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Zwangsarbeiter-Aussagen: Keksunternehmerin Verena Bahlsen bittet um Entschuldigung – und will dazulernen

Verena Bahlsen zeigt Einsicht: In einer persönlichen Erklärung bittet sie um Entschuldigung für ihre Äußerung zum Umgang mit Zwangsarbeiter in dem Keksunternehmen zur NS-Zeit

Verena Bahlsen

Verena Bahlsen entfachte mit ihren Äußerungen eine Debatte über Zwangsarbeiter in dem Keksunternehmen zur NS-Zeit

DPA

Nach der Aufregung um ihre Äußerungen zur Rolle des Keksunternehmens Bahlsen im Dritten Reich zeigt Firmenerbin Verena Bahlsen Reue.

In einer persönlichen Stellungnahme erklärt die 26-Jährige, sie bedauere ihre Worte: "Das tut mir leid. Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen."

Sie habe erkannt, dass sie als Vertreterin der Nachfolgeneration Verantwortung für die Geschichte des Unternehmens habe. "Ich entschul­dige mich ausdrück­lich bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe", so Verena Bahlsen weiter.

Verena Bahlsen

Verena Bahlsen entfachte mit ihren Äußerungen eine Debatte über Zwangsarbeiter in dem Keksunternehmen zur NS-Zeit

DPA

Bahlsen will 200 Zwangsarbeiter beschäftigt haben

Die Firmenerbin, die ein Viertel der Anteile an Bahlsen hält, hatte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung über Zwangsarbeiter in dem Keksimperium während der NS-Zeit gesagt: "Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt." Der Bahlsen-Konzern habe sich "nichts zuschulden kommen lassen".

Die Aussage hatte international massive öffentliche Entrüstung hervorgerufen und wurde als Verharmlosung der Verbrechen der Nazis gewertet. So nannte Historiker Historiker Michael Wolffsohn Bahlsens Äußerung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA "für geschichts- und geschäftsmoralisch unerträglich" und "eines bundesdeutschen Unternehmens unwürdig". 

Die Konzernkommunikation von Bahlsen reagierte bereits am Montag auf die steilen Thesen der Firmenerbin. "Das Unter­nehmen ist sich bewusst, welch großes Leid und Unrecht den Zwangs­ar­beiter sowie vielen anderen Menschen damals wider­fahren ist und erkennt hierin seine histo­ri­sche und mora­li­sche Verant­wor­tung", hieß es in einem Statement.

Nach eigenen Angaben beschäftigte das Unternehmen zwischen 1943 und 1945 rund 200 Zwangsarbeiter. "Die gleiche Bezahlung wie deutsche Arbeiter war selbstverständlich und die gute Behandlung führte dazu, dass sie sich am Ende des Krieges gemeinsam mit den deutschen Kollegen vor 'ihr' Werk stellten und eine Plünderung verhinderten", beschreibt die offizielle Firmenchronik in knappen Worten den Einsatz von Zwangsarbeitern.

Verena Bahlsen will sich mit Historie beschäftigen

"Das schwerwiegende Wort dabei ist nicht 'arbeiten', das schwerwiegende Wort dabei ist 'Zwang'. Das ist eine psychologische Erniedrigung – das sind Fesseln, die jemandem auferlegt werden", verdeutlichte der Historiker Guy Stern das den Zwangsarbeitern widerfahrende Unrecht.

Der Bahlsen-Konzern kündigte an, die Geschichte der Zwangsarbeiter "von unab­hän­gigen Histo­ri­kern noch umfas­sender aufar­beiten lassen und veröffentlichen" zu wollen.

Firmenerbin Verena Bahlsen hat sich ebenfalls vorgenommen, sich noch einmal mit der Geschichte des Traditionsbetriebs aus Hannover auseinanderzusetzen: "Ich habe auch erkannt, dass ich mich inten­siver mit der Historie des Unter­neh­mens, dessen Namen ich trage, beschäf­tigen muss."

TV-Interview: Bahlsen-Keksdiebe finden sich toll

Quellen: Pressemitteilungen von Bahlsen, Firmenchronik von Bahlsen, "Bild", Nachrichtenagentur DPA

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