens 2008 ist das Land mit seinen 1,3 Milliarden Menschen zum größten Automarkt der Welt gewachsen. Doch auf allem lastet ein dickes Problem: der Durchschnittsverdienst der Bevölkerung liegt bei 1800 Dollar - pro Jahr. Wer soll damit ein Qualitätsfahrzeug bezahlen? Viel Angebot, wenig Nachfrage: da brechen zudem die Preise ein. Bis 2008 will Vahland deshalb die Produktionskosten um 40 Prozent drücken.

VW vielleicht bald ohne Bernhard

Außerdem sollen die VW-Modelle noch stärker auf den chinesischen Geschmack abgestimmt werden. Auf der Messe können die Besucher den ersten VW besichtigen, der komplett in Shanghai entwickelt wurde: die Studie Neeza, eine Mischung aus Sportlimousine, Coupe und Variant. 1600 Entwickler arbeiten inzwischen für VW China.

Markenchef Bernhard wollen diese Zahlen heute nicht aufmuntern. Dem schicken Neeza nähert er sich nicht einmal. Vielleicht müssen die Chinesen ja ohnehin bald ohne ihn auskommen.