HOME

Bahn-Tarifverhandlungen: Bahn-Streik soll zwei Stunden dauern

Bahnpendler müssen wieder starke Nerven haben: Die Gewerkschaften machen in der komplizierten Tarifrunde ernst und wollen bundesweit den Regionalverkehr bestreiken - Dienstagfrüh soll es losgehen.

Wegen erster Warnstreiks im Tarifkonflikt der deutschen Bahnbranche müssen sich Pendler an diesem Dienstag auf erhebliche Behinderungen einstellen. Vom frühen Morgen an sind im Regionalverkehr bundesweit jeweils zweistündige Arbeitsniederlegungen geplant, wie es aus Gewerkschaftskreisen hieß. Nähere Einzelheiten wollten Transnet und GDBA am Montagnachmittag mitteilen. Es sei aber davon auszugehen, "dass diese Warnstreiks sich in dieser Woche über das ganze Bundesgebiet ziehen werden", sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner der Nachrichtenagentur DPA.

Nach Informationen des Bielefelder "Westfalen-Blatts" soll der Regionalverkehr bundesweit zwischen 5.00 Uhr und 10.00 Uhr lahmgelegt werden. Die Warnstreiks könnten auch den Fernverkehr in Mitleidenschaft ziehen, wenn auch Fahrdienstleiter streiken, die zum Beispiel Weichen stellen.

"Es geht nicht darum, die Pendler zu treffen"

Transnet-Chef Kirchner sagte, es gehe den Gewerkschaften nicht darum, Pendler zu treffen. Den Unternehmen solle aber deutlich gemacht werden, dass sie sich bewegen müssten. Das jüngste Angebot der sechs großen Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia Verkehr und Hessische Landesbahn sehe ein Einkommensniveau vor, dass rund 20 Prozent unter dem der Deutschen Bahn liege. "Das können wir so nicht mitmachen", sagte Kirchner.

Mit den Protestaktionen soll in den Verhandlungen mit sechs großen Konkurrenten der Deutschen Bahn (DB) der Druck erhöht werden. Die Warnstreiks sollen aber nicht nur die sechs Privatbahnen betreffen, sondern auch die bundeseigene DB.

Transnet, GDBA sowie die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln seit mehreren Wochen parallel mit den Privatbahnen und der Deutschen Bahn über einheitliche Tarifstandards für die Branche. Damit soll ein Wettbewerb über die Lohnkosten vermieden werden. Die Einkommen bei privaten Konkurrenten liegen teils 20 Prozent unter dem Niveau der Deutschen Bahn. Mit Regionalzügen fahren allein bei der Deutschen Bahn als Marktführer täglich 3,4 Millionen Passagiere.

Auch bereit für Schlichtung

Die Privatbahnen sehen weiter die Möglichkeit einer Lösung auf dem Verhandlungsweg. Sie dringen darauf, die im September begonnenen Gespräche über einen gemeinsamen Tarifvertrag fortzusetzen und sind dafür auch bereit, in ein Schlichtungsverfahren einzutreten.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer beteiligt sich nicht an den Streiks. Sie verhandelt separat mit den Bahnen über einen neuen Flächentarifvertrag für Lokomotivführer und Zugbegleiter. Frank Schmidt, GDL-Bezirkschef in Nordrhein-Westfalen, sagte dem "Westfalen-Blatt": "Streik kommt für uns nicht infrage. Wir sind bei unseren Verhandlungen auf einem guten Weg."

P.S.: Haben Sie Verständnis für streikende Bahner? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook.

DPA / DPA