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Automobil-Branche: China überholt Deutschland

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PwC hat sich China in die Top-Drei der weltweit größten Automobil-Produzenten gedrängt. Damit rutscht Deutschland auf den unrühmlichen vierten Platz.

China dürfte Deutschland einer Studie zufolge bereits in diesem Jahr in der Spitzengruppe der größten Automobil-Produzenten überholen. 2006 werde die chinesische Auto-Produktion um knapp ein Viertel auf gut 5,4 Millionen Fahrzeuge steigen, prognostiziert das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer am Montag veröffentlichten Studie. Damit würde das Reich der Mitte in der Rangliste der größten Herstellerländer hinter den USA und Japan auf Rang drei vorrücken und Deutschland auf die vierte Position verdrängen. In Deutschland liefen im vergangenen Jahr 5,35 Millionen Pkw vom Band, für 2006 erwartet die Branche rund 5,4 Millionen Einheiten.

Weltweit wird die Autoproduktion laut der PwC-Schätzung bis 2010 auf mehr als 70 Millionen Einheiten zunehmen, das sind knapp 14 Prozent mehr als 2005. Der Zuwachs konzentriert sich auf Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und China, während die traditionellen Autogrößen USA, Japan und Europa seit Jahren stagnieren.

GM verschwindet aus der Liste wachsender Autobauer

Ungeachtet der wachsenden Bedeutung chinesischer Hersteller profitieren der Studie zufolge die etablierten Autokonzerne am meisten vom Produktionswachstum. So werde Toyota allein 27 Prozent des weltweiten Zuwachses abdecken. Renault/Nissan folgten mit großem Abstand auf dem zweiten Rang (15,8 Prozent), gefolgt von Hyundai (14,8) und Volkswagen (12,3). Der größte chinesische Anbieter SAIC schafft mit einem geschätzten Anteil von 2,1 Prozent immerhin den Sprung auf Platz zehn. Der in der Sanierung steckende Autoriese General Motors dagegen, bislang noch Nummer eins der Welt, taucht in dieser Rangliste überhaupt nicht mehr auf.

Toyota hatte ehrgeizige Wachstumspläne präsentiert, durch die der hoch profitable japanische Konzern 2008 zum weltweiten Marktführer aufsteigen will. Branchenexperten hatten dies schon für 2007 erwartet. Toyota macht den dominierenden US-Autobauern GM und Ford vor allem auf ihrem Heimatmarkt zu schaffen und knöpft ihnen immer mehr Marktanteile ab. Die Platzhirsche sind dadurch zu immer einschneidenderen Sanierungsprogrammen gezwungen. Sie müssen tausende Stellen abbbauen und Randbereiche abstoßen, um aus den roten Zahlen zu kommen.

PWC: Chinesen kaufen in den USA massiv Zulieferer

Für chinesische Automobilzulieferer eröffnen sich dadurch Expansionschancen. PwC erwartet, dass chinesische Anbieter die Gelegenheit ergreifen und sich in großem Maßstab in die nordamerikanische Zulieferindustrie einkaufen werden.

Auch in Europa stehen heimische Autobauer wie Volkswagen wegen der zunehmenden Konkurrenz aus Fernost unter Druck und senken in großem Stil Kosten. Japanische und südkoreanische Hersteller ziehen in Niedriglohnländern Osteuropas neue Werke hoch und nehmen die Konkurrenz mit günstigen Kleinwagen ins Visier.

Die Autobauer aus dem Reich der Mitte setzen unterdessen erneut zum Sprung nach Deutschland an. Der chinesische Produktionspartner von BMW, Brilliance China Automotive, will mit dem Export eigener Modelle beginnen und hat nach eigenen Angaben mit dem deutschen Autohändler HSO einen Liefervertrag über 3000 Autos vom Typ "Zhonghua" unterzeichnet. Ein erster Versuch des Autobauers Jiangling mit dem Verkauf des Geländewagens "Landwind" war im vergangenen Jahr hier zu Lande an Qualitätsmängeln gescheitert.

Reuters / Reuters